{"id":8201,"date":"2017-10-04T23:21:33","date_gmt":"2017-10-04T22:21:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=8201"},"modified":"2017-10-05T07:44:01","modified_gmt":"2017-10-05T06:44:01","slug":"die-schmeissfliege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=8201","title":{"rendered":"Die Schmei\u00dffliege"},"content":{"rendered":"<p>Ich lese immer noch in B\u00f6ttigers &#8222;Literarischen Zust\u00e4nden und Zeitgenossen&#8220; &#8230;<\/p>\n<p>In seinem Vorwort zum 1997 im Aufbau-Verlag erschienenen Buch schreibt (Mit-)Herausgeber Ren\u00e9 Sternke:<\/p>\n<p><em>Der Autor verstand es, ohne es zu beabsichtigen, verschiedene seiner Zeitgenossen, unter ihnen Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder, die Br\u00fcder August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Schelling, so zu ver\u00e4rgern, dass sie ihn \u00f6ffentlich als &#8222;Arschgesicht&#8220;, &#8222;Vogelscheuche&#8220;, &#8222;L\u00fcgner&#8220; oder &#8222;Schmei\u00dffliege&#8220; verunglimpften.<\/em><\/p>\n<p>Eine eindrucksvolle Liste &#8230; Und so ganz unrecht hatten die Geistesgr\u00f6\u00dfen nicht; B\u00f6ttiger l\u00e4sst sich oft zu Klatsch und Tratsch hinrei\u00dfen. So berichtet er etwa \u00fcber Ferdinand Justus Christian Loder, damals schon ein bekannter Mann, der sp\u00e4ter noch zum Leibarzt von K\u00f6nigen und Zaren werden sollte:<\/p>\n<p><em>Seinen anatomischen Vortr\u00e4gen wei\u00df er da, wo die Zeugungsteile vorkommen, alle m\u00f6gliche W\u00fcrde zu geben. Bemerkt er, dass fremde Studenten aus str\u00e4flicher Neugier gerade diese Stunde zum Hospitieren abgepasst haben, so ruht er nicht eher, als bis diese abgetreten sind, oder er behandelt sogleich au\u00dfer der Ordnung eine andere Materie.<\/em><\/p>\n<p>So weit, so harmlos (wenn man sich auch fragen kann, warum das mitteilenswert ist). Der Punkt l\u00e4sst B\u00f6ttiger aber nicht los &#8211; drei S\u00e4tze sp\u00e4ter schreibt er:<\/p>\n<p><em>Wegen eines monstr\u00f6s gro\u00dfen Penis in seiner Pr\u00e4paratensammlung hat er viel \u00c4rger ausgestanden. Er wusste diese Rarit\u00e4t bei einem angesehenen B\u00fcrger in Jena noch bei Lebzeiten des Besitzers zu entdecken, und brachte (es) durch Bestechung des Totengr\u00e4bers dahin, dass er dies sch\u00f6ne Specimen noch aus dem Sarge rettete. Ungl\u00fccklicherweise hatte die Frau des Verstorbenen Verdacht gesch\u00f6pft und verlangte nun vom Totengr\u00e4ber, dass er ihr den Sarg noch einmal \u00f6ffnen solle, weil sie sich nicht eher zufriedengeben k\u00f6nne, als bis sie wisse, es sei mit dem Leichnam ihres Mannes nichts unrechtes vorgegangen.\u00a0 Als der Totengr\u00e4ber keine Ohren dazu hatte, wandte sie sich an den Stadtrat und verlangte von diesem die Erlaubnis, und nur durch strenge und standhafte Verweigerung konnte man es dahin bringen, dass sie sich zwar nicht beruhigte, aber doch nichts zu unternehmen wagte.<\/em><\/p>\n<p>Und dass er sich mit dergleichen eher keine Freunde macht, h\u00e4tte er wissen k\u00f6nnen &#8230; Aber heute, keine Frage: liest sich sein Buch auch wegen dieser Klatsch-Geschichten sehr angenehm, weil abwechslungsreich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich lese immer noch in B\u00f6ttigers &#8222;Literarischen Zust\u00e4nden und Zeitgenossen&#8220; &#8230; In seinem Vorwort zum 1997 im Aufbau-Verlag erschienenen Buch schreibt (Mit-)Herausgeber Ren\u00e9 Sternke: Der Autor verstand es, ohne es zu beabsichtigen, verschiedene seiner Zeitgenossen, unter ihnen Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder, die Br\u00fcder August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck,&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=8201\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Die Schmei\u00dffliege<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-8201","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8201","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8201"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8207,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8201\/revisions\/8207"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}