{"id":5982,"date":"2016-03-29T00:26:42","date_gmt":"2016-03-28T22:26:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=5982"},"modified":"2016-03-29T01:03:02","modified_gmt":"2016-03-28T23:03:02","slug":"wortvergnuegt-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=5982","title":{"rendered":"Wortvergn\u00fcgt (5)"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe vor Jahren ein Distichon geschrieben, in dem das Wort &#8222;weltenzerwinternd&#8220; vorkommt; das recht wohlwollend aufgenommen wurde! Der Weg dahin ist der \u00fcbliche, die Verbindung von Bekanntem und Unbekanntem.<\/p>\n<p>Wo es ein zusammengesetztes Wort gibt, wie etwa &#8222;\u00fcberwintern&#8220;; da ist die Wahrscheinlichkeit gro\u00df, dass auch das entsprechende Grundwort benutzt wird oder wurde, selbst wenn man selbst es nicht im Wortschatz hat. Hier w\u00e4re das &#8222;wintern&#8220;, und siehe da, der Online-Grimm kennt es! Und in mehr als einer Bedeutung, als Beispiel sei <em><span class=\"dwbsenseitalicsbase\">winterliches Wetter bringen, rauh und winterlich sich geb\u00e4rden <\/span><\/em><span class=\"dwbsenseitalicsbase\">angef\u00fchrt, <\/span><span class=\"dwbsenseitalicsbase\">samt Vers-Beleg bei Johann Heinrich Vo\u00df:<\/span><em><span class=\"dwbsenseitalicsbase\"> <span class=\"dwbquotelinerectebase\">Stolberg, trotz dem Orkan, wie er wintere.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p>An Zusammensetzungen wird angef\u00fchrt: <em><span class=\"dwbsenserectebase\">auswintern, durchwintern, einwintern, entwintern, nachwintern, \u00fcberwintern, verwintern, zuwintern. <\/span><\/em><span class=\"dwbsenserectebase\">Wieder Vo\u00df: <\/span><em><span class=\"dwbsenserectebase\"><span class=\"dwbquotelinerectebase\">Denn er duftet linden M\u00e4rz<\/span> \/<br \/>\n<span class=\"dwbquotelinerectebase\">Und entwintert euch das Herz. <\/span><\/span><\/em>Auch die anderen Eintr\u00e4ge lohnen das Nachlesen!<\/p>\n<p>Von da aus ist es nicht mehr weit bis zu einer Zusammensetzung mit eher un\u00fcblicher Vorsilbe. &#8222;Umwintern&#8220; &#8211; warum nicht? Oder eben &#8222;zerwintern&#8220;. Dann noch der Schritt zum Partizip &#8211; fertig! Das &#8222;Welten&#8220; davor kann man getrennt schreiben oder ins Wort ziehen &#8211; &#8222;Welten zerwinternd&#8220; oder &#8222;weltenzerwinternd&#8220;, das macht keinen gro\u00dfen Unterschied, denke ich.<\/p>\n<p>Und wem das noch nicht gen\u00fcgt, und angesichts der Jahreszeit auch nicht mehr recht zu passen scheint &#8211; wo es ein &#8222;wintern&#8220; gibt, ist ein &#8222;sommern&#8220; nicht fern! Der Grimm kennt es jedenfalls, Vo\u00df zum Dritten: <em><span class=\"dwbquotelinerectebase\">der nun sommernden Heitre Beginn. <\/span><\/em><span class=\"dwbquotelinerectebase\">Wobei &#8222;Heitre&#8220;<\/span><span class=\"dwbquotelinerectebase\"> gleichfalls ein feines Wort ist:<\/span><em><span class=\"dwbquotelinerectebase\"> K<span class=\"dwbsenseitalicsbase\">larheit, Glanz, Helligkeit, <\/span><\/span><\/em><span class=\"dwbquotelinerectebase\"><span class=\"dwbsenseitalicsbase\">sagt der Grimm &#8230; Und wieder die Vorsilbe gew\u00e4hlt, hm, diesmal vielleicht &#8222;um-&#8222;?<\/span><\/span><\/p>\n<p><em>Fr\u00fcher V\u00f6gel Gesang, der den klammen Stift mir umsommert.<\/em><\/p>\n<p>Was Unsinn in Hexameterform ist, aber gerade aus der Tastatur fiel, als ich auf ein Beispiel neugierig war; und so schlecht gar nicht klingt. Wobei, sagt die Suchmaschine, &#8222;umsommern&#8220; durchaus vorkommt; bei Celan zum Beispiel! Aber am besten selbst sch\u00f6pfen nach genau diesem Muster: Ein gerade noch bekanntes Wort suchen; und dann einen Schritt dar\u00fcber hinausgehen. Wenn das Ergebnis, das neugeschaffene Wort, den begeistert, der es geschaffen hat: ist die Wahrscheinlichkeit gro\u00df, es gelingt auch bei anderen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe vor Jahren ein Distichon geschrieben, in dem das Wort &#8222;weltenzerwinternd&#8220; vorkommt; das recht wohlwollend aufgenommen wurde! Der Weg dahin ist der \u00fcbliche, die Verbindung von Bekanntem und Unbekanntem. 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