{"id":5248,"date":"2015-10-16T00:22:02","date_gmt":"2015-10-15T22:22:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=5248"},"modified":"2015-10-20T00:48:41","modified_gmt":"2015-10-19T22:48:41","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-69","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=5248","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (69)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Wie die Kinder lesen&#8220; von Hugo Freiherr von Blomberg ist ein Gedicht ohne gr\u00f6\u00dferen Tiefgang, dabei aber angenehm zu lesen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Saht ihr einmal &#8211; wie freilich solltet ihr!<br \/>\nDoch schade drum, denn hold und lustig ist es!<br \/>\nWenn meine Kleine, siebzehn Monde alt,<br \/>\nIn Vaters B\u00fcchern oder Briefen liest?<br \/>\nWie sie das Ding schon so verst\u00e4ndig anfasst,<br \/>\nDen Zeilen emsig mit dem Finger folgt,<br \/>\nUnd ihren ganzen, winzgen W\u00f6rtervorrat:<br \/>\nPapa, Mama, und Baba und Raubau<br \/>\nMit ungemeiner Wichtigkeit und mit<br \/>\nNicht mindrer Modulierung an den Mann bringt?<br \/>\n(Denn, wie nat\u00fcrlich, kennt sie noch kein Jota!)<br \/>\nUnd wir, die Eltern &#8211; lach uns aus, wer mag!<br \/>\nWir horchen wie aufs Evangelium<br \/>\nUnd sagen: &#8222;Ei, wie sch\u00f6n kann Eva lesen!&#8220;<br \/>\nDann blickt sie stolz und gl\u00fccklich zu uns auf.<\/p>\n<p>Mir aber wird oft wunderlich dabei<br \/>\nZumut &#8211; und auf dem B\u00e4nkchen neben ihr<br \/>\nMein&#8216; ich ein ganzes gro\u00dfes Publikum<br \/>\nIn gleichem Lesewerk vertieft zu sehn;<br \/>\nGar alt&#8216; und hochgelahrte M\u00e4nner drunter<br \/>\n(Auch, dass es niemand \u00fcbel nimmt, mich selbst,<br \/>\nobwohl ich eben keins von beiden bin)<br \/>\nUnd halten tausend klein&#8216; und gro\u00dfe B\u00fccher,<br \/>\nNicht etwa M\u00e4rchen und Romane nur,<br \/>\nIm Gegenteil! Recht vollgewicht&#8217;ge B\u00e4nde:<br \/>\nDer K\u00fcnste Buch, wie das der Wissenschaft,<br \/>\nDen dicken grauen Tr\u00f6ster: &#8222;Weltgeschichte&#8220;,<br \/>\nSelbst jenes gr\u00f6\u00dfte &#8211; schwer nur klappt sich&#8217;s auf!<br \/>\nDas alte, das &#8222;Natur&#8220; betitelt ist:<br \/>\nUnd lesen ernst und laut einander vor<br \/>\nUnd leiten zeilenweis sich mit den Fingern,<br \/>\nDie gro\u00dfen n\u00e4mlich -Kleinste h\u00f6ren zu;<br \/>\nDoch mancher, f\u00fcrcht&#8216; ich, h\u00e4lt das Buch verkehrt,<br \/>\nUnd A bis Z steht lustig auf den K\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Vater aber, denk&#8216; ich mir,<br \/>\nSieht l\u00e4chelnd nieder auf die kleine Welt<br \/>\nUnd streichelt manches kluge Lockenk\u00f6pfchen,<br \/>\nAls spr\u00e4ch&#8216; er: &#8222;Wie das Kind schon lesen kann!&#8220;<br \/>\nIm Stillen aber sagt er: &#8222;Warte nur,<br \/>\nNehm&#8216; ich dich einst aufs Knie und lehre dich,<br \/>\nDann lernst du&#8217;s anders!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also, wie gesagt: Das kann man so weglesen und sich gut unterhalten f\u00fchlen dabei. Ein wirklich gutes Gedicht ist es meinem Gef\u00fchl nach aber nicht; keine <em>Letztform<\/em>. Und das hat, denke ich, auch mit dem Vers zu tun: Der nicht so bedingungslos selbstverst\u00e4ndlich ist, wie er es in einem solchen Gedicht sein muss &#8211; f\u00fcr den Leser nicht mehr zu bemerken, und trotzdem da und wirksam. Stattdessen ist ein gewisses Bem\u00fchen zu sp\u00fcren, was sich inhaltlich auch in einer, wie es mir scheint, \u00fcbertriebenen Anbiederung an den Leser ausdr\u00fcckt. W\u00e4re das alles nicht &#8211; das Gedicht gefiele mir noch um einiges besser! Gerade und besonders der Mittelteil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wie die Kinder lesen&#8220; von Hugo Freiherr von Blomberg ist ein Gedicht ohne gr\u00f6\u00dferen Tiefgang, dabei aber angenehm zu lesen! &nbsp; Saht ihr einmal &#8211; wie freilich solltet ihr! Doch schade drum, denn hold und lustig ist es! 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