{"id":8098,"date":"2017-09-14T23:07:26","date_gmt":"2017-09-14T22:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=8098"},"modified":"2017-09-14T23:07:26","modified_gmt":"2017-09-14T22:07:26","slug":"erzaehlformen-das-distichon-97","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=8098","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (97)"},"content":{"rendered":"<p>Wie bei allem muss auch in Bezug auf die den Vers betreffenden Fragen nicht alles geglaubt werden, was dazu geschrieben und gesagt wurde und wird.<\/p>\n<p>Ein Beispiel, das eher zur Erheiterung des Lesenden als zur Vertiefung seines Vers-Verst\u00e4ndnisses dient, ist Johannes Minckwitz&#8216; Erkl\u00e4rung, wie der Pentameter als zweiter Vers des Distichons entstanden ist:<\/p>\n<p><em>Wie also der lyrische Dichter nachsann, auf welche Weise er am besten eine zweite \u00e4hnliche Reihe dem Hexameter zur Seite stellen k\u00f6nnte, so kam er zun\u00e4chst auf den Gedanken, den ganzen ersten Anlauf, welchen der Hexameter bis zu seiner Hauptz\u00e4sur nimmt, zu wiederholen und zu der beabsichtigten Verszeile zu verwenden. Nat\u00fcrlich w\u00e4hlte er dazu die kr\u00e4ftigste Hauptz\u00e4sur aus, die m\u00e4nnliche, da diese es ist, welche dem Hexameter seinen sichersten Halt gibt, wenn wir auch nicht berechtigt sind, sie die h\u00e4ufigste Hauptz\u00e4sur zu nennen. Nachdem der Dichter einen Hexameter vorausgeschickt hatte, wie etwa folgenden:<\/em><\/p>\n<p><em>Singe den schrecklichen Zorn des ber\u00fchmten Peliden Achilleus<\/em><\/p>\n<p><em>&#8230; fuhr er, an die neue Reihe denkend, fort, indem er den ganzen ersten Anlauf des Hexameters wiederholte:<\/em><\/p>\n<p><em>Singe den schrecklichen Zorn.<\/em><\/p>\n<p><em>Dadurch hatte der Versifizierende nun wenigstens ein St\u00fcck f\u00fcr eine neue Reihe gewonnen, und bei diesem Wurfe h\u00e4tte er sich allerdings beruhigen k\u00f6nnen; ist doch eine solche Strophenform, an und f\u00fcr sich tadellos, in der Lyrik auch wirklich gebraucht worden. Allein f\u00fcr den ersten Erfinder, der sich einmal nach einer neuen Form umsah, wird man es nat\u00fcrlich finden, dass er sich nicht mit dieser kurzen Reihe begn\u00fcgte; er ging darauf aus, dem langen, vielsilbigen Hexameter einen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ebenso langen Vers entgegenzustellen, damit der neue dem alten desto besser entspreche.\u00a0 Dazu kam, dass der neue Vers im Grunde blo\u00df ein Anlauf, ein St\u00fcck war und abgerissen klang, w\u00e4hrend er eine Zeile suchte mit gutem, richtigem und f\u00fcr den gesamten Rhythmenstrom entsprechendem Schlusse. Unmittelbar anh\u00e4ngen durfte er jedoch nichts, wenn er nicht ganz in den Hexameter zur\u00fcckfallen wollte. Und ohne Weiteres schlug er den einfachsten und nat\u00fcrlichsten Weg ein: er gab dem Bilde sein Gegenbild und wiederholte den gesamten Rhythmenstrom des ersten Wurfs.<\/em><\/p>\n<p><em>Um den gl\u00fccklichen Griff m\u00f6glichst zu verdeutlichen, will ich auch die n\u00e4mlichen Worte f\u00fcr das Gegenbild beibehalten. Die ganze Strophe lautete nach dem Gesagten auf die n\u00e4chste und einfachste Weise:<\/em><\/p>\n<p><em>Singe den schrecklichen Zorn des ber\u00fchmten Peliden Achilleus,<\/em><br \/>\n<em> Singe den schrecklichen Zorn, singe den schrecklichen Zorn.<\/em><\/p>\n<p>Als w\u00e4re er dabeigewesen, der Herr Minckwitz &#8230; Aber das hei\u00dft selbstverst\u00e4ndlich nicht, dass diese metrische R\u00e4uberpistole nicht auch an ein, zwei Stellen Bedenkenswertes \u00e4u\u00dferte; \u00fcber die Aufteilung des Distichons in &#8222;Drei Pentameter-H\u00e4lften und zweite Hexameter-H\u00e4lfte&#8220; hat sich zum Beispiel auch Ludwig Strau\u00df Gedanken gemacht in seinem sehr lesenswerten Aufsatz &#8222;Zur Struktur des deutschen Distichons&#8220;!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bei allem muss auch in Bezug auf die den Vers betreffenden Fragen nicht alles geglaubt werden, was dazu geschrieben und gesagt wurde und wird. Ein Beispiel, das eher zur Erheiterung des Lesenden als zur Vertiefung seines Vers-Verst\u00e4ndnisses dient, ist Johannes Minckwitz&#8216; Erkl\u00e4rung, wie der Pentameter als zweiter Vers des Distichons entstanden ist: Wie also&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=8098\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (97)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-8098","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8098","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8098"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8098\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8115,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8098\/revisions\/8115"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8098"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8098"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8098"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}