{"id":5651,"date":"2016-01-06T01:22:10","date_gmt":"2016-01-05T23:22:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=5651"},"modified":"2016-01-06T01:26:22","modified_gmt":"2016-01-05T23:26:22","slug":"erzaehlformen-der-zweiheber-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=5651","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Der Zweiheber (10)"},"content":{"rendered":"<p>Ein kurzes Gedicht, von Richard Dehmel, &#8222;Stimme des Abends&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Flur will ruhn.<br \/>\nIn Halmen, Zweigen<br \/>\nein leises Neigen.<br \/>\nDir ist, als h\u00f6rst du<br \/>\ndie Nebel steigen.<br \/>\nDu horchst &#8211; und nun:<br \/>\ndir wird, als st\u00f6rst du<br \/>\nmit deinen Schuhn<br \/>\nihr Schweigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eigenartig &#8230; Ich wei\u00df nicht, ob das rein inhaltlich ein wirklich erw\u00e4hnenswertes Gedicht ist; aber formal lohnt ein Blick schon! Der Eindruck von Geschlossenheit entsteht sicher durch die immer wieder aufgegriffenen Reime (wenn auch in ungeordneter Folge); aber auch durch die regelm\u00e4\u00dfigen Zweiheber der Art<\/p>\n<p>x X x X (x)<\/p>\n<p>Am Schluss folgt dann ein Einheber, also ein verk\u00fcrzter Vers; was immer ein wirksames Mittel ist, einen Text nachdr\u00fccklich zu schlie\u00dfen!<\/p>\n<p>Ein lohnender Vergleich ist Dehmels &#8222;Kein Bleiben&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Immer dichter<br \/>\nfl\u00fcchtet der Schnee.<br \/>\nIch steh und seh<br \/>\ndie Flocken treiben,<br \/>\num Stra\u00dfenlichter,<br \/>\nstumme Gesichter,<br \/>\nimmer dichter.<br \/>\nNur nicht bleiben:<br \/>\nweiter, weiter,<br \/>\neinsamer Schreiter!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder eine ungeordnete, madrigalartige Reimordnung; hier ist aber auch der Zweiheber viel weniger regelm\u00e4\u00dfig! Mal stehen am Versanfang unbetonte Silben, mal fehlen sie; die mittlere Senkungsstelle ist mal mit einer, mal mit zwei unbetonten Silben besetzt; und auch der Versschluss ist mal betont, mal unbetont.<\/p>\n<p>(x) X x (x) X (x)<\/p>\n<p>Trotzdem macht der Text einen einheitlichen Eindruck? Das r\u00fchrt sicherlich von der starken Wirkung der zwei Hebungen her. Noch unruhiger, und ohne Reim &#8211; ein Abschnitt aus Felx Dahns &#8222;Tannh\u00e4user&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Barst ihm der Kiel, \u2013<br \/>\nAus den sch\u00e4umenden Wogen<br \/>\nTaucht, auf dem wei\u00dfgrau<br \/>\nM\u00e4hnigen Seeross<br \/>\nReitend, die Meerfrau,<br \/>\nSchwingt auf den Bug ihn<br \/>\nUnd flicht in die Locken<br \/>\nIhm rote Korallen und<br \/>\nLeuchtenden Bernstein<br \/>\nAls ihrer Behausungen<br \/>\nGastgeschenk.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wollte man ein Silbenbild geben, es m\u00fcsste so aussehen:<\/p>\n<p>(x) (x) X x (x) X (x) (x)<\/p>\n<p>Alles dabei vom Dreisilber &#8222;Gastgeschenk&#8220;, &#8222;X x X&#8220;, bis hin zu den Siebensilbern &#8222;Aus den sch\u00e4umenden Wogen&#8220; (mit doppelt besetzter Senkung vorn, &#8222;x x X x x X x&#8220;) und &#8222;Als ihrer Behausungen&#8220; (mit doppelt besetzter Senkung hinten, &#8222;x X x x X x x&#8220;)! Aber die beiden Hebungen gen\u00fcgen, die Verse als Einheit erfahrbar zu machen &#8230;<\/p>\n<p>Auf diese Art, ungereimt und mit st\u00e4ndig wechselnden F\u00fcllungen der Senkungsstellen, wird der Zweiheber auch heute noch gebraucht; Beispiele folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kurzes Gedicht, von Richard Dehmel, &#8222;Stimme des Abends&#8220;: &nbsp; Die Flur will ruhn. In Halmen, Zweigen ein leises Neigen. Dir ist, als h\u00f6rst du die Nebel steigen. 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