{"id":6146,"date":"2016-05-11T00:31:21","date_gmt":"2016-05-10T22:31:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=6146"},"modified":"2016-05-12T08:36:55","modified_gmt":"2016-05-12T06:36:55","slug":"numen-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=6146","title":{"rendered":"Numen &amp; Sprache"},"content":{"rendered":"<p>Friedrich Georg J\u00fcngers &#8222;Griechische Mythen&#8220; (Klostermann 1957) ist ein lesenswertes Buch. Es handelt, der Titel l\u00e4sst es ahnen, von Titanen, G\u00f6ttern und Heroen, doch auch von anderem; so vom &#8222;Numen&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Numen&#8220;, schreibt J\u00fcnger am Anfang des entsprechenden Kapitels (Seite 219), &#8222;ist die Begegnung, die Ber\u00fchrung des Menschen mit der Gottheit&#8220;. Sp\u00e4ter dann, auf Seite 235, geht es um &#8222;Numen &amp; Sprache&#8220;:<\/p>\n<p>&#8222;Auch die Sprache wird durch das Numen bestimmt; ihr Nomos ist vom Numen noch nicht abgetrennt. Dieser Zusammenhang bleibt dem Verstande verborgen, der nur logische und grammatische Anliegen an die Sprache hat. Wo das Wort nur als\u00a0 <em>logos semantikos<\/em> genommen wird,\u00a0 dort ist vergessen, dass es andere, einschneidendere Aufgaben hatte. In einer Sprache, die nur der Verst\u00e4ndigung dient, ist das Numen nicht mehr anzutreffen, deshalb kommt es in ihr auch nicht mehr zu Verwandlungen. In ihr bleiben nur die Bez\u00fcge zur\u00fcck, das hei\u00dft die Bezeichnungen und Bedeutungen. Der Verstand geht in dieser Richtung dem Unternehmen nach, aus der Sprache das auszusondern, was sie zur Sprache macht, und er tut es mit der Begr\u00fcndung, die Genauigkeit der Sprache erh\u00f6hen zu wollen, ihre logische G\u00fcltigkeit, Verbindlichkeit und Widerspruchsfreiheit, das hei\u00dft ihre Verst\u00e4ndigkeit und Mitteilbarkeit. Auf diesem Wege wird die Sprache Pr\u00e4parat und scheint, indem sie pr\u00e4-parat wird, die gr\u00f6\u00dfte Fertigkeit und Brauchbarkeit zu gewinnen. Fertigkeit liegt in dem, was sich unbek\u00fcmmert brauchen l\u00e4sst. Da die Brauchbarkeit des Verbrauchens wegen da ist, w\u00fcrde eine solche Sprache vor allem zum Verzehr und Verbrauch der Dinge da sein, des Fressens und Verschlingens wegen. Sie gliche der Sprache der Neugierigen, die auch des Verschlingens wegen da ist und immer etwas Hungriges hat. Wird die Sprache zu einem Kalk\u00fcl umgeschaffen, so ist der Weg dazu, dass aus ihr auf rechnerische Weise das Sprachliche entfernt wird. Es gilt aber zu erkennen, dass die Sprache im mythischen Bereich nicht zun\u00e4chst der Verst\u00e4ndigung und Mitteilung dient, sondern des Zeugens und der Verwandlungen wegen da ist. Verwandeln aber kann sie nur, insofern sie das Numen einschlie\u00dft, denn auf andere Weise gelingt\u00a0 es ihr nicht.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Nomos&#8220; meint, ganz grob: &#8222;Gesetz&#8220;. Was man insgesamt davon an- und mitnimmt und was nicht, muss man schauen &#8230; Ein wenig dar\u00fcber nachzudenken lohnt sich jedenfalls, finde ich; auch wenn es nur den &#8222;mythischen Bereich&#8220; betrifft.<\/p>\n<p>&#8222;Der Verstand entwickelt, die Imagination verwandelt&#8220;, sagt J\u00fcnger wenig sp\u00e4ter (Seite 237) noch, und, im Anschluss: &#8222;Eine Ahnung von diesem Verhalt haben nur noch die Dichter, an die deshalb das Schicksal der Sprache gebunden ist. Eine Sprache ohne Numen ist tot.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich Georg J\u00fcngers &#8222;Griechische Mythen&#8220; (Klostermann 1957) ist ein lesenswertes Buch. 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