{"id":8415,"date":"2017-11-23T23:10:04","date_gmt":"2017-11-23T22:10:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=8415"},"modified":"2017-11-25T13:15:16","modified_gmt":"2017-11-25T12:15:16","slug":"buecher-zum-vers-115","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=8415","title":{"rendered":"B\u00fccher zum Vers (115)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Friedrich Maurer, Hein Rupp (Hrsg.): Deutsche Wortgeschichte (2)<\/strong><\/p>\n<p>Dieser zweite Band der Deutschen Wortgeschichte deckt den Zeitraum &#8222;Vom Barock bis zur Gegenwart&#8220; ab, meint bis 1974, als die neubearbeitete 3. Auflage bei de Gruyter erschienen ist. Seine 700 Seiten enthalten Unmengen an Wissenswertem &#8211; nicht nur, welchen Zeiten aufgrund welcher Vorstellungen welche W\u00f6rter wichtig waren, sondern auch, wie sich Vorstellungen und W\u00f6rter bei den einzelnen Verfassern verwirklicht haben.\u00a0 Dazu sch\u00e4rft sich der Blick f\u00fcr die unz\u00e4hligen Bedeutungsver\u00e4nderungen, die viele W\u00f6rter zum Beispiel seit Goethes Zeiten erfahren haben und ohne deren Kenntnis die Texte des &#8222;Dichterf\u00fcrsten&#8220; an manchen Stellen missverst\u00e4ndlich sind; und auch \u00fcber das Zustandekommen manch seltsamer Wortbildung wird der Leser unterrichtet. So schreibt Friedrich Kainz zum Beispiel in &#8222;Klassik und Romantik&#8220; (S. 291-292):<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><em>Schillers Reifen zum Klassiker ist gleichfalls durch das Aufgeben der Spracheigent\u00fcmlichkeiten der Geniezeit und des Sturms und Drangs &#8211; vorab der burschikosen, unfl\u00e4tig-zynischen Kraftw\u00f6rter -gekennzeichnet, ferner durch bewusste Abkehr von schw\u00e4bischen Mundartausdr\u00fccken, dann aber auch durch Verbesserung derselben mit Hilfe hyperkorrekter (hyperhochdeutscher) Formen, wof\u00fcr das auch bei H\u00f6lderlin zu findende &#8222;zernichten&#8220; (&#8222;vernichten&#8220;) und das gleichfalls bei Uhland anzutreffende &#8222;zerschieden&#8220; (&#8222;verschieden&#8220;) bekannte Beispiele sind. (&#8230;) Wenn der junge Schiller sowie sein Landsmann Uhland von &#8222;zerschiedenen Szenen&#8220;, &#8222;zerschiedenen Eigenschaften&#8220;, &#8222;zerschiedenen Edelsteinen&#8220; sprechen, so geht das auf den Umstand zur\u00fcck, dass in ihrer Mundart die Vorsilbe &#8222;zer-&#8220; fehlt und durch &#8222;ver-&#8220; ersetzt wird (Kleider werden &#8222;verrisse&#8220;, T\u00f6pfe &#8222;verschlage&#8220;), ebenso ist das &#8222;bezauberte Schloss&#8220; in Schillers &#8222;Geisterseher&#8220; eine hyperkorrekte \u00dcberkompensation seiner schw\u00e4bischen Unsicherheit in Bezug auf die Vorsilbe &#8222;ver-&#8222;; dennoch ist nicht jedes &#8222;zer-&#8220; bei Schiller die Verschlimmbesserung eines schw\u00e4bischen &#8222;ver-&#8222;, sondern im Sinne einer perfektivierend-intensivierenden Ausdruckssteigerung direkt erstrebtes\u00a0 Wirkungsmittel: so etwa, wenn sich in &#8222;Wallensteins Tod&#8220;, einem Werk der Reifezeit Schillers, das Verb &#8222;zergr\u00e4men&#8220; findet.<\/em><\/p>\n<p>Aha! Das muss einem Nicht- Schwaben ja auch erst einmal jemand erkl\u00e4ren &#8230;<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Genuss und Gewinn liegt aber in den umfangreichen Beispiellisten, aus denen sch\u00f6ne, kluge, und durchaus heute noch brauchbare W\u00f6rter in gro\u00dfer Menge sich dem Leser bekanntmachen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich Maurer, Hein Rupp (Hrsg.): Deutsche Wortgeschichte (2) Dieser zweite Band der Deutschen Wortgeschichte deckt den Zeitraum &#8222;Vom Barock bis zur Gegenwart&#8220; ab, meint bis 1974, als die neubearbeitete 3. Auflage bei de Gruyter erschienen ist. 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