{"id":895,"date":"2014-02-14T03:05:34","date_gmt":"2014-02-14T01:05:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=895"},"modified":"2018-01-30T09:32:51","modified_gmt":"2018-01-30T08:32:51","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=895","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (20)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Die Beichte Bocchino Belfortis&#8220; findet sich im Gedicht-Band von Rudolf Borchardts &#8222;Gesammelten Werken&#8220;, erschienen 1957 bei Klett-Cotta, auf den Seiten 398-413; ein l\u00e4ngeres St\u00fcck also, das aber trotzdem ausschlie\u00dflich von der w\u00f6rtlichen Rede eines einzelnen Menschen bestritten wird &#8211; kein wirkliches Selbstgespr\u00e4ch, doch andere Anwesende sind nur zu erahnen durch die Worte, die an sie gerichtet werden. Der Anfang:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil ihr mich eben anseht. &#8211; Weil der Teufel<br \/>\nEuch Z\u00fcge gibt wie meine, mich zu \u00e4ffen. &#8211;<br \/>\nWeil ich sonst nicht verhandle mit der Luft<br \/>\nNoch eines Menschen Schemen, oder einem<br \/>\nDer so wie M\u00f6nche aussieht, doch nur aussieht,<br \/>\nUnd ist vielmehr blo\u00df ein St\u00fcck t\u00fcnchen Werk,<br \/>\nDie H\u00e4nde in der Kutte, grau auf grau,<br \/>\nUnd steht am Pfeiler, rechts in San Matteo<br \/>\nZu Pisa, wenn ihr in den Chor wollt. &#8211; &#8211; Wasser!<br \/>\nAh Wasser! &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;<br \/>\n&#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; Sagt mir, wo bin ich, wie nennt sich<br \/>\nDer Ort hier? &#8211; Ah. Venosa. &#8211; Ja, ich wei\u00df,<br \/>\nIch fiel hier krank &#8230; Ihr wollt mir &#8230;? Ja, ich wei\u00df,<br \/>\nIch soll hier sterben. Bischof von Venosa,<br \/>\nBelforti nehmen keine fremden Dienste.<br \/>\nBelforti sind die K\u00f6nige der Mark<br \/>\nVolterra, und dass ich hier Reisepage<br \/>\nDes Erzbischofs, vielmehr sein Familiar<br \/>\nZu sein euch d\u00fcnke, kommt von diesem Fieber,<br \/>\nDas auf der Reise mich befiel. Raimondo<br \/>\nWird euch vermelden, wer Belforti sind;<br \/>\nMein Diener. Guter Leute Kind. Recht brav.<br \/>\nIch bin kein Page. Es ist eine Wette,<br \/>\nBischof, Verabredung; ihr werdet wissen,<br \/>\nWie das der Brauch ist unter gro\u00dfen Herren,<br \/>\nKleider zu tauschen, Leute anzubinden.<br \/>\nIch bin sehr jung, jedoch kein Page. Bin<br \/>\nSehr jung und darum sollt ich, weil das Fieber,<br \/>\nMit dem Erzbischof reisend, mich befiel,<br \/>\nHier in Venosa, in Venosa sterben.<br \/>\nDas ist sehr einfach. &#8211; Das ist Logica.<br \/>\nSehr einfach, deutlich. &#8211; &#8211; Wer das nicht versteht,<br \/>\nUnd Zweifel hegt, und hinten, da, so frech,<br \/>\nMit dieser Warze auf der Nase, da<br \/>\nSo lacht, und sagt &#8222;He Page&#8220; und &#8222;Bocchino&#8220; &#8211;<br \/>\n&#8211; Loslassen! Meinen Degen! Ich durchrenn ihn,<br \/>\nDen Hund! Den Pastasciutta! Was? Du mir?!<br \/>\nDes Schiedsspruchs wegen, da dus schon verdient,<br \/>\nDas Leben dir gefristet, Hundem\u00f6nch,<br \/>\nPisanische Grimasse, &#8211; &#8211; wie, und jetzt,<br \/>\nAls w\u00e4r das nie gewesen mit dem Abt<br \/>\nVon San Matteo, und dem Buben-Schiedsspruch,<br \/>\nDen ich im Stiefel tragend heimw\u00e4rts ritt,<br \/>\nZu sagen &#8222;Nichts&#8220; und &#8222;Nichts da von Vergeltung&#8220;,<br \/>\n&#8222;Kein Geld, wir sind nichts wert&#8220;, zu sagen &#8222;Was?&#8220;<br \/>\nUnd wenn sie von der Mauer schon, die K\u00f6pfe<br \/>\nZusammen, schreien, schon von weit, &#8222;wieviel?&#8220;,<br \/>\nSo muss ich hochstehn in den Stegereifen<br \/>\nBergan und leere H\u00e4nde sch\u00fctteln aufw\u00e4rts<br \/>\nZur leeren Stadt und in die leeren H\u00e4user<br \/>\nUnd leeren S\u00e4ckel und muss schreien &#8222;Nichts!<br \/>\nNichts, garnichts, nichts, und drei Belforti tot!<br \/>\nNichts, garnichts, es ist nichts mehr mit Belforti!&#8220;<br \/>\nUnd darum sag ich, Degen her! &#8211; &#8211; &#8211; Ah kalt. &#8211;<br \/>\nAh gut. &#8211; Venosa. Freilich ja Venosa.<br \/>\nUnd sterben &#8211; gut. Ja, freilich. Ja ich dank euch. &#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nur die ersten 56 der insgesamt 471 Blankverse; und bis zur eigentlichen Beichte ist es dabei noch nicht einmal gekommen. Aber dieser Ausschnitt ist sicher lang genug, um den wirklich ganz eigenen Ton zu vermitteln, den Borchardt hier findet. Wortgewaltig, zerfahren, bedr\u00fcckend, und doch so, das man nicht wirklich loskommt; und das ohne zu wisssen, was hier eigentlich verhandelt wird. Wer das erfahren m\u00f6chte, kann sich im Netz umschauen, da ist der restliche Texte weitgehend zu finden, und Wissen zu den &#8222;Belfortis&#8220; auch; wen nur k\u00fcmmert, wie Borchardt seine Verse angelegt hat, um diesen Eindruck zu erreichen, m\u00fcsste mit den 56 Versen hier auskommen?!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Beichte Bocchino Belfortis&#8220; findet sich im Gedicht-Band von Rudolf Borchardts &#8222;Gesammelten Werken&#8220;, erschienen 1957 bei Klett-Cotta, auf den Seiten 398-413; ein l\u00e4ngeres St\u00fcck also, das aber trotzdem ausschlie\u00dflich von der w\u00f6rtlichen Rede eines einzelnen Menschen bestritten wird &#8211; kein wirkliches Selbstgespr\u00e4ch, doch andere Anwesende sind nur zu erahnen durch die Worte, die an sie&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=895\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (20)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-895","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/895","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=895"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/895\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8576,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/895\/revisions\/8576"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=895"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=895"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=895"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}