{"id":5866,"date":"2016-02-28T00:33:27","date_gmt":"2016-02-27T22:33:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=5866"},"modified":"2016-02-28T00:34:44","modified_gmt":"2016-02-27T22:34:44","slug":"die-bewegungsschule-54","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=5866","title":{"rendered":"Die Bewegungsschule (54)"},"content":{"rendered":"<p>ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta <strong>TAM<\/strong> &#8211; das ist im deutschen Vers eine seltene Bewegung?! In der deutschen Prosa auch, aber: sie kommt vor. So stolperte ich heute im f\u00fcnften Band von Hermann Hesses &#8222;gesammelten Werken&#8220;, erschienen 1978 bei Suhrkamp, am Ende von &#8222;Narzi\u00df und Goldmund&#8220; auf folgende S\u00e4tze:<\/p>\n<p><em>Narzi\u00df legte ihm die Hand auf den Arm, sofort schwieg er und schloss l\u00e4chelnd die Augen. Er schlief friedlich ein. Verst\u00f6rt lief der Abt und holte den Arzt des Hauses, Pater Anton, dass er nach dem Kranken sehe.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; So zu finden auf Seite 315.<\/p>\n<p><em>Weil der Antispast (ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta) und der Dochmius (ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta <strong>TAM<\/strong>) aus entgegengesetzt betonten Gliedern gebildet sind, brechen sie sich gleichsam in sich selbst und widerstreben sich im Schritt; also sind sie vorzugsweise geeignet, den Wechselstreit der Gef\u00fchle und die St\u00f6\u00dfe der Leidenschaften zu malen. Sie haben also den Charakter des Gebrochenen an sich; sie st\u00fcrmen nicht vorw\u00e4rts, ihre Bewegung ist gehemmt durch Widerstreit: sie dehnen sich mehr aus, indem sie ihre Kraft entwickeln, und werfen allen Nachdruck auf sich selbst, was besonders vom Antispast gilt. Denn der Dochmius, um eine Silbe l\u00e4nger, tut zugleich einen Schritt vorw\u00e4rts, nicht ohne Beschwer und w\u00fcrdevoll: er erobert sich gleichsam ein Feld, wo er seine Gewalt ausbreitet. Beide F\u00fc\u00dfe scheinen daher ihrer Natur nach bestimmt, das Ringen und K\u00e4mpfen der Seele, den Widerstreit und Widerstand zu veroffenbaren; was schmerzlich ist und Klage erweckt, ergie\u00dft sich durch diese Formen wie ein Strom \u00fcber Felsen.<\/em><\/p>\n<p>Schreibt Johannes Minckwitz in seinem &#8222;Lehrbuch der rhythmischen Malerei der deutschen Sprache&#8220;. Drei solche &#8222;ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta&#8220;, dabei sogar zweidirekt aufeinanderfolgende, sind im Hesse-Ausschnitt enthalten: &#8222;Narzi\u00df legte&#8220;, und<\/p>\n<p>sofort schwieg er und schloss l\u00e4chelnd<\/p>\n<p>Und gleich darauf, auch unmittelbar aufeinander folgend, stehen zwei &#8222;ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta <strong>TAM<\/strong>&#8222;!<\/p>\n<p>Er schlief friedlich ein. Verst\u00f6rt lief der Abt<\/p>\n<p>Ob man das mit Minckwitz Vorstellungen in \u00dcbereinstimmung bringen kann?! Die &#8222;Verst\u00f6rung&#8220; sicherlich, das &#8222;l\u00e4chelnd&#8220; und das &#8222;friedlich&#8220; vermutlich weniger &#8230; Insgesamt eine eigenartige Stelle, die noch eigenartiger wird durch den Reim &#8222;schlief&#8220; \/ &#8222;lief&#8220; &#8211; wieder ein &#8222;Vershinweis&#8220;!<\/p>\n<p>Er schlief friedlich ein.<br \/>\nVerst\u00f6rt lief der Abt<\/p>\n<p>&#8211; Und eigentlich k\u00f6nnte man das wirklich als zwei Verse untereinandersetzen: &#8222;ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta <strong>TAM<\/strong>&#8222;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ta TAM TAM ta TAM &#8211; das ist im deutschen Vers eine seltene Bewegung?! In der deutschen Prosa auch, aber: sie kommt vor. So stolperte ich heute im f\u00fcnften Band von Hermann Hesses &#8222;gesammelten Werken&#8220;, erschienen 1978 bei Suhrkamp, am Ende von &#8222;Narzi\u00df und Goldmund&#8220; auf folgende S\u00e4tze: Narzi\u00df legte ihm die Hand auf den&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=5866\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Die Bewegungsschule (54)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-5866","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5866","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5866"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5866\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5869,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5866\/revisions\/5869"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5866"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5866"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5866"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}