{"id":7828,"date":"2017-07-01T23:10:26","date_gmt":"2017-07-01T22:10:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=7828"},"modified":"2017-07-02T22:59:13","modified_gmt":"2017-07-02T21:59:13","slug":"das-laecheln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7828","title":{"rendered":"Das L\u00e4cheln"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Das L\u00e4cheln&#8220;, im Untertitel &#8222;Eine Fr\u00fchlingsballade&#8220; genannt, ist ein Gedicht des im gestrigen Beitrag erw\u00e4hnten Anton Wildgans. Es hat sieben Strophen; die vierte, f\u00fcnfte und sechste lesen sich so:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In meinem Leben wei\u00df ich einen Kranken,<br \/>\nGel\u00e4hmt an Gliedern, Willen und Gedanken,<br \/>\nNur seine Seele war dem Wunder heil &#8211;<br \/>\nDer konnte l\u00e4cheln, wenn der erste Schimmer<br \/>\nDer Fr\u00fchlingssonne in sein traurig Zimmer<br \/>\nSich leise schob, ein goldner, zarter Keil.<\/p>\n<p>Der konnte l\u00e4cheln \u00fcber jede Bl\u00fcte,<br \/>\nDass dieses L\u00e4chelns wundervolle G\u00fcte<br \/>\nDem toten Auge fl\u00fcchtig Leben gab:<br \/>\nDer konnte weinen \u00fcber Kinderlieder<br \/>\nUnd tiefer atmen, wenn der Duft vom Flieder<br \/>\nIhn gr\u00fc\u00dfen kam in seiner Kissen Grab.<\/p>\n<p>Und dieses L\u00e4cheln, diese Tr\u00e4nen waren<br \/>\nSo \u00fcberreich an jenem Wunderbaren,<br \/>\nDes alle darben, die so dumpf-gesund.<br \/>\nUnd ich hielt dieses Mannes Hand im Sterben,<br \/>\nUnd ward zu seines L\u00e4chelns Erben,<br \/>\nDas wie ein Bl\u00fchen lag um seinen blassen Mund.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Und das sind fraglos sichere Verse. Die sechste Strophe weicht allerdings etwas ab vom gew\u00f6hnlichen Aufbau der verwendeten Schweifreim-Strophe: Der f\u00fcnfte Vers hat nur vier Hebungen statt der vorgesehenen f\u00fcnf, daf\u00fcr ist dann aber der sechste Vers um eine Hebung zu lang, er hat deren sechs!<\/p>\n<p>An der Wirkung der Strophe \u00e4ndert das nichts, die Silbenzahl bleibt ja gleich, es wird nur leicht &#8222;umverteilt&#8220;. Schaut man in die anderen Strophen, f\u00e4llt allerdings noch eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Abweichung auf &#8211; die zweite Strophe:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass \u00fcber Nacht ein Wunder neu geboren,<br \/>\nDass aus der alten H\u00e4user tiefen Toren<br \/>\nNun wieder Kinderlaut und K\u00fchle weht &#8211;<br \/>\nUnd dass sich W\u00f6lkchen bilden in den L\u00fcften<br \/>\nVon Zigaretten- und Orangend\u00fcften<br \/>\nOder Parfum, wenn eine sch\u00f6ne Frau vor\u00fcbergeht &#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ist da vom letzten Vers zu halten? Sind das nicht sogar sieben Hebungen?! Zum Gl\u00fcck kann man Verfasser selbst befragen &#8211; es gibt eine historische Lesung des &#8222;L\u00e4chelns&#8220; von ihm, aus dem Jahre 1931:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mediathek.at\/atom\/13A32535-2D9-00063-00000D30-13A259B6\/\">Anton Wildgans liest &#8222;Das L\u00e4cheln&#8220;<\/a><\/p>\n<p>Wie man damals eben so vortrug, sehr weihevoll-getragen &#8230; Den &#8222;Parfum-Vers&#8220; liest sein Sch\u00f6pfer, wie mir scheint, aber mit nur f\u00fcnf Hebungen, also zwei dreisilbig besetzten Senkungen?! Oder, wenn man will, f\u00fcnfeinhalb Hebungen; das &#8222;oder&#8220; vorn ist nicht ganz schwach.<\/p>\n<p>Insgesamt haben vier von sieben Strophen verl\u00e4ngerte Schlussverse; das ist also sicher kein Zufall, sondern gestalterische Absicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das L\u00e4cheln&#8220;, im Untertitel &#8222;Eine Fr\u00fchlingsballade&#8220; genannt, ist ein Gedicht des im gestrigen Beitrag erw\u00e4hnten Anton Wildgans. 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