{"id":6481,"date":"2016-07-28T01:12:47","date_gmt":"2016-07-27T23:12:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=6481"},"modified":"2016-07-28T08:30:00","modified_gmt":"2016-07-28T06:30:00","slug":"ein-uebersetzungsvergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=6481","title":{"rendered":"Ein \u00dcbersetzungsvergleich"},"content":{"rendered":"<p>Aristophanes&#8216; letzte Kom\u00f6die war der 388 vor Christus aufgef\u00fchrte &#8222;Plutos&#8220;, darin es um Besitz und Reichtum geht. F\u00fcnf &#8222;Aristophanische Verse&#8220; dieses St\u00fccks (also im wesentlichen weiblich schlie\u00dfende anap\u00e4stische Siebenheber) lauten in der deutschen \u00dcbersetzung, die Emanuel Lindemann 1832 ver\u00f6ffentlicht hat, so:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn so wie jetzt beschaffen ist die Lebensweise der Menschen,<br \/>\nWer sollte wohl nicht f\u00fcr Wahnsinn es halten, ja mehr noch als Ungl\u00fcck vom D\u00e4mon?<br \/>\nDenn viele Menschen, die b\u00f6se sind, genie\u00dfen dennoch die Sch\u00e4tze,<br \/>\nDie sie mit Unrecht zu sammengeh\u00e4uft; dagegen der Rechtlichen viele<br \/>\nSind ungl\u00fccklich stets in D\u00fcrftigkeit, mit dir sind sie meistens zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Das &#8222;dir&#8220; des Schlussverses ist die leibhaftig anwesende Penia, die (griechische) G\u00f6ttin der Armut. Wie aber klingen diese Verse? Nun: Lahm. Einmal, weil sie den schwungvoll-dr\u00e4ngenden anap\u00e4stischen Grundrhythmus vernachl\u00e4ssigen, dann aber auch aufgrund der vielen unsinnlichen Begriffe.<\/p>\n<p>Dass es auch anders geht, zeigt die 15 Jahre j\u00fcngere \u00dcbersetzung von Ludwig Seeger:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn ein Leben wie das, das die Sterblichen jetzt, die Ungl\u00fccklichen f\u00fchren, &#8211; wir kennen&#8217;s! &#8211;<br \/>\nWem kommt es nicht vor wie verkehrt und verdreht, ja wahrhaftig, die pure Verr\u00fccktheit?<br \/>\nNichtsw\u00fcrdige Schurken, und ihrer sind viel, die besitzen die F\u00fclle des Reichtums,<br \/>\nUnehrlicherweise zusammengescharrt! Doch viele der redlichsten M\u00e4nner<br \/>\nSind im Elend und nagen am Hungertuch und verkehren mit dir nur, o Armut!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun wei\u00df ich nicht, was die beiden Ausschnitte in Hinblick auf die Genauigkeit der \u00dcbersetzung leisten; als deutsche Verse genommen sind Seegers &#8222;Aristophanische Verse&#8220; aber um Welten besser! Schwungvoller, zum einen; und zum anderen sind die &#8222;nichtsw\u00fcrdigen Schurken&#8220; unendlich viel farbiger und eindringlicher als die &#8222;Menschen, die b\u00f6se sind&#8220;. Selbiges gilt f\u00fcr &#8222;am Hungertuch nagen&#8220; im Vergleich zu &#8222;in D\u00fcrftigkeit sein&#8220;!<\/p>\n<p>Um auch einen Vers in seinem metrischen Bau vorzuf\u00fchren &#8211; hier der letzte:<\/p>\n<p>Sind im <strong>E<\/strong>&#8211; \/ lend und <strong>na<\/strong>&#8211; \/ gen am <strong>Hun<\/strong>&#8211; \/ ger<strong>tuch<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> und ver<strong>keh<\/strong>&#8211; \/ ren mit <strong>dir<\/strong> \/ nur, o <strong>Ar<\/strong>&#8211; \/ mut!<\/p>\n<p>\u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u2014 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u2014<\/p>\n<p>(Inhaltlich zeigt sich einmal mehr, dass sich in den letzten 2500 Jahren nichts wesentliches ge\u00e4ndert hat &#8230;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aristophanes&#8216; letzte Kom\u00f6die war der 388 vor Christus aufgef\u00fchrte &#8222;Plutos&#8220;, darin es um Besitz und Reichtum geht. F\u00fcnf &#8222;Aristophanische Verse&#8220; dieses St\u00fccks (also im wesentlichen weiblich schlie\u00dfende anap\u00e4stische Siebenheber) lauten in der deutschen \u00dcbersetzung, die Emanuel Lindemann 1832 ver\u00f6ffentlicht hat, so: &nbsp; Denn so wie jetzt beschaffen ist die Lebensweise der Menschen, Wer sollte wohl&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=6481\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Ein \u00dcbersetzungsvergleich<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-6481","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6481","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6481"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6481\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6486,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6481\/revisions\/6486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6481"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6481"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6481"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}