{"id":7342,"date":"2017-03-02T21:47:16","date_gmt":"2017-03-02T20:47:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=7342"},"modified":"2017-03-02T21:47:30","modified_gmt":"2017-03-02T20:47:30","slug":"erzaehlformen-das-distichon-75","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7342","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (75)"},"content":{"rendered":"<p>Die Elegien von Karl Isidor Beck sind keine besonders guten Gedichte. Wenn man sich mit dem Distichon besch\u00e4ftigt, lohnt die Besch\u00e4ftigung mit ihnen aber doch, weil sie einen ganz eigenen Ton haben und durchhalten, dem auf den Grund zu gehen einiges \u00fcber die Wirkungsweise des Verspaares offenbart! Eine kurze Probe:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bleibe der Minne gedenk, ach, erster geheiligter Minne,<br \/>\nIhrer best\u00e4ndig gedenk, selber in eherner Zeit,<br \/>\nSieh, du weckst im Gem\u00fct dir alte, olympische Tr\u00e4ume,<br \/>\nRufst ein entthrontes Geschlecht herrlicher G\u00f6tter zur\u00fcck:<br \/>\nAmor f\u00e4hrt mit dem Taubengespann an, Flora begr\u00fc\u00dft ihn,<br \/>\nImmer und ewig verstehn Blumen und Liebe sich gut;<br \/>\nLuna hat seiner geharrt, viel Heimliches gibt&#8217;s zu bereden,<br \/>\nN\u00e4chte verwachen, genehm war es den beiden von je;<br \/>\nDichtend im Kreis der gefeierten Neun weilt Ph\u00f6bus Apollo,<br \/>\nSeinen erflossenen Vers hauchen die Grazien an.<br \/>\nJung war jeder im Leben, und fremd blieb keinem die Liebe,<br \/>\nEinmal schaute den Gott jeder im Leben gewiss,<br \/>\nGriff in die Saiten und sang! O keinen erhabenen Meister<br \/>\nHat er beflissen geh\u00f6rt, keine der Regeln gekannt,<br \/>\nSeinem im Freien erwachsenen Lied ward nimmer ein Preisreis,<br \/>\nAber im Innersten echt war das vergessene doch!<br \/>\nBleibe der Jugend gedenk, wenngleich karglockigen Scheitels,<br \/>\nInniger Minne gedenk selbst in raufender Zeit,<br \/>\nRufst dem verlassenen Olymp hochedle Dynasten zur\u00fccke,<br \/>\nLebst mit der Leier im Arm, unter den G\u00f6ttern ein Gott!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was f\u00e4llt auf? Beck hat wenig Scheu vor Gleichkl\u00e4ngen, die eigentlich st\u00f6ren, weil sie von der Versbewegung ablenken: &#8222;Taubengespann an&#8220;, oder gar &#8222;Preisreis&#8220;! Er hat deutlich h\u00e4ufiger\u00a0 als der Durchschnitt Zweisilber vor dem Pentameter-Einschnitt und am Pentameter-Schluss; es gibt einige eher seltene W\u00f6rter zu bestaunen, wie &#8222;erflie\u00dfen&#8220;; und &#8222;zur\u00fcck&#8220; oder &#8222;zur\u00fccke&#8220;, je nachdem ob es einen Penta- oder einen Hexameter schlie\u00dft, sind ihm g\u00e4nzlich gleichwertig. &#8222;Verlassene Olymp&#8220; scheint eine dreisilbige Senkung zu sein, aber da hat vielleicht auch nur der Drucker das Apostroph vergessen &#8230;<\/p>\n<p>Davon abgesehen ist der Text: Schwungvoll. Auch hochtrabend und ein wenig angeberisch, sicher; aber eben auch auf eine ziemlich anziehende Weise schwungvoll!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Elegien von Karl Isidor Beck sind keine besonders guten Gedichte. Wenn man sich mit dem Distichon besch\u00e4ftigt, lohnt die Besch\u00e4ftigung mit ihnen aber doch, weil sie einen ganz eigenen Ton haben und durchhalten, dem auf den Grund zu gehen einiges \u00fcber die Wirkungsweise des Verspaares offenbart! 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