{"id":6532,"date":"2016-08-06T10:35:00","date_gmt":"2016-08-06T08:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=6532"},"modified":"2016-08-07T21:33:44","modified_gmt":"2016-08-07T19:33:44","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-151","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=6532","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (151)"},"content":{"rendered":"<p>Im Hexameter k\u00f6nnen bekanntlich die ersten vier, der daktylischen Grundart des Verses entsprechenden dreisilbigen Versf\u00fc\u00dfe durch zweisilbige ersetzt werden. Die Frage, wie diese zweisilbigen F\u00fc\u00dfe im Deutschen auszusehen haben, ist in den Anfangszeiten des Verses eindringlich bedacht und besprochen worden, genau wie die Texte, die aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse geschrieben wurden; und auch heute noch ist das einer der Punkte, \u00fcber die sich ein Verfasser unbedingte und \u00e4u\u00dferste Klarheit verschaffen muss, wenn sein eigener Hexameter klar, eindringlich, \u00fcberzeugend und wiedererkennbar klingen soll!<\/p>\n<p>Da hilft es ungemein, die in der Vergangenheit schon gegebenen Antworten durchzusehen, um zu schauen, was \u00fcberzeugt, was nicht \u00fcberzeugt; und was man als Bausteine des eigenen Verses an einzelnen Dingen aus solchen Darstellungen \u00fcbernehmen kann.<\/p>\n<p>Zweisilbige Versf\u00fc\u00dfe, das sind im deutschen Hexameter entweder &#8222;Troch\u00e4en&#8220; (betonte, schwere erste Silbe \/ unbetonte, leichte zweite Silbe) oder &#8222;Spondeen&#8220; (betonte, schwere erste Silbe \/ eher etwas weniger betonte, schwere zweite Silbe), wobei die \u00dcberg\u00e4nge flie\u00dfend sind. Da der antike Hexameter im Versinneren keine Troch\u00e4en kennt, ist ihre Verwendung in der deutschen Nachbildung des Verses immer eine wichtige Frage gewesen.<\/p>\n<p>Leonard Martin Eisenschmid hat in seiner &#8222;Theorie der Dichtungs-Arten: Nebst einer Verslehre&#8220; folgende Regeln f\u00fcr die Verwendung der Troch\u00e4en gegeben (ausgehend von einem Vers, der aus &#8222;Daktylen&#8220; und &#8222;Spondeen&#8220; besteht und die zus\u00e4tzliche Verwendung von &#8222;Troch\u00e4en&#8220; zul\u00e4sst):<\/p>\n<p><em>1) Man lasse nie zwei troch\u00e4ische Versf\u00fc\u00dfe aufeinander folgen.<\/em><br \/>\n<em> 2) Man lasse weder auf einen Worttroch\u00e4us noch auf ein troch\u00e4isch endendes Wort einen Troch\u00e4us folgen; selbst keinen scheinbaren Troch\u00e4us, der durch das folgende Wort zum Daktylus wird: &#8222;Gute Freunde verstehn&#8220;.<\/em><br \/>\n<em> 3) Vor und nach einem gesenkten Wortspondeus darf kein Worttroch\u00e4us stehen; zum Beispiel &#8222;Deutschland, zittre!&#8220;<\/em><br \/>\n<em> 4) Vor der m\u00e4nnlichen und weiblichen Z\u00e4sur meide man den Worttroch\u00e4us.<\/em><br \/>\n<em> 5) In einem der ersten drei F\u00fc\u00dfe ist der Troch\u00e4us weniger auffallend als im vierten, wo er nur selten, und im f\u00fcnften, wo er nie stehen darf.<\/em><\/p>\n<p><em>Als (Ersatz f\u00fcr) Spondeen statthaft sind nur:<\/em><\/p>\n<p><em>1) Jene Troch\u00e4en, die mit s\u00e4umender Mittelzeit in der Senkung f\u00fcr Spondeen gelten k\u00f6nnen, zum Beispiel Wahrheit, Hoffnung, Kenntnis, sittsam, schamhaft, haltbar, glaubhaft.<\/em><br \/>\n<em> 2) Troch\u00e4en, deren K\u00fcrzen entweder durch kr\u00e4ftig schallende Vokale oder Diphthongen oder durch eine Position mit drei und mehr Konsonanten an Dauer in der Aussprache gewinnt: Roma, Sultan, Orpheus, zitternd, schimmlicht, weiland.<\/em><br \/>\n<em> 3) Troch\u00e4en, wo die K\u00fcrze von der L\u00e4nge getrennt eine Pause gestattet, besonders bei einer Elision: lob&#8216; es, schmettr&#8216; ihn, oder bei einem Haupteinschnitt des Verses.<\/em><br \/>\n<em> 4) Troch\u00e4en mit einer weiblichen K\u00fcrze zwischen zwei notwendigen L\u00e4ngen in zusammengesetzten W\u00f6rtern und Begriffen, zum Beispiel Angestemmt, Fu\u00df an Fu\u00df; oder dort, wo das Wort in den folgenden Fu\u00df hin\u00fcbergreift und das Ohr \u00fcber die K\u00fcrze weghebt, zum Beispiel &#8222;<strong>sch\u00f6n ge<\/strong>schleierte Deo&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Eine klare Sicht auf die Dinge; aber nur eine unter vielen, die man bedenken und bewerten sollte, um dann das f\u00fcr das eigene Schaffen n\u00fctzliche daraus mitzunehmen! &#8222;Richtig&#8220; und &#8222;falsch&#8220; sind dabei nicht unbedingt die entscheidenen Beurteilungsma\u00dfst\u00e4be &#8211; das ist eher die Frage &#8222;Hilfreich oder nicht bei der Ausbildung <em>meines<\/em> Hexameters?&#8220;<\/p>\n<p>Ich fand Eisenschmids Ausf\u00fchrungen <em>f\u00fcr mich<\/em> recht brauchbar und halte sie auch im allgmeinen f\u00fcr ausgewogen und belastbar; weswegen ich sie hier mitteile.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Hexameter k\u00f6nnen bekanntlich die ersten vier, der daktylischen Grundart des Verses entsprechenden dreisilbigen Versf\u00fc\u00dfe durch zweisilbige ersetzt werden. 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