{"id":7110,"date":"2017-01-03T23:26:33","date_gmt":"2017-01-03T22:26:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=7110"},"modified":"2017-01-03T23:26:33","modified_gmt":"2017-01-03T22:26:33","slug":"erzaehlformen-das-distichon-62","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7110","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (62)"},"content":{"rendered":"<p>Das Distichon ist eine Form, die an rhythmischen M\u00f6glichkeiten \u00fcberreich ist. Allerdings treten nicht alle diese M\u00f6glichkeiten gleich h\u00e4ufig in Erscheinung! Eine der seltensten ist sicher der &#8222;Antispast&#8220;, also die Silbenfolge <span style=\"color: #ff0000\">\u25e1 \u2014 \u2014 \u25e1<\/span>, bei der zwei &#8222;schwere&#8220; Silben von zwei &#8222;leichten&#8220; Silben eingerahmt werden. Daf\u00fcr m\u00fcssen in der Mitte des Pentameters der Vers- und der Satzeinschnitt auseinandertreten, und der Satz muss dabei zwei Einschnitte aufweisen, jeweils zwei Silben vor- und zwei Silben nach dem Verseinschnitt. Nur dann wird eine antispastische Sinneinheit h\u00f6rbar!<\/p>\n<p>Ein Beispiel findet sich bei Gustav Schwab:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Prognostikon<\/em><\/p>\n<p>Wer, zu fallen bestimmt, mit Ehren zu fallen vers\u00e4umt hat,<br \/>\nF\u00e4llt mit Schanden, ein Spott Feinden, und Freunden ein Graun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Ein <strong>Spott Fein<\/strong>den&#8220;, <span style=\"color: #ff0000\">\u25e1 \u2014 \u2014 \u25e1<\/span>!<\/p>\n<p>Wer darauf achtet, findet solche Antispaste nicht oft, aber doch gelegentlich. Ein anderes Beispiel, diesmal von Wilhelm Ernst Weber:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Faust<\/em><\/p>\n<p>K\u00f6niglich tr\u00e4gt auf der Stirn er das prometheische Siegel<br \/>\nSinnender Tiefe, ein Gott stehend, und fallend noch Mensch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Ein <strong>Gott ste<\/strong>hend&#8220;; ziemlich \u00e4hnlich dem Pentameter Schwabs?! Noch ein anderer Fall sind die Pentameter-Einschnitte, die durch ein &#8222;\u00fcber ihnen&#8220; liegendes Wort verwirklicht werden. Das kann gleichfalls antispastisch klingen wie in diesem Distichon eines unbekannten Verfassers:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mehr als einer<\/em><\/p>\n<p>Immer sagt ihr, der eine, der Feilschuft, saget doch lieber<br \/>\nVon der Familie der Feil &#8211; Schufte, sie ist ja so gro\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Der Feilschufte&#8220;. Der Bindestrich ist so vom Verfasser gewollt! (Und nein, was genau ein &#8222;Feilschuft&#8220; ist, wei\u00df ich auch nicht &#8230;)<\/p>\n<p>Der Antispast hat jedenfalls eine sehr eigene Bewegung. Wer ein wenig mehr wissen m\u00f6chte, kann im &#8222;Hinterzimmer&#8220; des Verserz\u00e4hlers vorbeischauen, wo einige Stimmen zu diesem Versfu\u00df versammelt sind: <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/gesammeltes\/der-antispast\/\">Der Antispast<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Distichon ist eine Form, die an rhythmischen M\u00f6glichkeiten \u00fcberreich ist. Allerdings treten nicht alle diese M\u00f6glichkeiten gleich h\u00e4ufig in Erscheinung! Eine der seltensten ist sicher der &#8222;Antispast&#8220;, also die Silbenfolge \u25e1 \u2014 \u2014 \u25e1, bei der zwei &#8222;schwere&#8220; Silben von zwei &#8222;leichten&#8220; Silben eingerahmt werden. 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