{"id":4641,"date":"2015-06-27T01:32:10","date_gmt":"2015-06-26T23:32:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=4641"},"modified":"2015-06-27T01:32:10","modified_gmt":"2015-06-26T23:32:10","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-106","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4641","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (106)"},"content":{"rendered":"<p>In August von Platens gesammelten Werken findet sich der folgende, 1820 entstandene Text &#8222;Die Antiken&#8220; unter &#8222;Gelegenheitsgedichte&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lasst uns ledig, und \u00f6ffnet sogleich R\u00fcstkammer und Wandschrank!<br \/>\nNicht am dumpfigen Ort in Gew\u00f6lben zu wohnen geziemt uns:<br \/>\nDenkt doch, was wir und wo wir gewesen, und schenket uns Mitleid!<br \/>\nDies uralte Gef\u00e4\u00df war einst der \u00e4gyptischen G\u00e4rten<br \/>\nZier, und Kleopatra selbst lie\u00df f\u00fcllen mit Myrtengezweig es;<br \/>\nDieser geschnittene Stein, ein doppeltgeschichteter Onyx,<br \/>\nZierte des jungen Antinous Hand, als k\u00f6stlichen Ringschmuck<br \/>\nTrug ihn der sch\u00f6ne, doch ach! zu fr\u00fche verg\u00f6tterte J\u00fcngling;<br \/>\nIch, als Hermes, stand in der Halle des Caesar Augustus,<br \/>\nWo mich ein Lorbeergew\u00e4chs mit s\u00fcdlichem Duft anhauchte.<br \/>\nUnd nun habt ihr uns hier aufeinandergeh\u00e4uft und geordnet,<br \/>\nEins das andre verdr\u00e4ngend, und dies durch jenes verdunkelt,<br \/>\nKeins am schicklichen Ort, in belebendem Schimmer der Sonne.<br \/>\nSelbst das gelehrte Gesicht des begaffenden Kenners erm\u00fcdend,<br \/>\nLiegen geschichtet wir hier, gleich traurigen Knochen im Beinhaus,<br \/>\nUnd in empf\u00e4nglicher Brust aufregen wir schmerzliche Sehnsucht<br \/>\nNach den Tagen, in denen wir fast wie Lebendige prangten.<br \/>\nZieht nicht Rosen auch ihr, frischbl\u00fchende Flechte zu winden<br \/>\nUm den etrurischen Krug und die Scheitel der B\u00fcste von Marmor?<br \/>\nHabt nicht Tempel auch ihr, nicht schattige Gartenarkaden,<br \/>\nDass ihr uns dorthin pflanzt, in die N\u00e4he des ewigen Himmels,<br \/>\nJedem Beschauer zur Lust, uns selbst zur s\u00fc\u00dfen Gewohnheit?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hm. F\u00fcr ein &#8222;Gelegenheitsgedicht&#8220; nicht so \u00fcbel?! Schaut man sich Platens Vers an, erkennt man die \u00fcblichen Anzeichen des eher &#8222;antikisierenden&#8220; Hexameterstils, allen voran die &#8222;geschleiften Spond\u00e4en&#8220;, die hier nicht Besonderheit sind, sondern metrischer Alltag &#8211; los geht es gleich im ersten Vers:<\/p>\n<p><strong>Lasst<\/strong> uns \/ <strong>le<\/strong>dig, und \/ <strong>\u00f6ff<\/strong>net so- \/ <strong>gleich<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> R\u00fcst- \/ <strong>kam<\/strong>mer und \/ <strong>Wand<\/strong>schrank!<\/p>\n<p>So finden einige W\u00f6rter der Form &#8222;R\u00fcstkammer&#8220;, die als Daktylen nicht taugen, als geschleifte Spond\u00e4en doch ihren Weg in den Text: &#8222;uralte&#8220;, &#8222;aufregen&#8220;, &#8222;frischbl\u00fchende&#8220;, und sogar in Verbindung mit einem zweisilbigen f\u00fcnften Fu\u00df: &#8222;anhauchte&#8220;. Auch eine Kenngr\u00f6\u00dfe sind die W\u00f6rter der Form &#8222;Wandschrank&#8220;, die Platen hier ausschlie\u00dflich an den Versschluss setzt: &#8222;Mitleid&#8220;, Ringschmuck&#8220;, &#8222;Beinhaus&#8220;, &#8222;Sehnsucht&#8220;.<\/p>\n<p>Alles in allem eine deutliche Gestaltung, die aber im Vortrag gut h\u00f6rbargemacht werden kann und so einen ausdruckstarken Text hervorbringt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In August von Platens gesammelten Werken findet sich der folgende, 1820 entstandene Text &#8222;Die Antiken&#8220; unter &#8222;Gelegenheitsgedichte&#8220;: &nbsp; Lasst uns ledig, und \u00f6ffnet sogleich R\u00fcstkammer und Wandschrank! Nicht am dumpfigen Ort in Gew\u00f6lben zu wohnen geziemt uns: Denkt doch, was wir und wo wir gewesen, und schenket uns Mitleid! 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