{"id":4428,"date":"2015-05-13T00:35:16","date_gmt":"2015-05-12T22:35:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=4428"},"modified":"2015-05-13T00:35:16","modified_gmt":"2015-05-12T22:35:16","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-vierheber-44","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4428","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (44)"},"content":{"rendered":"<p>Ignaz Franz Castelli war kein sehr origineller Dichter; er hat, auch handwerklich m\u00e4\u00dfig geschickt, gestaltet, was andere schon vor ihm gestaltet hatten. Gerade darum aber ist er geeignet, den auch 1844 (da erschienen seine gesammelten Werke) schon etliche Jahrhunderte lang benutzten Vorrat an Wendungen zur Beschreibung der weiblichen Sch\u00f6nheit so, wie er ist, vor den Leser hinzustellen! Er tut das am Anfang von &#8222;Liebesfeuer&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Donna Stella war die sch\u00f6nste<br \/>\nVon den Frauen in Sevilla;<br \/>\nTrug sie ihren Schleier offen,<br \/>\nMussten ihn die andren senken.<\/p>\n<p>Ihre Augen waren Sonnen,<br \/>\nUnd das Feuer dieser Sonnen<br \/>\nZog aus M\u00e4nneraugen Wasser,<br \/>\nDie doch sonst nicht gerne weinen.<\/p>\n<p>Ihre Haare waren Netze,<br \/>\nVon den Grazien selbst geringelt,<br \/>\nDass die Locken mussten locken<br \/>\nJeden, der sie sah, und fangen.<\/p>\n<p>Ihre Lippen waren rote,<br \/>\nZum Genuss geschwellte Beeren,<br \/>\nDie da winkten, dass sich jeder<br \/>\nL\u00fcstern m\u00fchte, sie zu pfl\u00fccken.<\/p>\n<p>Ihre Z\u00e4hne waren Perlen,<br \/>\nDie nicht schliefen in den Tiefen,<br \/>\nSondern in dem mildsten Glanze<br \/>\nJedem Auge offen lagen.<\/p>\n<p>Ihre Haut war Alabaster,<br \/>\nDrin sich blaue Adern schl\u00e4ngeln,<br \/>\nUnd der Aeolsharfe T\u00f6nen<br \/>\nGlichen ihrer Stimme Kl\u00e4nge.<\/p>\n<p>Also war der Frauen sch\u00f6nste<br \/>\nDonna Stella in Sevilla,<br \/>\nUnd kein M\u00e4nnerauge pflegte<br \/>\nUnbedarft ihr zu begegnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vierhebige reimlose Troch\u00e4en, in Strophen geordnet; was freilich durch das aufz\u00e4hlende Wesen des Gedichts nicht weiter auff\u00e4llt.<\/p>\n<p>Wie ernst dieser Text gemeint ist, ist schwer zu sagen &#8230; Sp\u00e4testens nach den &#8222;lockenden Locken&#8220; der dritten Strophe m\u00f6chte man an eine Parodie oder einen sonstwie humoristischen Text glauben; aber ich f\u00fcrchte, das ist er einfach nicht?!<\/p>\n<p>Immerhin bietet er in \u00fcbersichtlicher Form eine \u00dcbersicht \u00fcber die altbew\u00e4hrten Versatzst\u00fccke, die weibliche Sch\u00f6nheit zu beschreiben; wer das heute wagen will, tunlichst in unernster Absicht! kann sich hier bedienen.<\/p>\n<p>Die vorgestern unter <strong>(43)<\/strong> vorgestellten Verse Adolf Peters&#8216; waren sicher keine Meisterwerke, aber verglichen mit denen Castellis doch eine andere Liga &#8211; eben weil Peters dem Vorgefundenen eine eigene Wendung gegeben hat. Keine aufsehenerregende; aber immerhin!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ignaz Franz Castelli war kein sehr origineller Dichter; er hat, auch handwerklich m\u00e4\u00dfig geschickt, gestaltet, was andere schon vor ihm gestaltet hatten. 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