{"id":7926,"date":"2017-07-27T21:32:26","date_gmt":"2017-07-27T20:32:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=7926"},"modified":"2017-07-28T05:29:52","modified_gmt":"2017-07-28T04:29:52","slug":"erzaehlformen-siebenzeiler-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=7926","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Siebenzeiler (5)"},"content":{"rendered":"<p>In den bisher schon vorgef\u00fchrten Siebenzeilern spielte die Kanzonenform eine wichtige Rolle: Ein Aufgesang, bestehend aus zwei zweizeiligen, gleichen Stollen, und ein dreizeiliger Abgesang. Dieser unterscheidet sich zumindest im Reim, kann aber auch ein leicht anderes Metrum aufweisen! Ein Beispiel f\u00fcr letzteres ist Friedrich R\u00fcckerts &#8222;Fr\u00fchlingsruf&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Bienenhause liegt der Strahl<br \/>\nDer Sonn&#8216; und weckt die Bienen;<br \/>\nZur Arbeit m\u00f6chten sie in&#8217;s Tal,<br \/>\nAllein, was wehrt es ihnen?<br \/>\nAch, das Tal noch kahl zumal<br \/>\nLiegt im winterlichen Bann,<br \/>\nOhne Blum&#8216; und Bl\u00fcten.<\/p>\n<p>Und auch den Finken regt das Licht,<br \/>\nDas helle, hell zu schlagen;<br \/>\nWarum doch schicket er sich nicht,<br \/>\nGepaart zu Nest zu tragen?<br \/>\nWeil noch licht, weil dicht noch nicht<br \/>\nLaub und Blatt der Baum gewann,<br \/>\nUm ein Nest zu h\u00fcten.<\/p>\n<p>In diesen L\u00fcften webest du,<br \/>\nUnd schwebst aus diesen Strahlen;<br \/>\nWas hebest du die Todesruh&#8216;<br \/>\nNicht auch von diesen Talen?<br \/>\nFr\u00fchling tu dazu im Nu,<br \/>\nDass der Kunstflei\u00df sammeln kann,<br \/>\nUnd die Liebe br\u00fcten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier nutzt der Aufgesang den vierhebigen Iambus, der Abgesang dagegen den vierhebigen Troch\u00e4us &#8211; ein deutlicher Unterschied in der Wirkung! Aber auch die Gestaltung der Reime ist auff\u00e4llig: Die Stollen sind <strong>ab<\/strong>, <strong>ab<\/strong> gereimt, der erste Vers des Abgesangs nimmt dann noch dreimal (!) den <strong>a<\/strong>-Reim auf, wonach der vorletzte und der letzte Vers innerhalb der Strophe reimlos bleiben, allerdings strophen\u00fcbergreifend mit den Schlussversen der anderen beiden Strophen reimen! Alles sehr eigenartig &#8230; Ins Bild passt all der andere &#8222;Klangschmuck&#8220;, den R\u00fcckert einbaut: das &#8222;<strong>l<\/strong>iegt, <strong>w<\/strong>interlichen, <strong>B<\/strong>ann, <strong>B<\/strong>lum, <strong>B<\/strong>l\u00fcten&#8220;, was die beiden Schlussverse der ersten Strophe verklammert und in der zweiten Strophe gleichfalls wieder aufgenommen wird: &#8222;<strong>L<\/strong>aub, <strong>B<\/strong>latt, <strong>B<\/strong>aum, ge<strong>w<\/strong>ann&#8220;. Die dritte Strophe will davon dann nichts mehr wissen, streut aber daf\u00fcr noch einen Dreifachreim ein, &#8222;webest, schwebst, hebest&#8220;; Und noch verschiedenes anderes, so dass, als es zu dem eigentlich fast albernen &#8222;tu dazu im Nu&#8220; kommt, der Leser schon alles hinzunehmen bereit ist und es nicht weiter auff\u00e4llt &#8230;<\/p>\n<p>Wie ernst man das nehmen sollte? Keine Ahnung. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass R\u00fcckert, der in Bezug auf die Versgestaltung \u00fcber unglaubliche M\u00f6glichkeiten verf\u00fcgte, hier seinen Spa\u00df hatte beim Ausreizen dieser M\u00f6glichkeiten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den bisher schon vorgef\u00fchrten Siebenzeilern spielte die Kanzonenform eine wichtige Rolle: Ein Aufgesang, bestehend aus zwei zweizeiligen, gleichen Stollen, und ein dreizeiliger Abgesang. Dieser unterscheidet sich zumindest im Reim, kann aber auch ein leicht anderes Metrum aufweisen! 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