{"id":464,"date":"2014-01-05T14:57:35","date_gmt":"2014-01-05T12:57:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=464"},"modified":"2014-01-05T15:04:51","modified_gmt":"2014-01-05T13:04:51","slug":"erzaehlverse-der-iambische-trimeter-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=464","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der iambische Trimeter (6)"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte noch einmal kurz auf den Einschnitt, die Z\u00e4sur des Trimeters zur\u00fcckkommen!<\/p>\n<p>1740 war Johann Elias Schlegel einundzwanzig Jahre alt und noch Student in Leipzig. In dieser Zeit hat er Aristophanes \u00fcbersetzt, in Trimetern; und auch ein eigenes &#8222;Lustspiel&#8220; in dieser Versart verfasst, &#8222;Die entf\u00fchrte Dose&#8220;. Dessen Anfang liest sich so:<\/p>\n<p>FOPPENDORF<br \/>\nTriumph, Herr Bruder! Rufe doch; Triumph, Triumph!<\/p>\n<p>GLOCKE<br \/>\nVon Herzen gerne. Tausend, tausendmal Triumph!<br \/>\nTriumph, mein werter, allerliebster Foppendorf!<br \/>\nTriumph noch einmal! &#8211; Aber nun sei auch so gut,<br \/>\nUnd lass mich wissen, warum ich Triumph geschrien?<\/p>\n<p>Ein etwas alberner Einstieg, vielleicht; den ich trotzdem mag. Wichtiger ist aber, vom Vers aus gedacht, der Umstand, dass die sehr deutlichen Einschnitte des Verses (erkennbar an den Satzzeichen) <em>immer<\/em> hinter der f\u00fcnften Silbe liegen! Und das ist nicht nur zuf\u00e4llig bei diesen f\u00fcnf Versen so, sondern das ganze St\u00fcck hindurch. Diese Festlegung der eigentlich beweglichen Z\u00e4sur macht den Vers starr, er bewegt sich anders, als wenn der Einschnitt auch immer mal wieder nach der siebten Silbe erfolgt, oder gar zwei Z\u00e4suren vorhanden sind (Beispiele haben die fr\u00fcheren Trimeter-Eintr\u00e4ge)!<\/p>\n<p>Eine solche Starrheit kann gef\u00e4hrlich sein, weil sie das Ohr leicht langweilt und die Aufmerksamkeit von Leser und H\u00f6rer nicht gehalten werden kann. In einem lustigen Wechselgespr\u00e4ch, wie es diese f\u00fcnf Verse enthalten, f\u00e4llt das vielleicht gar nicht auf; aber in ruhigeren, l\u00e4ngeren Abschnitten macht sich das doch bemerkbar.<\/p>\n<p>Foppendorf &#8222;triumphiert&#8220;, weil er von seiner Angebeteten etwas, nun ja: &#8222;erobert&#8220; hat, wie er es nennt, oder &#8222;ein mit Gewalt entf\u00fchrtes Geschenk&#8220;.<\/p>\n<p>GLOCKE<br \/>\nDas ist was Neues! Ein Geschenke, das man stiehlt.<br \/>\nWas ist es aber?<\/p>\n<p>FOPPENDORF<br \/>\n<span style=\"color: #e7e7e7\">.\u00a0<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Eine Dose! Denke doch!<br \/>\nAch lieber Bruder! Eine Dose, die so oft<br \/>\nDen sch\u00f6nen H\u00e4nden tausend Zeitvertreib gemacht;<br \/>\nAus der sie schnupfte, wenn ihr was zuwider war;<br \/>\nMit der sie spielte, wenn sie in Gedanken sa\u00df;<br \/>\nDie sch\u00f6ne Dose! die kein Silber und kein Gold,<br \/>\nUnd keine B\u00e4nder zu bezahlen f\u00e4hig sind;<br \/>\nSo viel ich immer bei den M\u00e4gdchen lange Zeit<br \/>\nGeraubt, erbettelt, aus den Winkeln vorgesucht.<br \/>\nVon nun an r\u00fchr ich keine Dose weiter an;<br \/>\nNur die ist w\u00fcrdig, dass sie mich zu niesen macht.