{"id":4464,"date":"2015-05-24T00:16:21","date_gmt":"2015-05-23T22:16:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=4464"},"modified":"2015-05-24T00:18:03","modified_gmt":"2015-05-23T22:18:03","slug":"erzaehlformen-die-alkaeische-strophe-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4464","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Die alk\u00e4ische Strophe (15)"},"content":{"rendered":"<p>Walther Hof gibt in seinem lesenswerten Buch &#8222;H\u00f6lderlins Stil als Ausdruck seiner geistigen Welt&#8220; (Westkulturverlag Anton Hain 1954) auch einige Hinweise auf das Wesen der alk\u00e4ischen Strophe (andere Beschreibungen finden sich in <strong>(2)<\/strong>!). Auf den Seiten 116 und 117 findet sich zum Silbenbild der Strophe:<\/p>\n<p>x X x X x <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> X x x X x X<br \/>\nx X x X x <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> X x x X x X<br \/>\nx X x X x X x X x<br \/>\nX x x X x x X x X x<\/p>\n<p><em>Die beiden ersten Zeilen sind gleich. Innerhalb der Zeilen sind erste und zweite H\u00e4lfte einander insofern entgegengesetzt, als die erste steigendes, die zweite fallendes Ma\u00df hat. In der Mitte, der Z\u00e4sur, sto\u00dfen aber keine Hebungen aufeinander, es kann also hier in keinem Sinn der Eindruck eines Gegeneinander entstehen. Vielmehr geht der Fluss der Bewegung durch die Pause hindurch. Beide Teile sind also einander harmonisch entgegengesetzt als steigender und fallender Ast eines Bogens. St\u00fcnde nach der Pause kein Daktylus, so entst\u00fcnde eine ganz linerare Bewegung, weil die Pause dann gar nicht bemerkt w\u00fcrde. &#8230; Durch die Doppelsenkung aber wird die erste Hebung der zweiten H\u00e4lfte st\u00e4rker hervorgehoben und damit auch die gegenrhythmische Unterbrechung in der Mitte. Mit der ersten Hebung der zweiten H\u00e4lfte beginnt so der Abklang, und zugleich bildet sie mit der durchklungenen Pause zusammen den H\u00f6hepunkt eines rhythmischen Bogens.<\/em><\/p>\n<p>Hm. Die Z\u00e4sur ist im deutschen Elfsilber immer ein Problemfall gewesen; Bemerkenswert, wie sie Hof hier zu beschreiben versucht?! Zum dritten und vierten Vers (Seite 117, 118):<\/p>\n<p><em>Den beiden ersten Zeilen, deren jede bis zu einem gewissen Grade in sich geschlossen und im Gleichgewicht ist, folgen nun die beiden letzten, die f\u00fcr sich unselbstst\u00e4ndig sind und erst zusammen ein Ganzes bilden. Und zwar stehen die beiden Zeilen dieses &#8222;Abgesangs&#8220; genau im gleichen Verh\u00e4ltnis zueinander wie die H\u00e4lften der ersten beiden Zeilen. Die erste Zeile des Abgesangs stellt eine Verl\u00e4ngerung der ersten Halbzeile dar und hat steigenden Rhythmus, die zweite hat den fallenden Rhythmus der zweiten Halbzeile, verdoppelt deren Daktylus und endet klingend, so dass sie gegen\u00fcber dem Hebungsschluss der zweiten Halbzeile wirklich einen Ausklang darstellt. Sie verdoppelt gleichsam die Versf\u00fc\u00dfe des &#8222;Adoneus&#8220;, dessen Wesen idealer Ausklang ist. Entsprechend dieser Verst\u00e4rkung des Bauprinzips der Halbzeilen ist auch die Z\u00e4sur zwischen dritter und vierter Zeile st\u00e4rker als zwischen den Halbzeilen und, da ja auch hier ein \u00dcbergang besteht, der Bogen h\u00f6her und gespannter als innerhalb der beiden ersten Zeilen. Endlich findet sich auc zwischen der zweiten Zeile und dem Abgesang der \u00dcbergang eines Wellentals, der \u00dcbergang von fallendem und steigendem Rhythmus, und zwischen Strophenschluss und Anfang der neuen Strophe ergibt sich dasselbe Verh\u00e4ltnis, so dass das Strophenenjambement von diesem Ma\u00df geradezu herausgefordert wird. Aber auch wo es nicht vorhanden ist, bietet das Versma\u00df niemals einen harten und unbedingten Abschluss, sondern immer einen weichen und offenen Ausklang.<\/em><\/p>\n<p>Das liest sich sehr \u00e4hnlich dem, was andere auch sagen zum Strophenbau, aber eben nicht ganz genau so; und die grundlegenden Dinge noch einmal erkl\u00e4rt zu bekommen, schadet ohnehin nicht. Daher folgt jetzt auch noch, als Schluss, der n\u00e4chste Satz\u00a0 Hofs, dessen Inhalt man nicht oft genug wiederholen kann:<\/p>\n<p><em>Das alk\u00e4ische Ma\u00df ist also zwar vierzeilig, aber dreiteilig.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Walther Hof gibt in seinem lesenswerten Buch &#8222;H\u00f6lderlins Stil als Ausdruck seiner geistigen Welt&#8220; (Westkulturverlag Anton Hain 1954) auch einige Hinweise auf das Wesen der alk\u00e4ischen Strophe (andere Beschreibungen finden sich in (2)!). 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