{"id":7418,"date":"2017-03-20T11:14:03","date_gmt":"2017-03-20T10:14:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=7418"},"modified":"2017-03-20T11:14:03","modified_gmt":"2017-03-20T10:14:03","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-vierheber-65","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7418","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (65)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ewald Christian von Kleists s\u00e4mtliche Werke, nebst des Dichters Leben aus seinen Briefen an Gleim&#8220; hei\u00dft ein 1803 von Wilhelm K\u00f6rte herausgegebener Band, der gleichsam im Vor\u00fcbergehen auch manch eigenartige Geschichte aus dem Leben des Berufssoldaten Kleist erz\u00e4hlt, darunter diese:<\/p>\n<p><em>Sein Umgang war auf seine Kameraden eingeschr\u00e4nkt, denen aber meist seine Bildung, so wie ihm ihre Rohheit, sehr l\u00e4stig fiel. Es konnte dabei an tausend Streitigkeiten und Neckereien nicht fehlen. So hatte Kleist 1743 mit einem anderen Offizier, wegen ung\u00fcnstiger \u00c4u\u00dferungen \u00fcber einige Potsdamer Damen, einen Zweikampf, in welchem er schwer am Arme verwundet wurde. Im Hause des Obristen von Schulze, dessen Tochter Gleim unterrichtete, wurde von dem jungen verwundeten Offizier mit ganz besonderer Teilnahme gesprochen. Gleim suchte sogleich den Helden auf und fand ihn \u00e4u\u00dferst entkr\u00e4ftet auf dem Bette, vor welchem Caesars &#8222;De Bello Gallico&#8220; aufgeschlagen lag. Der Kranke f\u00fchrte bittre Klage dar\u00fcber, dass er nicht lesen d\u00fcrfe, und nahm das Anerbieten Gleims, ihm vorzulesen, auf das freundlichste an. Zuf\u00e4llig las dieser ihm einst sein scherzhaftes Gedicht &#8222;An den Tod&#8220; vor:<\/p>\n<p>Tod, kannst du dich auch verlieben?<br \/>\nWarum holst du denn mein M\u00e4dchen?<br \/>\nHole lieber ihre Mutter!<br \/>\nIhre Mutter sieht dir \u00e4hnlich.<br \/>\nFrische rosenrote Wangen,<br \/>\nSch\u00f6ngef\u00e4rbt von meinem Kusse,<br \/>\nBl\u00fchen nicht f\u00fcr blasse Knochen!<br \/>\nTod, was willst du mit dem M\u00e4dchen?<br \/>\nMit den Z\u00e4hnen ohne Lippen<br \/>\nKannst du es ja doch nicht k\u00fcssen!<\/p>\n<p>Der Schluss des kleinen Lieds \u00fcberraschte den Kranken, in der Laune, worin er gerade war, bis zum lauten Lachen, dessen Ersch\u00fctterung die Wunde aufriss und ein heftiges Erbluten veranlasste. Der eilig herbeigeholte Wundarzt versicherte: Das gewaltsame Erbluten der Wunde sei f\u00fcr das Genesen des Kranken \u00e4u\u00dferst wohlt\u00e4tig und erspare ihm viel Schmerzen. Die Wunde heilte wirklich sehr schnell nach diesem Vorfall. &#8222;Der Dichtkunst und Ihnen&#8220;, sagte der Genesene dankbar seinem Gleim, &#8222;verdank&#8216; ich also meine Genesung!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dichter leben ihr Leben wie alle anderen Menschen auch; an manchen Stellen ist ein solches Leben dann aber auf eine Weise einzigartig, wie es eben nur ein Dichterleben sein kann &#8230; Johann Wilhelm Ludwig Gleims Verse treten \u00fcber die Geschichte ein wenig in den Hintergrund; es sind aber doch gut gemachte, wirkungsstarke troch\u00e4ische Vierheber, denen man, laut vorgelesen, einen Eindruck auf die Zuh\u00f6rerschaft durchaus zutrauen darf! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ewald Christian von Kleists s\u00e4mtliche Werke, nebst des Dichters Leben aus seinen Briefen an Gleim&#8220; hei\u00dft ein 1803 von Wilhelm K\u00f6rte herausgegebener Band, der gleichsam im Vor\u00fcbergehen auch manch eigenartige Geschichte aus dem Leben des Berufssoldaten Kleist erz\u00e4hlt, darunter diese: Sein Umgang war auf seine Kameraden eingeschr\u00e4nkt, denen aber meist seine Bildung, so wie ihm&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7418\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (65)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-7418","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7418","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7418"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7418\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7419,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7418\/revisions\/7419"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7418"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7418"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7418"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}