{"id":8190,"date":"2017-10-01T23:32:06","date_gmt":"2017-10-01T22:32:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=8190"},"modified":"2017-10-01T23:36:25","modified_gmt":"2017-10-01T22:36:25","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-167","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=8190","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (167)"},"content":{"rendered":"<p>Noch einmal zu den im vorletzten Eintrag erw\u00e4hnten &#8222;Literarische Zust\u00e4nde und Zeitgenossen&#8220; von B\u00f6ttiger &#8211; da steht selbstredend auch manches \u00fcber Verse drin. Unter &#8222;Den 25. Dezember 1796&#8220; findet sich zum Beispiel &#8222;Goethe liest mir seinen Hermann und Dorothea&#8220;, ein langer Text, teils inhaltliche Zusammenfassung, teils Betrachtung und Urteil; \u00fcber den Hexameter findet sich dort:<\/p>\n<p><em>Der Gang des Hexameters in diesem Gedichte ist der rascheste Wechseltanz, den je eine nordische Sprache in griechischer Modulation einherschwebte. Wie verschieden von dem leichtsinnigen H\u00fcpfen im &#8222;Reineke Fuchs&#8220;, und von dem pathetischen Gang in einigen \u00dcbersetzungen homerischer Hymnen. Man f\u00fchlt es, dass der Dichter bis auf das Silbenma\u00df selbst, in dem er sich bewegt, Sch\u00f6pfer war, und sein <strong>wollte<\/strong>. Jeder Vers malt, und doch ist kein Gedanke an kindische Ziererei. Freilich, um alles zu verstehen, muss man den g\u00f6ttlichen Rhapsoden sein Gedicht selbst deklamieren h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p>Na, das ist doch einmal echte Begeisterung, wie sie sich auch in B\u00f6ttigers Schlusssatz ausdr\u00fcckt:<\/p>\n<p><em>Wohl mir, die heutige Weihnachtsfreude war die genussreichste meines Lebens!<\/em><\/p>\n<p>Aber, das l\u00e4sst zumindest der folgende Eintrag vom 15. April 1797 vermuten, keine vollst\u00e4ndige:<\/p>\n<p><em>Ich habe diesen Abend die letzten f\u00fcnf Ges\u00e4nge von Hermann und Dorothea vom Meisters\u00e4nger selbst vorlesen h\u00f6ren. Welch eine Welt von Handlung und Gef\u00fchl in welchem engen Raum und mit wie wenigen Mitteln?<\/em><\/p>\n<p><em>Goethe f\u00fchlte, dass, sobald seine Dorothea auftrete, Hermann gewisserma\u00dfen nur zur zweiten Figur herabsinken m\u00fcsse, und dass, je sp\u00e4ter sie auftritt, desto gr\u00f6\u00dfer die Spannung der H\u00f6rer (Leser m\u00f6chte ich bei einem Gedicht nicht sagen, das eigentlich nur durchs Ohr empfangen werden sollte) sein m\u00fcsse.<\/em><\/p>\n<p>Der Hexameter ist ein Vortragsvers &#8211; keine Frage; und hier eine Best\u00e4tigung mehr.<\/p>\n<p>Aber um noch einige Verse anh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen, hier B\u00f6ttigers Anmerkung zum Schluss des achten Gesangs, und anschlie\u00dfend die entsprechenden Verse:<\/p>\n<p><em>Dorothea tritt fehl und sinkt dem vorausgehenden J\u00fcngling an die Brust. Aber er bek\u00e4mpft sich, er bleibt starr und unbeweglich. <strong>Dadurch<\/strong> wird er Doroteens wert, die den Mut hatte, sich zum Dienen zu erniedrigen. Ein magischer Zug des Gedichts.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber sie, unkundig des Steigs und der roheren Stufen,<br \/>\nFehlte tretend, es knackte der Fu\u00df, sie drohte zu fallen.<br \/>\nEilig streckte gewandt der sinnige J\u00fcngling den Arm aus,<br \/>\nHielt empor die Geliebte; sie sank ihm leis auf die Schulter,<br \/>\nBrust war gesenkt an Brust und Wang&#8216; an Wange. So stand er,<br \/>\nStarr wie ein Marmorbild, vom ernsten Willen geb\u00e4ndigt,<br \/>\nDr\u00fcckte nicht fester sie an, er stemmte sich gegen die Schwere.<br \/>\nUnd so f\u00fchlt&#8216; er die herrliche Last, die W\u00e4rme des Herzens<br \/>\nUnd den Balsam des Atems, an seinen Lippen verhauchet,<br \/>\nTrug mit Mannesgef\u00fchl die Heldengr\u00f6\u00dfe des Weibes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch einmal zu den im vorletzten Eintrag erw\u00e4hnten &#8222;Literarische Zust\u00e4nde und Zeitgenossen&#8220; von B\u00f6ttiger &#8211; da steht selbstredend auch manches \u00fcber Verse drin. Unter &#8222;Den 25. 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