{"id":5094,"date":"2015-09-15T00:41:39","date_gmt":"2015-09-14T22:41:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=5094"},"modified":"2015-09-15T00:45:10","modified_gmt":"2015-09-14T22:45:10","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-114","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=5094","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (114)"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber keinen anderen Vers ist so viel geschrieben und gestritten worden wie \u00fcber den Hexameter. Was auff\u00e4llt beim Lesen all dieser sekund\u00e4renTexte: Die eindeutigen Aussagen, Gewissheiten und Zur\u00fcckweisungen stammen eher von den Metrikern, den Theoretikern der Dichtungssprache; die Praktiker scheuen vor solchen Festlegungen meist zur\u00fcck!<\/p>\n<p>Emanuel Geibel zum Beispiel schreibt in einem Brief an Paul Heyse \u00fcber dessen &#8222;metrische Epistel&#8220; (hier beim Verserz\u00e4hler besprochen in den Hexameter-Eintr\u00e4gen <strong>73 &#8211; 77<\/strong>):<\/p>\n<p>&#8222;Es l\u00e4sst sich doch kaum in Abrede stellen, dass am rechten Orte gerade ein gewisses Widerstreben von Wortakzent und Versakzent den Hexameter rhythmisch zu beleben und ihm einen eigent\u00fcmlichen Reiz zu verleihen vermag.<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>ber es \/ <strong>gl\u00e4nz<\/strong>te der \/ <strong>Stein<\/strong> blut- \/ <strong>rot<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> am \/ <strong>Knau<\/strong>fe des \/ <strong>Schwer<\/strong>tes<\/p>\n<p>scheint mir wenigstens ausdrucksvoller als:<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>ber \/ <strong>blut<\/strong>rot \/ <strong>gl\u00e4nz<\/strong>te der \/ <strong>Stein<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> am \/ <strong>Knau<\/strong>fe des \/ <strong>Schwer<\/strong>tes<\/p>\n<p>Hier wird es eben schwer sein, allgemein g\u00fcltige Regeln aufzustellen, wie denn schlie\u00dflich \u00fcber jeden einzelnen Fall nur das rhythmische Gef\u00fchl des Dichters entscheiden kann.&#8220;<\/p>\n<p>Hier redet also ein Dichter einem anderen Dichter gegen\u00fcber dem &#8222;geschleiften Spond\u00e4us&#8220; das Wort &#8211; &#8222;<strong>Stein<\/strong> blut \/ <strong>rot<\/strong>&#8220; -, den man hier wie meistens am besten mit &#8222;schwebender Betonung&#8220; liest, also alle drei Silben gleichstark betont; und gleichlang vorgetragen?! Das spannende ist aber das Zur\u00fcckweisen &#8222;allgemein g\u00fcltiger Regeln&#8220;!<\/p>\n<p>Und damit ist Geibel wie gesagt keineswegs allein: Eduard M\u00f6rike etwa schrieb an Wilhelm Hartlaub anl\u00e4sslich der \u00dcberarbeitung seines &#8222;M\u00e4rchens vom sichren Mann&#8220;, vor der er Johann Heinrich Voss&#8216; &#8222;Zeitmessung der deutschen Sprache&#8220; gelesen hatte:<\/p>\n<p>&#8222;Doch sind mir manche Zweifel \u00fcbrig geblieben, und im Ganzen finde ich: man kommt zuletzt am weitesten, wenn man in allen F\u00e4llen sein eigenes Geh\u00f6r befragt.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber da deucht es ihm Nacht, dickfinstere; wo er umhertappt,<br \/>\nNirgend ist noch ein Halt und noch kein Nagel geschlagen,<br \/>\nAnzuh\u00e4ngen die Wucht der wundersamen Gedanken,<br \/>\nWelche der Gott ihm erregt in seiner erhabenen Seele;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vier Verse aus dem &#8222;sichren Mann&#8220;, die zeigen, M\u00f6rike ist in der Tat weit gekommen; und der erste ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, was Geibel den &#8222;rechten Ort&#8220; nennt f\u00fcr einen geschleiften Spond\u00e4us!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber keinen anderen Vers ist so viel geschrieben und gestritten worden wie \u00fcber den Hexameter. Was auff\u00e4llt beim Lesen all dieser sekund\u00e4renTexte: Die eindeutigen Aussagen, Gewissheiten und Zur\u00fcckweisungen stammen eher von den Metrikern, den Theoretikern der Dichtungssprache; die Praktiker scheuen vor solchen Festlegungen meist zur\u00fcck! Emanuel Geibel zum Beispiel schreibt in einem Brief an Paul&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=5094\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (114)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-5094","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5094","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5094"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5094\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5098,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5094\/revisions\/5098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5094"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5094"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}