{"id":4919,"date":"2015-08-10T00:44:56","date_gmt":"2015-08-09T22:44:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=4919"},"modified":"2015-08-14T08:33:34","modified_gmt":"2015-08-14T06:33:34","slug":"erzaehlformen-das-distichon-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4919","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (14)"},"content":{"rendered":"<p>Heinrich Hoffmanns &#8222;Der Fluch des Hauses&#8220; ist ein gutes Gedicht, finde ich; jedenfalls vom Versbau her. Nicht allzu lang, aber dabei doch eher elegisch als epigrammatisch; was auch am Bau der Pentameter h\u00f6rbar wird, die durchg\u00e4ngig auf ein antithetischens Gegeneinander der beiden Pentameterh\u00e4lften verzichten und den Satz \u00fcber den Zusammensto\u00df zweier betonter Verssilben in der Versmitte vergleichsweise ger\u00e4uschlos hinweggleiten lassen! Auff\u00e4llig (und wohl nicht ganz so gelungen) die gro\u00dfe Menge an Erg\u00e4nzungen in Form eines Mittelworts &#8211; <em>z\u00f6gernden, bittender, lauerndem, welkenden, fr\u00f6stelndem<\/em>: die bieten sich sicher an in Hexa- und Pentameter, weil sie die Senkungen aus zwei unbetonten Silben bequem f\u00fcllen und auch helfen, die langen Verse &#8222;vollzubekommen&#8220;; aber diese Bequemlichkeit bemerkt man beim Lesen durchaus, erst recht, wenn diese Mittelw\u00f6rter an derselben Stelle aufeinanderfolgender Verse gebraucht werden, zum Beispiel im f\u00fcnften Fu\u00df, wie es hier bei Hoffmann in den beiden letzten Versen geschieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wehe dem Ungl\u00fcckshaus, von dessen ver\u00f6deter Schwelle<br \/>\nZ\u00f6gernden Schrittes der Geist freundlicher Liebe entflieht.<br \/>\nOftmals blickt er zur\u00fcck, und es f\u00fcllt sich mit Tr\u00e4nen das Auge,<br \/>\nWeil, ach! zur Umkehr nicht ladet ein bittender Wink.<br \/>\nNoch in der Ferne einmal. Umsonst! Er bleibt ein Versto\u00df&#8217;ner.<br \/>\nTrauernd verh\u00fcllt er das Haupt, wandelt die Stra\u00dfe und weint.<br \/>\nAber da innen am Herd, am verlassenen, sitzet die Zwietracht;<br \/>\nSchweigend, mit lauerndem Blick st\u00fctzt sie das Kinn auf die Hand,<br \/>\nUnd die Flamme verlischt auf dem Herd im verderblichen Atem;<br \/>\nBlickt sie ihn an, so verstummt pl\u00f6tzlich des Vogels Gesang;<br \/>\nDort an dem Fenster entfallen der Rose die welkenden Bl\u00e4tter,<br \/>\nUnd von Gemach zu Gemach weht es mit fr\u00f6stelndem Hauch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu finden ist das Gedicht in Hoffmanns 1853 erschienenem &#8222;Breviarium der Ehe&#8220;\u00a0 &#8211; er wird gewusst haben, warum &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinrich Hoffmanns &#8222;Der Fluch des Hauses&#8220; ist ein gutes Gedicht, finde ich; jedenfalls vom Versbau her. Nicht allzu lang, aber dabei doch eher elegisch als epigrammatisch; was auch am Bau der Pentameter h\u00f6rbar wird, die durchg\u00e4ngig auf ein antithetischens Gegeneinander der beiden Pentameterh\u00e4lften verzichten und den Satz \u00fcber den Zusammensto\u00df zweier betonter Verssilben in der&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4919\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (14)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-4919","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4919","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4919"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4919\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4951,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4919\/revisions\/4951"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}