{"id":6602,"date":"2016-08-21T11:18:04","date_gmt":"2016-08-21T09:18:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=6602"},"modified":"2016-08-21T13:09:54","modified_gmt":"2016-08-21T11:09:54","slug":"erzaehlformen-die-brunnenstrophe-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=6602","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Die Brunnenstrophe (15)"},"content":{"rendered":"<p>Die in <strong>(12)<\/strong> und <strong>(13)<\/strong> vorgestellte &#8222;doppelte Brunnenstrophe&#8220; ist eigentlich die \u00e4ltere Form, und die &#8222;einfache Brunnenstrophe&#8220; die j\u00fcngere; trotzdem hat man fast auschlie\u00dflich den Vierzeiler im Ohr, w\u00e4hrend der Achtzeieler heute fremd wirkt. Das liegt, auch und besonders, an der Romantik, die viele gro\u00dfartige, wirkungsm\u00e4chtige Gedichte in volkst\u00fcmlichen, kreuzgereimten Vierzeiler-Strophen geschrieben hat und diese Art Strophe als &#8222;Ohren-Ma\u00df&#8220; eingef\u00fchrt hat: L\u00e4ngere Strophen, wie sie vor 1800 beliebt und h\u00e4ufig waren, wirken heute fremd.<\/p>\n<p>Die &#8222;doppelte Brunnenstrophe&#8220; hat Robert Eduard Prutz 1841 benutzt, um seinen Band &#8222;Gedichte&#8220; zu er\u00f6ffnen mit &#8222;Den Dichtern&#8220; &#8211; die zweite Strophe:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wohl h\u00f6rt man allerorten<br \/>\nVon Unmut, Zwist und Streit,<br \/>\nSie schm\u00e4h&#8217;n mit herben Worten<br \/>\nAuf diese schlimme Zeit:<br \/>\nDass aus der Welt entschwunden<br \/>\nDie alte M\u00e4rchenpracht,<br \/>\nUnd keiner drin gefunden,<br \/>\nWas er als Kind gedacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor allem angesichts der letzten vier Zeilen ist die Wahl der Strophenform hier vielleicht ganz passend?! Als dieser Form eher fremder Inhalt wirkt, zumindest auf mich, dann die deutlich rhetorische Aufforderung der dritten Strophe:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und sind so schlimm die Zeiten<br \/>\nUnd ward die Zeit so schlecht:<br \/>\nWas mehr? So musst du streiten<br \/>\nUnd k\u00e4mpfen f\u00fcr das Recht.<br \/>\nDa gilt&#8217;s nicht Seufzer singen,<br \/>\nSchwerm\u00fct&#8217;ge Litanei&#8217;n,<br \/>\nDa gilt es fr\u00f6hlich Ringen,<br \/>\nGilt Mann mit M\u00e4nnern sein!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der letzten Strophe schlie\u00dflich kommen beide Stimmen zu Wort, die volkst\u00fcmliche wie die gedanklich-aufr\u00fcttelnde, fein auf die beiden Strophenh\u00e4lften verteilt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch leuchten Gottes Sterne<br \/>\nWohl \u00fcber Land und Flut,<br \/>\nNoch gibt es nah und ferne<br \/>\nViel Herzen fromm und gut:<br \/>\nSie sollen nicht verderben!<br \/>\nZu Taten, k\u00fchn und gro\u00df,<br \/>\nSoll dein Gesang sie werben:<br \/>\nSieh, das ist Dichterlos!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was er hier beschreibt, hat Prutz in seinem eigenen Dichten jedenfalls umgesetzt &#8230; Mit welchem Erfolg &#8211; nun ja; zu seiner Zeit war er jedenfalls ein bekannter und vielgelesener Mann!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die in (12) und (13) vorgestellte &#8222;doppelte Brunnenstrophe&#8220; ist eigentlich die \u00e4ltere Form, und die &#8222;einfache Brunnenstrophe&#8220; die j\u00fcngere; trotzdem hat man fast auschlie\u00dflich den Vierzeiler im Ohr, w\u00e4hrend der Achtzeieler heute fremd wirkt. 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