{"id":7565,"date":"2017-04-23T23:11:13","date_gmt":"2017-04-23T22:11:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=7565"},"modified":"2017-04-24T18:39:57","modified_gmt":"2017-04-24T17:39:57","slug":"vom-buechermachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7565","title":{"rendered":"Vom B\u00fcchermachen"},"content":{"rendered":"<p>B\u00fccher m\u00fcssen gemacht, was hei\u00dft: erarbeitet werden; das war schon immer so, und ist auch nicht wirklich abh\u00e4ngig von ihrem Inhalt.<\/p>\n<p>Der aus Aleppo stammende Syrer Philipp Stamma war in der ersten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts einer der besten Schachspieler, und 1737 ver\u00f6ffentlichte er in Paris, sp\u00e4ter dann, 1745, noch einmal in London eine Sammlung von Schachproblemen. Diese Sammlung haben gut hundert Jahre sp\u00e4ter die Berliner Ludwig Bledow und Otto von Oppen neu herausgegeben &#8211; &#8222;Stammas hundert Endspiele&#8220;, erschienen 1856 bei von Veit. Die eigentliche Arbeit hat dabei Bledow geleistet, wie von Oppen am Anfang des Buches in einer Art, die wiederum 150 Jahre sp\u00e4ter seltsam anr\u00fchrend wirkt, beschreibt:<\/p>\n<p><em>Endlich ging er selbst ans Werk und legte sich den Apparat zurecht mit der ihm eigent\u00fcmlichen behaglichen Umst\u00e4ndlichkeit und Sorgfalt, welche uns noch jetzt in Zweifel l\u00e4sst, ob er denn gar keine anderen Gesch\u00e4fte, oder ob der Tag mehr Stunden f\u00fcr ihn gehabt habe als f\u00fcr die \u00fcbrige Welt. Bledow war ein Pedant im guten Sinne des Worts, er nahm einen Folioband von solchem Umfange, wie er ihn nach seinem \u00dcberschlage f\u00fcr n\u00f6tig hielt, und f\u00fcgte demselben die n\u00f6tige Zahl blauer B\u00fcchlein wie Adjudanten bei; dann entwarf er mit seiner zierlichsten Handschrift den Titel, ganz so wie er gedruckt werden sollte und ich ihn beibehalten habe, lie\u00df die Zahlen\u00fcbersicht der s\u00e4mtlichen Endspiele mit Erg\u00e4nzungen folgen, welche sich auf abweichende Aufstellungen der bisherigen Ausgaben beziehen, gab ein vollst\u00e4ndiges Verzeichnis dieser Ausgaben mit eigenen kurzen Notizen und ging dann zu den Spielen selbst \u00fcber. Ein jedes bekam in dem Hauptbuche sein besonderes Blatt oder auch mehrere, wo viel zu notieren war, er vermerkte \u00dcbereinstimmung oder Abweichungen aller bisher erschienenen Ausgaben sowie die eigenen \u00c4u\u00dferungen der Autoren, oder wies, wo sie zu umfangreich waren, auf die Werke selbst hin; selbst deren Druckfehler entgingen seiner Aufmerksamkeit nicht. Seine eigenen Glossen beschr\u00e4nkten sich auf kurze S\u00e4tze, Fragen, Frage- oder Ausrufungszeichen, Bezugnahmen dessen, was er schon bearbeitet hatte und was leider gro\u00dfen Teils verloren ist; dann studierte er jedes einzelne Spiel, pr\u00fcfte es wiederholt und notierte erst den Zweifel, dann die festgestellte Gewissheit. In den blauen B\u00fcchlein f\u00fchrte Bledow noch eine besondere Kontrolle und trug in ihnen alles zusammen, was ihm als Material irgendwie brauchbar erschien.<\/em><\/p>\n<p><em>Jetzt konnte er anfangen, die hundert Endspiele, wie er es auf dem Titel angek\u00fcndigt hatte, zu bearbeiten und binnen wenigen Wochen ein klassisches Werk vollenden; der Tod nahm ihm die Feder aus der Hand. Ich habe die meinige dem abgeschiedenen Freunde geliehen, ich schrieb alles, und doch ist alles, oder fast alles, Bledows Nachlass.<\/em><\/p>\n<p>Von Oppen ist hier sicher ein wenig umst\u00e4ndlich &#8211; aber was passte besser zum Inhalt? Der <em>eigentliche<\/em> Inhalt, die hundert Schachprobleme Stammas, folgt danach. Ich stelle zum Schluss eines der einfacheren davon vor:<\/p>\n<p>[fen]3N4\/7p\/6p1\/4Bn1k\/6R1\/7K\/6P1\/2r1q3 w &#8211; &#8211; 0 1[\/fen]<\/p>\n<p>Gefordert ist ein <strong>Matt in drei Z\u00fcgen<\/strong>, die L\u00f6sung lautet: <strong>1.Tg4-g5+ Kh5xg5, 2.Sd8-f7+ Kg5-h5, 3.g2-g4#<\/strong>. Da auch dem wei\u00dfen K\u00f6nig einiges Ungemach droht, muss Wei\u00df schnell sein, sprich: von Beginn an Schach geben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fccher m\u00fcssen gemacht, was hei\u00dft: erarbeitet werden; das war schon immer so, und ist auch nicht wirklich abh\u00e4ngig von ihrem Inhalt. Der aus Aleppo stammende Syrer Philipp Stamma war in der ersten H\u00e4lfte des 18. 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