{"id":8862,"date":"2018-04-18T23:24:11","date_gmt":"2018-04-18T22:24:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=8862"},"modified":"2018-04-20T11:07:33","modified_gmt":"2018-04-20T10:07:33","slug":"erzaehlformen-die-stanze-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=8862","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Die Stanze (3)"},"content":{"rendered":"<p>Die im vorigen Beitrag angesprochenen Schwierigkeiten, oder besser: Besonderheiten, die sich bei dem Versuch ergeben, aus einer italienischen Strophenform eine deutsche Strophenform zu machen, hat die deutschen Dichter lange umgetrieben; Christoph Martin Wieland hat dabei seine eigenen L\u00f6sungen gefunden. In der Vorrede zu seinem Versepos &#8222;Idris und Zenide&#8220; schreibt er:<\/p>\n<p><em>Das folgende Gedicht ist der erste Versuch, den der Verfasser in einer Art von Stanzen, die den Ottave rime der Italiener \u00e4hnlich sind, gewagt hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Unterschied besteht darin, dass in den Stanzen, worin Bojardo, Ariost, die beiden Tassos, Marino und so viele andere gedichtet haben, alle Zeilen gleich viel Silbenf\u00fc\u00dfe z\u00e4hlen, dass alle Reime weiblich sind, und dass die beiden Reime, an welche die ersten sechs Zeilen gebunden sind, immer auf einerlei Art alternieren, so dass immer die dritte und f\u00fcnfte Zeile auf die erste, die vierte und sechste aber auf die zweite reimen: da hingegen in den Stanzen des Idris 1) Jamben von acht und neun, zehn und elf, zw\u00f6lf und dreizehn Silben nach Gutbefinden gebraucht werden; 2) die zwei Reime der sechs ersten Zeilen, ebenfalls nach Willk\u00fcr, bald wechselweise verschr\u00e4nkt, bald auf jede andre m\u00f6gliche Art zusammengeordnet sind, und endlich 3) m\u00e4nnliche und weibliche Reime abwechselnd und nach Belieben die erste oder letzte Stelle der Stanze einnehmen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Diese Freiheit, welche die Natur unsrer etwas ungeschmeidigen Sprache bei einem ersten Versuche wo nicht notwendig zu machen, doch wenigstens zu entschuldigen schien, kann in den H\u00e4nden eines Dichters, der mit einem Ohr f\u00fcr Wohlklang und Numerus begabt ist, zu einer reichen Quelle musikalischer Sch\u00f6nheiten werden, wodurch diese freiere Art von Stanzen einen wahren Vorzug vor den strengern Ottave rime erh\u00e4lt. Die Monotonie der letztern, die in einem gro\u00dfen Gedichte endlich sehr erm\u00fcden m\u00fcsste, wird dadurch vermieden, und ein weit sch\u00f6nerer Periodenbau, mit einer sehr mannigfaltigen, oft nachahmenden, immer dem Ohre gef\u00e4lligen Eurythmie und Singbarkeit (wenn ich so sagen darf) in diese Versart gebracht; Vorteile, wovon ganz gewiss kein geringer Teil des Vergn\u00fcgens abh\u00e4ngt, welches auch solche Leser, die der Prosodie und Versifikation ganz unkundig sind, an Idris und Oberon gefunden haben.<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Oberon&#8220; ist ein anderes Versepos Wielands. Die unterschiedliche Versl\u00e4nge l\u00e4sst sich in folgender Stanze, die zuf\u00e4llig die gew\u00f6hnliche Reimstellung und die gew\u00f6hnliche Verteilung der Versschl\u00fcsse hat, gut einsch\u00e4tzen &#8211; &#8222;ein junger Ritter&#8220; ist im Begriff, ein Bad zu nehmen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er schnallt den Harnisch ab, legt Helm und Lanze nieder,<br \/>\nUnd \u00fcberl\u00e4sst der lauen Flut<br \/>\nDen frischen Reiz der jugendlichen Glieder.<br \/>\nIhr unbefleckter Schnee, getuscht mit Rosenblut,<br \/>\nScheint aus den Spiegelwellen wieder,<br \/>\nSo wie der Sonne Bild von glattem Marmor tut,<br \/>\nIhm h\u00e4tte kaum (die Wahrheit zu gestehen)<br \/>\nDie alte Vesta selbst kaltbl\u00fctig zugesehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und doch: Die von Wieland genannten Vorz\u00fcge sind deutlich erkenn- und vernehmbar!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die im vorigen Beitrag angesprochenen Schwierigkeiten, oder besser: Besonderheiten, die sich bei dem Versuch ergeben, aus einer italienischen Strophenform eine deutsche Strophenform zu machen, hat die deutschen Dichter lange umgetrieben; Christoph Martin Wieland hat dabei seine eigenen L\u00f6sungen gefunden. 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