{"id":7276,"date":"2017-02-11T21:44:31","date_gmt":"2017-02-11T20:44:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=7276"},"modified":"2017-02-12T21:30:07","modified_gmt":"2017-02-12T20:30:07","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-157","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7276","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (157)"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt unz\u00e4hlige Sonette \u00fcber das Sonett, und nicht viel weniger Distichen \u00fcber das Distichon; bei anderen Formen sind solche &#8222;Selbstbez\u00fcge&#8220; seltener, aber immer doch vorhanden. Emanuel Geibel hat zum Beispiel &#8222;Deprekation&#8220; geschrieben, und als Untertitel \/ Gattungsbezeichnung &#8222;Epistel&#8220; hinzugef\u00fcgt; und diese Epistel handelt &#8211; vom Briefeschreiben. Der Anfang:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stets von allem Gesch\u00e4ft in der Welt das verhassteste war mir,<br \/>\nBriefe zu schreiben. So leicht mir das Wort in lebendiger Rede<br \/>\nFlie\u00dft, wenn die Sache mich reizt, so schwer entstr\u00f6mt es der Feder,<br \/>\nLangsam, br\u00fcchig und kalt, als ob auf dem l\u00e4ngeren Umweg<br \/>\nAus dem Herzen aufs Blatt mir Gef\u00fchl und Gedanke gefr\u00f6ren.<br \/>\nKaum, dass ich munter begann, gleich blickt die verw\u00fcnschte Kritik mir<br \/>\n\u00dcber die Schulter herein, und den Ausdruck allzu bedenklich<br \/>\nW\u00e4gend verpfusch&#8216; ich ihn leicht zu farblos steifer Korrektheit,<br \/>\nStatt im behaglichen Fluss frischweg von der Leber zu plaudern<br \/>\nGanz, wie der Schnabel mir wuchs. (&#8230;)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das sind, wie immer bei Geibel, formsichere, aber nicht besonders aufregende Verse, die zum Verst\u00e4ndnis des Hexameters aber gerade darum viel beitragen k\u00f6nnen. Ihr Inhalt jedenfalls scheint in Bezug auf Geibel als Briefeschreiber wahr gewesen zu sein &#8211; der Schauspieler Max Grube schreibt diesbez\u00fcglich:<\/p>\n<p><em>Besonders peinigten ihn die Antwortschreiben auf die ihm zur Pr\u00fcfung \u00fcbersandten Manuskripte, welche oft von recht unberufener Hand herr\u00fchrten, die er aber doch mit r\u00fchrender Gewissenhaftigkeit behandelte.<\/em><\/p>\n<p><em>Einmal hatte ihm eine Dame vier B\u00e4nde Poesie geschickt, noch dazu in augenm\u00f6rderischer Schrift. Geibel war emp\u00f6rt. &#8222;Diese Frechheit, rief er einmal \u00fcber das andere, &#8222;aber ich habe es ihr auch geschrieben &#8211; eine wahre Unversch\u00e4mtheit!&#8220; Nach einer Weile setzte er hinzu: &#8222;Item, lieber Grube, Sie k\u00f6nnen mir ehrlich sagen, ob ich nicht zu grob geworden bin. Ich habe den ganzen Vormittag \u00fcber den Brief gedacht.&#8220; Und nun produzierte er ein Schreiben,<\/em><\/p>\n<p><em>Mit dem k\u00f6nnt&#8216; eine Edelfrau<\/em><br \/>\n<em> Am h\u00f6chsten Feiertage geh&#8217;n.<\/em><\/p>\n<p><em>Er erkl\u00e4rte es jedoch f\u00fcr den Inbegriff aller Grobheit und ich f\u00fcrchte, er hat es sich noch einen Vormittag kosten lassen, um den herben Inhalt in noch freundlichere Worte zu fassen.<\/em><\/p>\n<p>Das eingeschobene Zitat ist aus dem Faust I, wo der erste Vers vollst\u00e4ndig &#8222;Ein Schmuck! Mit dem k\u00f6nnt&#8216; eine Edelfrau&#8220; lautet. Aber man versteht, wie Geibel auf seine eigene, in der Epistel ge\u00e4u\u00dferte Einsch\u00e4tzung kommt &#8230; Anders erging es ihm, so seine Aussage sp\u00e4ter in der Epistel, mit seinen Dichtungen, die nicht am Schreibtisch entstanden, sondern<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drau\u00dfen im Freien, auf schweifendem Gang, wenn der Odem des Fr\u00fchlings<br \/>\nLeis hinzog durch den Wald, mich bezaubernd, oder zur Herbstzeit,<br \/>\nWenn von den Wipfeln das Laub sacht rieselte, goldenen Tr\u00e4nen<br \/>\n\u00c4hnlich, und tief im Gem\u00fct die entschlummerte Schwermut weckte.<br \/>\nOder im Bette, des Nachts, aufd\u00e4mmert&#8216; es mir, und am Morgen<br \/>\nWar es zu Rhythmen erbl\u00fcht, und fertig schrieb ich es nieder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt unz\u00e4hlige Sonette \u00fcber das Sonett, und nicht viel weniger Distichen \u00fcber das Distichon; bei anderen Formen sind solche &#8222;Selbstbez\u00fcge&#8220; seltener, aber immer doch vorhanden. 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