{"id":671,"date":"2014-01-26T02:01:05","date_gmt":"2014-01-26T00:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=671"},"modified":"2014-01-26T02:28:10","modified_gmt":"2014-01-26T00:28:10","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-17-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=671","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (17)"},"content":{"rendered":"<p>Conrad Ferdinand Meyer hat auch l\u00e4ngere Texte in Blankversen geschrieben, &#8222;C\u00e4sar Borjas Ohnmacht&#8220; etwa; Aber mir gefallen seine ganz kurzen St\u00fccke am besten. Zwei von denen stelle ich hier vor, &#8222;Erntegewitter&#8220; und &#8222;Nach einem Niederl\u00e4nder&#8220;!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erntegewitter<\/strong><\/p>\n<p>Ein j\u00e4her Blitz. Der Erntewagen schwankt.<br \/>\nAus seinen Garben fahren Dirnen auf<br \/>\nUnd springen schreiend in die Nacht hinab.<br \/>\nEin Blitz. Auf einer goldnen Garbe thront<br \/>\nNoch unvertrieben eine frevle Maid,<br \/>\nDer das gel\u00f6ste Haar den Nacken peitscht.<br \/>\nSie hebt das volle Glas mit nacktem Arm,<br \/>\nAls br\u00e4chte sie&#8217;s der Glut, die sie umflammt,<br \/>\nUnd leert&#8217;s auf einen Zug. Ins Dunkel wirft<br \/>\nSie&#8217;s weit und gleitet ihrem Becher nach.<br \/>\nEin Blitz. Zwei schwarze Rosse b\u00e4umen sich.<br \/>\nDie Peitsche knallt. Sie ziehen an. Vorbei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie bei vielen anderen Blankvers-Texten Meyers auch enden die Verse immer betont. Von den im Blankvers m\u00f6glichen Auflockerungen ist keine zu sehen, so dass der Text sehr klar wirkt, hart und streng, auch?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nach einem Niederl\u00e4nder<\/strong><\/p>\n<p>Der Meister malt ein kleines zartes Bild,<br \/>\nZur\u00fcckgelehnt, beschaut er&#8217;s liebevoll.<br \/>\nEs pocht. &#8222;Herein.&#8220; Ein fl\u00e4mischer Junker ist&#8217;s.<br \/>\nMit einer drallen, aufgedonnerten Dirn,<br \/>\nDer vor Gesundheit fast die Wange birst.<br \/>\nSie rauscht von Seide, flimmert von Geschmeid.<br \/>\n&#8222;Wir haben&#8217;s eilig, lieber Meister. Wisst,<br \/>\nEin wackrer Schelm stiehlt mir das T\u00f6chterlein.<br \/>\nMorgen ist Hochzeit. Malet mir mein Kind!&#8220;<br \/>\n&#8222;Zur Stunde, Herr! Nur noch den Pinselstrich!&#8220;<br \/>\nSie treten lustig vor die Staffelei:<br \/>\nAuf einem blanken Kissen schlummernd liegt<br \/>\nEin feiner M\u00e4dchenkopf. Der Meister setzt<br \/>\nDes Blumenkranzes tiefste Knospe noch<br \/>\nAuf die verblichne Stirn mit leichter Hand.<br \/>\n\u2013 &#8222;Nach der Natur?&#8220; \u2013 &#8222;Nach der Natur. Mein Kind.<br \/>\nGestern beerdigt. Herr, ich bin zu Dienst.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder nur &#8222;m\u00e4nnliche&#8220; Endungen, aber hier finden sich auch zweisilbige Senkungen im Versinneren; und versetzte Betonungen am Versanfang! Und das mit Absicht &#8211; &#8222;<strong>Mor<\/strong>gen ist <strong>Hoch<\/strong>zeit&#8220; \/ &#8222;<strong>Ges<\/strong>tern be<strong>er<\/strong>digt&#8220; wird Meyer kaum zuf\u00e4llig geschrieben haben &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Conrad Ferdinand Meyer hat auch l\u00e4ngere Texte in Blankversen geschrieben, &#8222;C\u00e4sar Borjas Ohnmacht&#8220; etwa; Aber mir gefallen seine ganz kurzen St\u00fccke am besten. Zwei von denen stelle ich hier vor, &#8222;Erntegewitter&#8220; und &#8222;Nach einem Niederl\u00e4nder&#8220;! &nbsp; Erntegewitter Ein j\u00e4her Blitz. Der Erntewagen schwankt. 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