{"id":5663,"date":"2016-01-08T01:42:35","date_gmt":"2016-01-07T23:42:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=5663"},"modified":"2016-01-08T01:43:46","modified_gmt":"2016-01-07T23:43:46","slug":"erzaehlverse-der-zweiheber-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=5663","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Der Zweiheber (11)"},"content":{"rendered":"<p>Vor den angek\u00fcndigten &#8222;heutigen Beispielen&#8220; noch ein kurzer Besuch bei Johann Wolfgang von Goethe anl\u00e4sslich eines Buches, das ich sicher nicht einmal halb so gr\u00fcndlich gelesen habe, wie es das eigentlich verdient h\u00e4tte &#8211; Daniel Alders &#8222;Epistemologie der Figur. Stimmlichkeit und poetologische Figuralit\u00e4t in der Lyrik um 1800&#8220; (K\u00f6nigshausen &amp; Neumann 2015). Darin wird Goethes ber\u00fchmter &#8222;Gesang der Geister \u00fcber den Wassern&#8220; ausf\u00fchrlich betrachtet. Der Anfang:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Des Menschen Seele<br \/>\nGleicht dem Wasser:<br \/>\nVom Himmel kommt es,<br \/>\nZum Himmel steigt es,<br \/>\nUnd wieder nieder<br \/>\nZur Erde muss es,<br \/>\nEwig wechselnd.<\/p>\n<p>Str\u00f6mt von der hohen,<br \/>\nSteilen Felswand<br \/>\nDer reine Strahl,<br \/>\nDann st\u00e4ubt er lieblich<br \/>\nIn Wolkenwellen<br \/>\nZum glatten Fels,<br \/>\nUnd leicht empfangen<br \/>\nWallt er verschleiernd,<br \/>\nLeisrauschend<br \/>\nZur Tiefe nieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum &#8222;Leisrauschend&#8220;, dem vorletzten Vers also, schreibt Alder auf Seite 187:<\/p>\n<p><em>Das Adjektiv &#8222;leisrauschend&#8220; kommt rhythmisch einer Unentscheidbarkeitsstellung gleich. Entweder man betont die erste Silbe und formt einen Daktylus: betont &#8211; unbetont &#8211; unbetont; oder man betont die zweite Silbe und formt einen Amphybrachis: unbetont &#8211; betont &#8211; unbetont. Die strenge, klare Artikulation macht einem leisen Rauschen zwischen zwei M\u00f6glichkeiten Platz.<\/em><\/p>\n<p>Hm.<\/p>\n<p>Vom Vers aus gedacht: Alle anderen Verse dieser beiden Abschnitte sind reimlose Zweiheber, in denen Goethe die beiden Hebungen deutlich besetzt hat, und die auch sonst als geschlossene Versr\u00e4ume erfahrbar werden. Ist es da wirklich sinnvoll, einen Einheber dazwischen zu haben, oder liest man das &#8222;Leisrauschend&#8220; nicht doch besser als Zweiheber, bei dem die mittlere Senkungsstelle nicht besetzt ist?<\/p>\n<p>(x) X (x) (x) X (x)<\/p>\n<p>Daraus lassen sich alle Zweiheber Goethes ableiten, und &#8222;Leisrauschend&#8220; ist dann ein &#8222;betont &#8211; betont &#8211; unbetont&#8220;, was die beiden Silben &#8222;leis-&#8220; und &#8222;rausch-&#8220; sicherlich hergeben bez\u00fcglich ihrer Schwere (Sinngehalt, Umfang, Vokall\u00e4nge)?!<\/p>\n<p>Hm!<\/p>\n<p>Wer mag, kann sich den Text anh\u00f6ren, und vergleichen und entscheiden;\u00a0 oft genug eingesprochen worden ist er ja &#8230; Zwei Beispiele:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ng_51am_DZM\" target=\"_blank\">Fritz Stavenhagen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kQCYyBUQJpc\" target=\"_blank\">Ulrich M\u00fche<\/a><\/p>\n<p>Auch die Musiker hat dieser Text gereizt, auch da kann man nachdenken \u00fcber die Art, wie sie ihn vertont haben, zum Beispiel:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nD5bswx-ENI\" target=\"_blank\">Franz Schubert<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor den angek\u00fcndigten &#8222;heutigen Beispielen&#8220; noch ein kurzer Besuch bei Johann Wolfgang von Goethe anl\u00e4sslich eines Buches, das ich sicher nicht einmal halb so gr\u00fcndlich gelesen habe, wie es das eigentlich verdient h\u00e4tte &#8211; Daniel Alders &#8222;Epistemologie der Figur. Stimmlichkeit und poetologische Figuralit\u00e4t in der Lyrik um 1800&#8220; (K\u00f6nigshausen &amp; Neumann 2015). Darin wird Goethes&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=5663\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlformen: Der Zweiheber (11)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-5663","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5663"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5663\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5665,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5663\/revisions\/5665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}