{"id":528,"date":"2014-01-11T00:14:32","date_gmt":"2014-01-10T22:14:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=528"},"modified":"2014-01-11T00:16:09","modified_gmt":"2014-01-10T22:16:09","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-vierheber-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=528","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (12)"},"content":{"rendered":"<p>Der Vierheber ist auch f\u00fcr der Drama benutzt worden; ein Beispiel ist\u00a0 &#8222;Der Kaiser und die Hexe&#8220; von Hugo von Hofmannsthal. Der Beginn dieses St\u00fcckes liest sich so:<\/p>\n<p><em>Eine Lichtung inmitten der kaiserlichen Jagdw\u00e4lder. Links eine Quelle. Rechts dichter Wald, ein Abhang, eine H\u00f6hle, deren Eingang Schlingpflanzen verh\u00e4ngen. Im Hintergrund das goldene Gitter des Fasanengeheges, dahinter ein Durchschlag, der h\u00fcgelan f\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Der Kaiser <\/strong><em>tritt auf, einen gr\u00fcnen, goldgestickten Mantel um,<\/em><br \/>\n<em>den Jagdspie\u00df in der Hand, den goldenen Reif im Haar.<\/em><br \/>\nWohl, ich jage! Ja, ich jage &#8230;<br \/>\nDort der Eber, aufgew\u00fchlt<br \/>\nSchaukelt noch das Unterholz,<br \/>\nHier der Speer! Und hier der J\u00e4ger!<br \/>\n<em>Er schaudert, l\u00e4sst den Speer fallen.<\/em><br \/>\nNein, ich bin das Wild, mich jagt es,<br \/>\nHunde sind in meinem R\u00fccken,<br \/>\nIhre Z\u00e4hne mir im Fleisch,<br \/>\nMir im Hirn sind ihre Z\u00e4hne.<br \/>\n<em>Greift sich an den Kopf.<\/em><br \/>\nHier ist einer, innen, einer,<br \/>\nUnaufh\u00f6rlich, eine Wunde,<br \/>\nWund vom immer gleichen Bild<br \/>\nIhrer offnen, wei\u00dfen Arme &#8230;<br \/>\nUnd daneben, hart daneben,<br \/>\nDas Gef\u00fchl von ihrem Lachen,<br \/>\nNicht der Klang, nur das Gef\u00fchl<br \/>\nWie ein lautlos warmes Rieseln &#8230;<br \/>\nBlut? &#8230; Mein Blut ist voll von ihr!<br \/>\nAlles: Hirn, Herz, Augen, Ohren!<br \/>\nIn der Luft, an allen B\u00e4umen<br \/>\nKlebt ihr Glanz, ich muss ihn atmen.<br \/>\nIch will los! Die Ohren hab&#8216; ich<br \/>\nAngef\u00fcllt mit L\u00e4rm der Hunde,<br \/>\nMeine Augen bohr&#8216; ich fest<br \/>\nIn das Wild, ich will nichts sp\u00fcren<br \/>\nAls das Keuchen, als das Fl\u00fcchten<br \/>\nDieser Rehe, dieser V\u00f6gel,<br \/>\nUnd ein totenhafter Schlaf<br \/>\nSoll mir nachts mit Blei versiegeln<br \/>\nDiese Welt &#8230; doch innen, innen<br \/>\nIst die T\u00fcr, die nichts verriegelt!<br \/>\nKeine Nacht mehr! Diese N\u00e4chte<br \/>\nBrechen, was die Tage schwuren.<br \/>\n<em>Er r\u00fcttelt sich an der Brust.<\/em><br \/>\nSteh! Es wird ja keine kommen,<br \/>\nSieben sind hinab, vorbei &#8230;<br \/>\nSieben? Jetzt, nur jetzt nichts denken!<br \/>\nAlles schwindelnd, alles schwank,<br \/>\nJagen und nur immer jagen,<br \/>\nNur bis diese Sonne sank,<br \/>\nDiesen Taumel noch ertragen!<br \/>\nTrinken hier, doch nicht besinnen.<\/p>\n<p><strong>Die Hexe<\/strong>, <em>jung und sch\u00f6n, in einem durchsichtigen Gewand,<\/em><br \/>\n<em>mit offenem Haar, steht hinter ihm.<\/em><br \/>\nNicht besinnen? Nicht auf mich?<br \/>\nNicht auf uns? Nicht auf die N\u00e4chte?<br \/>\nAuf die Lippen nicht? Die Arme?<br \/>\nAuf mein Lachen, auf mein Haar?<br \/>\nNicht besinnen auf was war?<br \/>\nUnd auf was, einmal verloren,<br \/>\nKeine Reue wiederbringt &#8230;?<\/p>\n<p><strong>Der Kaiser<\/strong><br \/>\nHeute, heute ist ein Ende!<br \/>\nIch will dir&#8217;s entgegenschrein:<br \/>\nSieben Jahre war ich dein,<br \/>\nWar ein Kind, als es begann,<br \/>\nEnd&#8216; es nun, da ich ein Mann!<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p>Zu sehen, zu vernehmen ist der Kaiser Porphyrogenitus bei dem Versuch, sich von der Hexe, der er verfallen ist, loszurei\u00dfen; und das, es ist nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, f\u00e4llt ihm sehr schwer. Dementsprechend haben die Verse auch etwas zerrissenes, gehetztes!?<\/p>\n<p>Am bemerkenswertesten ist sicher, wie die weitestgehend ungereimten troch\u00e4ischen Vierheber immer einmal wieder in den Reim &#8222;hin\u00fcberkippen&#8220; &#8211; erst ein Kreuzreim des Kaisers, dann ein Paarreim der Hexe, dann ein doppelter Paarreim des Kaisers -, ohne dass dies gro\u00df auff\u00e4llt in der ohnehin sehr wohlklingenden Sprache der Verse. Einen Unterschied gibt es aber doch:<br \/>\nDie Reim-Verse schlie\u00dfen \u00fcberwiegend betont, w\u00e4hrend in den l\u00e4ngeren ungereimten Abschnitten zwar immer mal wieder ein betont schlie\u00dfender Vers auftaucht, aber eigentlich kaum h\u00e4ufiger, als es in Vierheber-Texten \u00fcblich ist!<\/p>\n<p>Einige Ausdr\u00fccke klingen mir etwas schr\u00e4g &#8211; &#8222;mit L\u00e4rm der Hunde&#8220;, &#8222;Nicht besinnen auf was war&#8220; &#8230; Aber das hat seinen eigenen Reiz?!<\/p>\n<p>Insgesamt ein sch\u00f6ner Text, meinem Ohr nach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vierheber ist auch f\u00fcr der Drama benutzt worden; ein Beispiel ist\u00a0 &#8222;Der Kaiser und die Hexe&#8220; von Hugo von Hofmannsthal. Der Beginn dieses St\u00fcckes liest sich so: Eine Lichtung inmitten der kaiserlichen Jagdw\u00e4lder. Links eine Quelle. Rechts dichter Wald, ein Abhang, eine H\u00f6hle, deren Eingang Schlingpflanzen verh\u00e4ngen. 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