{"id":768,"date":"2014-02-05T00:50:34","date_gmt":"2014-02-04T22:50:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=768"},"modified":"2014-02-08T01:52:48","modified_gmt":"2014-02-07T23:52:48","slug":"das-ein-vers-gedicht-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=768","title":{"rendered":"Das Ein-Vers-Gedicht (4)"},"content":{"rendered":"<p>Kann man in sich abgeschlossene Verse aus Gedichten herausl\u00f6sen und danach als Ein-Vers-Gedichte betrachten?! Vielleicht. Auf jeden Fall verlieren die Verse dadurch etwas, den inhaltlichen Zusammenhang mit den anderen Versen des eigentlichen Gedichts; und sie gewinnen daf\u00fcr die Freiheit, nur aus sich selbst heraus wirken zu k\u00f6nnen. Es kommt da wohl auf den Versuch an?!<\/p>\n<p>Ein Zwischending ist ein Vers aus Rudolf Borchardts &#8222;Klage der Daphne&#8220;, einem l\u00e4ngeren, in Hexametern geschriebenen Text, der sich im Band &#8222;Gedichte&#8220; der bei Klett-Cotta erschienenen gesammelten Werke auf den Seiten 180 bis 185 findet. Die &#8222;Klage&#8220; beginnt so:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fr\u00fche vor Tag in dem Tau, wo sie kalt lag, fand ich die Grille,<br \/>\nAtmet ihr \u00fcber den F\u00fchler, da hob sie ihn; gab ihr im Hinfliehn<br \/>\nHauch meiner \u00e4ngstigen Brust gedankenlos, ohne das Mitleid.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ab hier tr\u00e4gt Daphne w\u00e4hrend ihrer Flucht vor Apollon die Grille bei sich, und w\u00e4hrend ihrer lange Klage \u00fcber ihr Schicksal redet sie immer wieder, leicht abgewandelt, die Grille an:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Grille, du rufst und rufst in dem Busen mir immer; was rufst du!<\/p>\n<p>Grille, du rufst und rufst und rufst noch immer? Was rufst du?<\/p>\n<p>Grille, du rufst und rufst noch immer, was rufst du?<\/p>\n<p>Grille, du rufst nicht mehr, wie du riefst; ich wollte, du riefest.<\/p>\n<p>Grille, du rufst nicht mehr, aber rufe du wieder! Ach rufe!<\/p>\n<p>Grille, du rufst nicht mehr, aber rufe du wieder! Ach rufe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die einzelnen Fassungen dieser Anrede, zwischen denen immer etwa 20 Verse liegen, unterscheiden sich oft nur durch ein einziges Satzzeichen; und doch ist keine dieser Fassungen in ihrer Versbewegung gleich einer anderen! Meine Lieblingsfassung stelle ich nun an den Schluss dieses Eintrags, das ist dann das &#8222;Ein-Vers-Gedicht&#8220;, von dem dieser Eintrag der \u00dcberschrift nach ja handelt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Grille, du rufst und rufst, und rufst noch immer! Was rufst du?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was geschieht nun mit diesem Vers, wenn er herausgel\u00f6st f\u00fcr sich allein steht &#8211; ist der Inhalt so noch verst\u00e4ndlich? Schwerlich; aber der Inhalt macht f\u00fcr mich auch nicht den Reiz des Verses aus, der liegt in der Art, wie sich die Sprache bewegt; und durch Klang und Bewegung pr\u00e4gt sich der Vers eigentlich sofort ein, ist, so gesehen und geh\u00f6rt: ein Gedicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann man in sich abgeschlossene Verse aus Gedichten herausl\u00f6sen und danach als Ein-Vers-Gedichte betrachten?! Vielleicht. Auf jeden Fall verlieren die Verse dadurch etwas, den inhaltlichen Zusammenhang mit den anderen Versen des eigentlichen Gedichts; und sie gewinnen daf\u00fcr die Freiheit, nur aus sich selbst heraus wirken zu k\u00f6nnen. 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