{"id":8050,"date":"2017-08-27T22:53:59","date_gmt":"2017-08-27T21:53:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=8050"},"modified":"2017-08-28T14:56:39","modified_gmt":"2017-08-28T13:56:39","slug":"das-versbewegte-ohr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=8050","title":{"rendered":"Das versbewegte Ohr"},"content":{"rendered":"<p>In Wilhelm August Schlegels &#8222;Urteile, Gedanken und Einf\u00e4lle \u00fcber Literatur und Kunst&#8220; aus dem Jahre 1798 findet sich ganz unterschiedliches; alles aber lesbar und oft eher anekdotisch und mit Sinn f\u00fcr die kleine Spitze nebenher als \u00fcberm\u00e4\u00dfig tiefgr\u00fcndig. So schreibt Schlegel in Bezug auf die Kunstr\u00e4ubereien, die Napoleon 1796\/1797 w\u00e4hrend seines italienischen Feldzugs betrieben hatte:<\/p>\n<p><em><strong>105.<\/strong> Gegen den Vorwurf, dass die eroberten italienischen Gem\u00e4lde \u00fcbel behandelt w\u00fcrden, hat sich der S\u00e4uberer derselben erboten, ein Bild von Carracci halb gereinigt und halb in seinem urspr\u00fcnglichen Zustande aufzustellen. Ein artiger Einfall! So sieht man bei pl\u00f6tzlichen L\u00e4rm auf der Gasse manchmal ein halb rasiertes Gesicht zum Fenster herausgucken; und mit franz\u00f6sischer Lebhaftigkeit und Ungeduld betrieben mag das S\u00e4uberungsgesch\u00e4ft \u00fcberhaupt viel von der Barbierkunst an sich haben.<\/em><\/p>\n<p>Bei den k\u00fcrzeren Eintr\u00e4gen, die schon ins Aphoristische gehen, regt sich aber auch der &#8222;Verssinn&#8220;, der gestaltete Sprache wittert und ein m\u00f6gliches Epigramm ahnt!<\/p>\n<p><em><strong>50.<\/strong> Die Poesie ist Musik f\u00fcr das innere Ohr, und Malerei f\u00fcr das innere Auge: aber ged\u00e4mpfte Musik, aber verschwebende Malerei.<\/em><\/p>\n<p>Das Deutsche hat nicht viele anap\u00e4stische W\u00f6rter, aber &#8222;Poesie&#8220; und &#8222;Malerei&#8220; geh\u00f6ren dazu; und &#8222;Musik&#8220; ist auch ein &#8222;steigendes&#8220; Wort! Kein Wunder also, dass die Suche in Richtung anap\u00e4stischer Versma\u00dfe geht, und tats\u00e4chlich &#8211; unter Weglassung zweier (entbehrlicher) leichter Silben ergibt sich ein anap\u00e4stischer Tetrameter!<\/p>\n<p>Poe<strong>sie<\/strong> \/ ist Mu<strong>sik<\/strong> \/ f\u00fcr das <strong>in<\/strong>&#8211; \/ nere <strong>Ohr<\/strong>, <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> Male<strong>rei<\/strong> \/ f\u00fcr das <strong>in<\/strong>&#8211; \/ nere <strong>Au<\/strong>&#8211; \/ ge.<\/p>\n<p>\u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014<span style=\"color: #ff0000\"> ||<\/span> \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1 \u25e1 \u2014 \/ \u25e1<\/p>\n<p>Etwas eint\u00f6nig vielleicht in der ausschlie\u00dflichen Verwendung von Anap\u00e4sten (ein hier und da eingestreuter &#8222;steigender Spondeus&#8220; tut dem Vers ganz gut), aber metrisch \u00fcberhaupt nicht zu beanstanden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Wilhelm August Schlegels &#8222;Urteile, Gedanken und Einf\u00e4lle \u00fcber Literatur und Kunst&#8220; aus dem Jahre 1798 findet sich ganz unterschiedliches; alles aber lesbar und oft eher anekdotisch und mit Sinn f\u00fcr die kleine Spitze nebenher als \u00fcberm\u00e4\u00dfig tiefgr\u00fcndig. 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