{"id":8677,"date":"2018-02-25T23:41:11","date_gmt":"2018-02-25T22:41:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=8677"},"modified":"2018-02-25T23:41:53","modified_gmt":"2018-02-25T22:41:53","slug":"erzaehlformen-das-distichon-111","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=8677","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (111)"},"content":{"rendered":"<p>Einer der Dichter, die mir immer ein R\u00e4tsel bleiben werden, ist Ludwig Theobul Kosegarten. Sein &#8222;An Rosa&#8220; f\u00e4ngt so an:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Rose bl\u00fchte. Sie war die sch\u00f6nste des Gartens;<br \/>\nIhre schwellende Brust funkelt&#8216; im perlenden Tau;<br \/>\nIhre Bl\u00e4tter ergl\u00fchten im Wiederscheine des Fr\u00fchrots;<br \/>\nIhr vollstr\u00f6mender Duft lockte den Wand&#8217;rer herbei.<br \/>\nJ\u00fcnglinge liebten die Holde; des Tales bl\u00fchendste T\u00f6chter<br \/>\nHingen z\u00e4rtlich an ihr, staunten err\u00f6tend sie an &#8211;<br \/>\nAber sie welkt&#8216;; ihr Purpur verblich, ihr atmender Duftkelch<br \/>\nLechzte versiegt; verdorrt trieben die Bl\u00e4tter umher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste Satz aus drei Worttroch\u00e4en ist der untauglichste Weg \u00fcberhaupt, einen Hexameter zu beginnen; und wof\u00fcr genau waren jetzt \u00fcberhapt diese vier Distichen gut &#8211; was beginnen <em>sie<\/em>?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fr\u00fchlinge wurden geboren, und Fr\u00fchlinge starben; der Rose<br \/>\nUranf\u00e4nglicher Stoff schwebet&#8216; im \u00c4ther umher.<br \/>\nUnd es beseelte des Ewigen Hauch den wandelnden Urstoff,<br \/>\nHauchete Stimm&#8216; und Gesang, Leben und Lieben ihm ein.<br \/>\nEine Nachtigall ward er, die Liederreichste des Tales.<br \/>\nDurch die Weiden am Bach fl\u00f6tet ihr schmelzendes Lied.<br \/>\nLiebende wandelten horchend am Bach, und inniger schlang sich,<br \/>\nWenn die S\u00e4ngerin schlug, an den Verlobten die Braut.<br \/>\nEinen Fr\u00fchling lang sang sie. Es welkte der freundliche Fr\u00fchling,<br \/>\nUnd der S\u00e4ngerin Lied t\u00f6nte nicht ferner am Bach.<br \/>\nMit den sinkenden Bl\u00e4ttern entsank sie dem Aste des Strauches<br \/>\nUnd zum \u00c4ther ger\u00fcckt wallte der fl\u00fcchtige Staub.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ah &#8230; ja. Gut. Dieses wissend: wie geht es weiter?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fr\u00fchlinge wurden geboren, und Fr\u00fchlinge welkten. Noch immer<br \/>\nWallte der S\u00e4ngerin Staub in dem \u00e4therischen Raum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anscheinend gar nicht &#8211; oder doch, jetzt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder beseelte des Ewigen Odem den wandelnden Urstoff,<br \/>\nHauchte lebendigen Hauch, edlere Sch\u00f6nheit ihm ein.<br \/>\nUnd er reift&#8216; empor zu einer unsterblichen Seele<br \/>\nLeuchtender H\u00fclle, zu dir, edele Rosa, empor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir n\u00e4hern uns &#8211; wem oder was, ist noch unklar. Wer ist denn, erst einmal,\u00a0 diese Rosa?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sieh&#8216;, ein holdes M\u00e4dchen entbl\u00fchte der Asche, mit jeder<br \/>\nHerzgewinnenden Huld, jeglicher G\u00fcte begabt.<br \/>\nTraut, wie Schatten, dem\u00fctig, wie Veilchen, milde, wie Lenztau,<br \/>\nRein, wie der Lilie Kelch, s\u00fc\u00df, wie Narzissenged\u00fcft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8230; Eine Ansammlung von Klischees, augenscheinlich. Ich breche hier ab, der Text geht aber noch ein gutes St\u00fcck weiter, was ich wei\u00df, weil ich ihn gelesen habe; aber warum blo\u00df? Dieser Kosegarten ist mir ein R\u00e4tsel &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der Dichter, die mir immer ein R\u00e4tsel bleiben werden, ist Ludwig Theobul Kosegarten. Sein &#8222;An Rosa&#8220; f\u00e4ngt so an: &nbsp; Eine Rose bl\u00fchte. 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