{"id":7254,"date":"2017-02-04T23:14:26","date_gmt":"2017-02-04T22:14:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=7254"},"modified":"2017-02-05T10:14:25","modified_gmt":"2017-02-05T09:14:25","slug":"erzaehlformen-das-distichon-69","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7254","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (69)"},"content":{"rendered":"<p>In Anton Wildgans&#8216; &#8222;Der Hufschmied&#8220; h\u00e4lt ein mit Fichtenst\u00e4mmen beladener Wagen vor eine Schmiede, die ihn ziehenden &#8222;wuchtigen Braunen&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warfen die H\u00e4upter klirrend im messigfunkelnden Kummet,<br \/>\nPeitschten die Fliegen von sich, scharrten und stampfen den Grund.<br \/>\nDoch da nahte der Meister mit Eisen und Werkzeug, der Fuhrmann<br \/>\nHob nun dem Hengste das Bein, legte den Huf sich aufs Knie.<br \/>\nRasch mit dem Messer zuerst gereinigt, geschnitten, geebnet<br \/>\nWurde das m\u00e4chtige Horn, knirschend flog wei\u00dflicher Span.<br \/>\nJetzt mit der Zange ergriff der Meister das gl\u00fchende Eisen,<br \/>\nPresste dem Hufe es an, rauchend zischte es auf.<br \/>\nDoch da entriss sich der Gaul unb\u00e4ndigen Ruckes, beinahe<br \/>\nW\u00e4ren Fuhrmann und Schmied unter die R\u00e4der gest\u00fcrzt.<br \/>\nAber sie duldeten nicht die Laune des st\u00f6rrischen Tieres,<br \/>\nUnd mit gelenkiger Kraft wurde es wieder bez\u00e4hmt.<br \/>\nKlingend traf nun der Hammer die N\u00e4gel, es stoben die Funken,<br \/>\nUnd das Eisen sa\u00df fest, und das Werk war getan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das sind, aus mancherlei Gr\u00fcnden, keine wirklich guten Distichen; zu wenig Fluss, zu leblos, und die fehlenden leichten Silben in vielen zweiten Pentameter-H\u00e4lften sind sicher eine Schw\u00e4chung. Trotzdem hat das Beharren auf der reinen Vorgangsschilderung einen nicht geringen Reiz; was das Gedicht dadurch gewinnt, wird erst sp\u00e4ter klar, als das die Szene beobachtende &#8222;Ich&#8220; das Gesehene zu einem Vergleich zwischen &#8222;Menschheit&#8220; und &#8222;Tierheit&#8220; nutzt. Daraus zwei Distichen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und es finden sich Brave und finden sich t\u00fcchtige Meister,<br \/>\nUnd bisweilen gelingt&#8217;s, dass sie ein St\u00fcckchen des Wegs<br \/>\nWeiterhelfen der keuchenden, lahmenden, blutenden Menschheit<br \/>\nNur aus liebender Pflicht, achtlos der eignen Gefahr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hm. Die Achtlosligkeit der Hexameter-Z\u00e4sur gegen\u00fcber teilt Wildgans mit anderen Verfassern des 20. Jahrhunderts; das macht die Verse aber nicht besser. Und inhaltlich ziehe ich die eigentliche Beschlagung allemal vor &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Anton Wildgans&#8216; &#8222;Der Hufschmied&#8220; h\u00e4lt ein mit Fichtenst\u00e4mmen beladener Wagen vor eine Schmiede, die ihn ziehenden &#8222;wuchtigen Braunen&#8220; &nbsp; Warfen die H\u00e4upter klirrend im messigfunkelnden Kummet, Peitschten die Fliegen von sich, scharrten und stampfen den Grund. Doch da nahte der Meister mit Eisen und Werkzeug, der Fuhrmann Hob nun dem Hengste das Bein, legte&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7254\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (69)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-7254","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7254"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7257,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7254\/revisions\/7257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}