<\/p>\n<p>Da l\u00e4sst es sich diese Auswirkung der festen Z\u00e4sur vielleicht schon besser ahnen?! Noch deutlicher zu h\u00f6ren ist sie am Anfang von Schlegels &#8222;G\u00e4rtnerk\u00f6nig&#8220; &#8211; der angesprochene &#8222;Alexander&#8220; ist &#8222;der Gro\u00dfe&#8220;:<\/p>\n<p>HEPH\u00c4STION<br \/>\nHier, Alexander, zeig ich dir den Helden an,<br \/>\nDen zu erw\u00e4hlen mir dein Wink befohlen hat.<br \/>\nDas reiche Sidon, das um einen K\u00f6nig fleht,<br \/>\nW\u00fcnscht diese H\u00e4nde, die das Grabscheid hart gemacht,<br \/>\nDurch seinen Zepter w\u00fcrdiger gebraucht zu sehn.<br \/>\nIn seinen Adern flie\u00dft noch altes K\u00f6nigsblut,<br \/>\nDas selbst die Armut nicht beflecket noch erstickt.<br \/>\nUnd seine Tugend hat die Ehrfurcht ihm verschafft,<br \/>\nDie man dem Gl\u00fccke sonst nur zu bezeigen pflegt.<br \/>\nDer Sitten Einfalt und der Worte Niedrigkeit,<br \/>\nDie er als G\u00e4rtner stets nach seinem Stande misst,<br \/>\nUmh\u00fcllt vergebens die vortrefflichste Vernunft.<br \/>\nDes Geistes Adel gl\u00e4nzt verkleidet noch hervor,<br \/>\nDurch G\u00e4rtnerlippen redet eines Helden Herz.<\/p>\n<p>Das ist &#8230; langweilig. Was sicher auch an der Wortwahl liegt, aber eben auch am Vers, der sich nie wirklich deutlich auspr\u00e4gt in seiner Bewegung, und vor allem nicht abwechslungsreich gliedert dabei.<\/p>\n<p>Johann Elias Schlegel ist fr\u00fch gestorben, mit Drei\u00dfig; seine Werke hat dann sein Bruder Johann Heinrich Schlegel herausgegeben. &#8222;Die entf\u00fchrte Dose&#8220; in Ausschnitten, vom &#8222;G\u00e4rtnerk\u00f6nig&#8220; nur die oben zu lesenden Verse. Zu denen schreibt Johann Heinrich in Bezug auf den festen Einschnitt nach der f\u00fcnften Silbe:<\/p>\n<p><em>Dadurch wird der Ausgang der Z\u00e4sur weiblich, oder so, dass er den Akzent immer in der vorletzten Silbe hat. Das Ausgang des Verses ist dagegen stets m\u00e4nnlich gemacht worden, und dadurch unterscheidet sich best\u00e4ndig die zweite gr\u00f6\u00dfere H\u00e4lfte des Verses von der ersten. Doch eben dieses scheint mir schon zu viel Monotonie zu haben, und es w\u00fcrde, wo ich nicht irre, eine v\u00f6llige Freiheit besser gewesen sein, weil eine so regelm\u00e4\u00dfige, in jedem Vers vorkommende Abwechslung den Wert der Mannigfaltigkeit verliert.<\/em><\/p>\n<p>Dem schlie\u00dfe ich mich an. Na ja, bis auf die &#8222;v\u00f6llige Freiheit&#8220;, vielleicht; denn ich denke, das beste Verh\u00e4ltnis zwischen der dem Ohr erfreulichen &#8222;Wiedererkennbarkeit&#8220; und der genauso erfreulichen &#8222;Abwechslung&#8220; erreicht man, wenn man wechselt zwischen Z\u00e4suren nach der f\u00fcnften Silbe und Z\u00e4suren nach der siebten Silbe; und immer mal wieder einen ganz anders z\u00e4surierten Vers einflie\u00dfen l\u00e4sst!<\/p>\n<p>Soviel dazu; im n\u00e4chsten Trimeter-Eintrag steht dann wieder ein &#8222;wirklicher&#8220; Erz\u00e4hltext an, bei dem ich ein Auge auf den Zeilensprung haben m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte noch einmal kurz auf den Einschnitt, die Z\u00e4sur des Trimeters zur\u00fcckkommen! 1740 war Johann Elias Schlegel einundzwanzig Jahre alt und noch Student in Leipzig. 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