{"id":6615,"date":"2016-08-24T10:01:34","date_gmt":"2016-08-24T08:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=6615"},"modified":"2016-08-24T10:01:43","modified_gmt":"2016-08-24T08:01:43","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-84","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=6615","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (84)"},"content":{"rendered":"<p>Detlev von Liliencrons &#8222;Der L\u00e4ndler&#8220; erz\u00e4hlt sehr entspannt, in einem Blankvers, der die Sprache wirklich kaum merkbar formt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf die Terrasse war ich hinbefohlen,<br \/>\nDer jugendlichen, sch\u00f6nen, geistvollen,<br \/>\nHoldseligen Prinzessin vorzulesen.<br \/>\nIch w\u00e4hlte Tasso.<\/p>\n<p>Durch den Sommerabend<br \/>\nUmschwirrt uns schon das erste Nachtinsekt.<br \/>\nDie Sonne war gesunken. Rot Gew\u00f6lk<br \/>\nStand hellget\u00f6nt, mit Blau vermischt, im Westen.<br \/>\nDer Garten vor uns, tief gelegen, h\u00fcllt<br \/>\nSich ein in dunkle Schatten mehr und mehr.<br \/>\nUnd eine Nachtigall beginnt.<\/p>\n<p>Der Diener<br \/>\nSetzt auf den Tisch die Lampen, deren Licht<br \/>\nNicht durch den schw\u00e4chsten Zug ins Flackern kommt.<br \/>\nVon unten, aus dem Dorfe, klingt Musik,<br \/>\nUnd deutlich aus der Finsternis heraus,<br \/>\nLeuchtstriche, blitzen eines Tanzsaals Fenster.<br \/>\nDie Paare huschen schnell vorbei in ihnen.<br \/>\nZuweilen, wenn die T\u00fcr ge\u00f6ffnet steht,<br \/>\nErschallt Gestampf, der Brummba\u00df, Kreischen, Jauchzen.<br \/>\nUnb\u00e4ndig scheint die Freude dort zu herrschen.<br \/>\nIch trage unterdessen weiter vor,<br \/>\nWie fl\u00fcchtige Bilder, unbewu\u00dft, den Trubel<br \/>\nIm Tal an mir vor\u00fcberziehen lassend,<br \/>\nUnd jene Verse hab ich grad&#8216; getroffen:<br \/>\n&#8222;Beschr\u00e4nkt der Rand des Bechers einen Wein,<br \/>\nDer sch\u00e4umend wallt und brausend \u00fcberquillt?&#8220;,<br \/>\nAls ich die Lider hob und die Prinzess,<br \/>\nDie s\u00e4umig ihre Linke dem Gel\u00e4nder<br \/>\nHin\u00fcber ruhen l\u00e4sst, erblicke, wie sie,<br \/>\nNicht meiner Lesung achtend, niederschaut,<br \/>\nDas braune Auge tr\u00e4umerisch, sehns\u00fcchtig<br \/>\nHinuntersendet auf den fr\u00f6hlichen L\u00e4ndler.<\/p>\n<p>&#8222;Wie w\u00e4r&#8216; es, f\u00e4nden wohl Durchlaucht Vergn\u00fcgen,<br \/>\nDem frohen Reigen dort sich anzuschlie\u00dfen?&#8220;<br \/>\nUnd sie, ein Seufzer: &#8222;Ach, ich t\u00e4t&#8217;s so gern.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn ich&#8217;s nur bringen k\u00f6nnte, wiedergeben,<br \/>\nWie jenes Wort von ihr gesprochen ward,<br \/>\nDas &#8222;so&#8220;, das &#8222;gern&#8220;, wenn ich&#8217;s nur treffen k\u00f6nnte,<br \/>\nWie sie das sagte: &#8222;Ach, ich t\u00e4t&#8217;s so gern.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ob nun der in Blankversen geschriebene &#8222;Tasso&#8220; dem &#8222;L\u00e4ndler&#8220; dieses Versma\u00df eingebracht hat, oder umgekehrt der in Blankversen geschriebene &#8222;L\u00e4ndler&#8220; &#8222;Tasso&#8220; (und nachfolgend das passende Zitat daraus) als vorgetragenen Text herbeirief &#8211; wer wei\u00df es; die Trennung eines Blankverses auf zwei Abschnitte eines erz\u00e4hlenden Gedichts, wie hier zweimal zu beobachten, ist aber auf jeden Fall seltener als die Aufteilung eines Blankverses auf zwei Sprecher im Drama!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Detlev von Liliencrons &#8222;Der L\u00e4ndler&#8220; erz\u00e4hlt sehr entspannt, in einem Blankvers, der die Sprache wirklich kaum merkbar formt: &nbsp; Auf die Terrasse war ich hinbefohlen, Der jugendlichen, sch\u00f6nen, geistvollen, Holdseligen Prinzessin vorzulesen. Ich w\u00e4hlte Tasso. Durch den Sommerabend Umschwirrt uns schon das erste Nachtinsekt. Die Sonne war gesunken. 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