{"id":6067,"date":"2016-04-22T01:13:53","date_gmt":"2016-04-21T23:13:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=6067"},"modified":"2017-03-01T10:41:21","modified_gmt":"2017-03-01T09:41:21","slug":"erzaehlverse-138","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=6067","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (138)"},"content":{"rendered":"<p>Als Vergil seine &#8222;Eklogen&#8220; schrieb, tat er dies (auch) mit dem Vorbild Theokrit vor Augen und dessen 200 Jahre \u00e4lteren Idyllen (Theokrits &#8222;Rinderhirten&#8220; sind Gegenstand von <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/2014\/06\/28\/erzaehlverse-der-hexameter-51\/\">Der Hexameter (51)<\/a>!). Viel, viel sp\u00e4ter nahm sich dann Johann Peter Hebel Vergils siebte Ekloge zum Vorbild in &#8222;K\u00fcrze und L\u00e4nge des Lebens&#8220;, wie die beiden antiken Texte ein Wechselgesang zweier Hirten. Der Anfang:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dumpf ert\u00f6nte vom hohen Turm das Trauergel\u00e4ute<br \/>\nund der Leichengesang erscholl zum blumigen H\u00fcgel,<br \/>\nwo Bathyll und Dam\u00f6tas, noch beide bl\u00fchend dem Leben,<br \/>\nbeide kundig des Wechselgesanges, am Abhange sa\u00dfen.<br \/>\nDieser schaute jenen, der diesen schweigenden Blicks an,<br \/>\nbis im stillen Verein, unaufgefordert vom andern,<br \/>\nalso Bathyll begann, und also Dam\u00f6tas ihm folgte.<\/p>\n<p><em>Bathyll<\/em><br \/>\nKurz ist dein Leben, o Mensch. In einem Jahrhundert beginnt es,<br \/>\nund im n\u00e4mlichen f\u00e4llts. \u2013 Einst sah dort die gr\u00fcnende Eiche<br \/>\nGustav Adolfs Heer, sieht jetzt des gallischen C\u00e4sars<br \/>\nfliegende Fahnen wehn, und harrt noch auf sp\u00e4tes Ereignis.<\/p>\n<p><em>Dam\u00f6tas<\/em><br \/>\nLang ist dein Leben, o Mensch. In einem lachenden Monat<br \/>\nward die Blume des Hains; der n\u00e4mliche Monat begr\u00e4bt sie.<br \/>\nKinder des lachenden Jahrs, buntfarbige Sylphen, die \u00c4hre<br \/>\nkeimt schon im zarten Gras, doch seht ihr nicht mehr die Ernte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Einleitung, die eine etwas eigenartige Mischung herstellt (die aus der Antike herr\u00fchrenden Hirten unter &#8222;Trauergel\u00e4ute&#8220;), singt jeder der beiden vier Verse, der eine \u00fcber die K\u00fcrze, der andere \u00fcber die L\u00e4nge des Lebens; dann tritt <em>Euphronos<\/em> auf und spricht eine Art Schlusswort (selbstverst\u00e4ndlich ein vierversiges):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also sangen die Freunde. Es rauscht in dem nahen Geb\u00fcsche.<br \/>\nAus dem Geb\u00fcsche trat mit heiteren Blicken Euphronos.<br \/>\nLieblich, wie das Wiegen der Wipfel im Hauche des Zephyrs,<br \/>\nwar mir euer Gesang. Ja kurz, ja lang ist das Leben.<br \/>\nS\u00f6hne, genie\u00dfet es nur! o S\u00f6hne, n\u00fctzet es weise!<br \/>\nDer hat lange gelebt, der froh und weise gelebt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Und das ist dann in seiner Lehrhaftigkeit, seinem Belehrenwollen in der Unterhaltung doch sehr deutlich Hebel, und eben nicht mehr Theokrit oder Vergil?! Jedenfalls eine bedenkenswerte M\u00f6glichkeit, Texte, die durch viele Jahrhunderte hindurch ihre Wirkung hatten, f\u00fcr die eigene Zeit nutzbar zu machen &#8230; Hebels Hexameter ist dabei sicher und formbewusst; viel zahlreicher als seine hochdeutschen sind aber seine Dialekt-Hexameter, wie sie sich in den &#8222;alemannischen Gedichten&#8220; finden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Vergil seine &#8222;Eklogen&#8220; schrieb, tat er dies (auch) mit dem Vorbild Theokrit vor Augen und dessen 200 Jahre \u00e4lteren Idyllen (Theokrits &#8222;Rinderhirten&#8220; sind Gegenstand von Der Hexameter (51)!). Viel, viel sp\u00e4ter nahm sich dann Johann Peter Hebel Vergils siebte Ekloge zum Vorbild in &#8222;K\u00fcrze und L\u00e4nge des Lebens&#8220;, wie die beiden antiken Texte ein&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=6067\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (138)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-6067","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6067","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6067"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6067\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7339,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6067\/revisions\/7339"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}