{"id":4975,"date":"2015-08-21T01:01:38","date_gmt":"2015-08-20T23:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=4975"},"modified":"2015-08-21T01:08:41","modified_gmt":"2015-08-20T23:08:41","slug":"mit-versen-erzaehlen-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4975","title":{"rendered":"Mit Versen erz\u00e4hlen!? (3)"},"content":{"rendered":"<p>Um ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu bekommen, was ein (Vers-)Epos ausmacht, lohnt ein Blick auf August Wilhelm Schlegels klassischen Text &#8222;Vom Epos&#8220;, entstanden 1801\/02.\u00a0 Vor dem Blick auf einzelne Abschnitte dieses Textes ist es aber sinnvoll, kurz die Grundannahme allen epischen Erz\u00e4hlens zu erw\u00e4hnen:<\/p>\n<p>So wie ein Lesedrama, auch wenn es nicht f\u00fcr die Auff\u00fchrung auf einer B\u00fchne vorgesehen ist, in seinem Aufbau trotzdem von den Forderungen gepr\u00e4gt ist, die an ein B\u00fchnenst\u00fcck gestellt werden; so ist auch ein in schriftlicher Form vorliegendes Epos immer der Annahme eines &#8222;Rhapsoden&#8220;, eines Erz\u00e4hlers verpflichtet, der den Inhalt des Epos einem Zuh\u00f6rerkreis in m\u00fcndlichem Vortrag nahebringt! Und auch hier formt sich der schriftliche Text nach den Erfordernissen, die dieser (angenommene) Vortrag mit sich bringt.<\/p>\n<p>Nun aber zu &#8222;Vom Epos&#8220;. Schlegel beginnt mit einer sehr knappen Bestimmung des Begriffs Epos: es sei &#8222;eine ruhige Darstellung des Fortschreitenden&#8220;. Die beiden Bestandteile dieser Bestimmung erl\u00e4utert er n\u00e4her:<\/p>\n<p>&#8211; &#8222;Die epische Ruhe ist eben die Absonderung des rein Objektiven, wodurch sich diese Gattung \u00fcber die gew\u00f6hnliche Wirklichkeit zum Idealischen erhebt. Denn die Wahrnehmung der Au\u00dfenwelt ist immer mit Beziehungen auf unseren Zustand, folglich mit Gem\u00fctsbewegungen verkn\u00fcpft, und deswegen kann sie nicht die h\u00f6chste Klarheit und Vollkommenheit erreichen. Der epische Dichter aber gibt uns eine Darstellung der Au\u00dfenwelt, wie sie aus einem blo\u00df anschauenden, durch keine teilnehmende Regung gest\u00f6rten Geiste hervorgehen w\u00fcrde, und erhebt uns zur gleichen Besonnenheit der Betrachtung.&#8220;<\/p>\n<p>Unbewegliches darzustellen erfordert Beschreibung, aber: &#8222;Bei allem Beschreiben ist die Arbeit f\u00fcr den, welcher redet, gering, f\u00fcr den Zuh\u00f6rer aber sehr gro\u00df.&#8220;<\/p>\n<p>Was schon an sich ein bemerkenswerter Satz ist &#8230; Doch es geht Schlegel eigentlich um die Wirkung des Gegensatzes, also der Bewegung :<\/p>\n<p>&#8211; &#8222;Wird hingegen etwas in seiner Fortschreitung aufgefasst, so hebt und tr\u00e4gt die dem Gegenstande entsprechende Bewegung der Worte den empfangenden Geist, und an dieser, als der Grundlage der gesamten Darstellung, entwickelt sich vom Simultanen so viel, als n\u00f6tig ist, mit Leichtigkeit zu anschaulichen Bildern.&#8220;<\/p>\n<p>Also: Bewegung, Geschehen erzeugt Anschaulichkeit.<\/p>\n<p>Dieses Geschehen wird im Epos aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet. Schlegel:<\/p>\n<p>&#8211; &#8222;Das Epos ist die Darstellung des rein Objektiven; es wird also auch das Geschehene nur als zuf\u00e4llig erscheinen lassen; denn die Anerkennung der Notwendigkeit desselben ist Konstruktion aus Gesetzen unseres Geistes, folglich aus etwas Subjektivem.&#8220;<\/p>\n<p>Und:<\/p>\n<p>&#8211; &#8222;Das Geschehene wird weit weniger nach seiner Verkn\u00fcpfung betrachtet als wie eine blo\u00dfe Folge von Ver\u00e4nderungen, bei welcher also Raum und Zeit den ersten auf der Oberfl\u00e4che liegenden Zusammenhang geben. Scheinbare Stetigkeit ist folglich das Gesetz der epischen Komposition, sowie scheinbare Notwendigkeit der tragischen Verkn\u00fcpfung. Die menschlichen Handlungen treten in jener nicht als solche, das hei\u00dft durch Freiheit bewirkt, sondern gerade wie andere Naturerfolge in die Reihe mit ein.&#8220;<\/p>\n<p>Das sind schon einige sehr tragf\u00e4hige Grundaussagen &#8230; Das meiste von dem, was im weiteren vom Versepos zu sagen sein wird, l\u00e4sst sich aus ihnen entwickeln!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu bekommen, was ein (Vers-)Epos ausmacht, lohnt ein Blick auf August Wilhelm Schlegels klassischen Text &#8222;Vom Epos&#8220;, entstanden 1801\/02.\u00a0 Vor dem Blick auf einzelne Abschnitte dieses Textes ist es aber sinnvoll, kurz die Grundannahme allen epischen Erz\u00e4hlens zu erw\u00e4hnen: So wie ein Lesedrama, auch wenn es nicht f\u00fcr die Auff\u00fchrung auf&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4975\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Mit Versen erz\u00e4hlen!? 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