{"id":9043,"date":"2018-06-06T22:17:18","date_gmt":"2018-06-06T21:17:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=9043"},"modified":"2018-06-09T22:49:21","modified_gmt":"2018-06-09T21:49:21","slug":"erzaehlformen-das-triolett-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=9043","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Triolett (12)"},"content":{"rendered":"<p>Ausf\u00fchrlichere Eintr\u00e4ge zum Triolett finden sich selten. Hier als Beispiel ein ganz lesenswerter aus einer Quelle, der man derlei erst einmal nicht zutraut: &#8222;Dr. Johann Georg Kr\u00fcnitz&#8216; \u00f6konomisch-technologische Enzyklop\u00e4die, oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landswirtschaft, und der Kunstgeschichte, in alphabetischer Ordnung&#8220;. In ebendieser findet sich:<\/p>\n<p><strong>Triolett.<\/strong> <em>Diese Gedichtsgattung, des Versbaues wegen, als eine Spielerei anzusehen, w\u00e4re zu hart, da sie sich sehr gut als ein kleines Miniaturgem\u00e4lde gedankenreicher Gegenst\u00e4nde, besonders aber auf Liebe und Freundschaft und zarte T\u00e4ndeleien bezogen, fassen l\u00e4sst, wie das Sonett, Rondeau, Madrigal etc. Die Trioletts stammen aus einer Periode, wo in Frankreich der Rittergeist wieder auftauchte, oder wo man wenigstens bewies, dass man dem zarten Geschlechte einige R\u00fccksicht schuldet, und daher in der Gelanterie oder feinen Lebensart gegen dasselbe nie zu weit gehen zu k\u00f6nnen glaubte, und deshalb findet man auch in dieser Dichtungsart bei den Franzosen die Ankl\u00e4nge derselben; dass man aber auch andere Lebensbetrachtungen darein kleiden kann, beweiset das Triolett Nr. 1 von Theodor Abel:<\/em><\/p>\n<p><em>Freund, hoffe nicht zu viel hienieden;<\/em><br \/>\n<em>Denn ach! das Leben t\u00e4uscht so oft!<\/em><br \/>\n<em>Ersehnest du dir s\u00fc\u00dfen Frieden,<\/em><br \/>\n<em>O hoffe nicht zu viel hienieden!<\/em><br \/>\n<em>Oft flieht. was wir uns selbst beschieden<\/em><br \/>\n<em>Und wird uns, was wir nicht gehofft!<\/em><br \/>\n<em>Freund, hoffe nicht zuviel hienieden;<\/em><br \/>\n<em>Denn ach! das Leben t\u00e4uscht so oft!<\/em><\/p>\n<p><em>Wie sehr die Franzosen von den Trioletts eingenommen waren, beweiset Menage, welcher das Triolett: le premier Mai so anziehend findet, dass er es: K\u00f6nig der Trioletts nennt; und ein anderer Schriftsteller findet nichts so einfach, edel und zart, als das genannte Triolett; auch seien alle Schlussreime sehr gl\u00fccklich ineinander verwebt, eben so m\u00fcsse man auch das Nat\u00fcrliche in der Mitte so gro\u00dfer Schwierigkeiten bewundern. Wenn nun auch dieses Lob etwas \u00fcbertrieben ist, so kann man doch die Leichtigkeit des Versebaues in dem Gest\u00e4ndnisse der gl\u00fccklich gew\u00e4hlten aufgestellten Miniature der Liebe der franz\u00f6sischen Trioletts, als sehr gelungen nennen. Dass sich aber auch der deutsche Versbau zu dieser Gattung von Gedichten sehr gut eignet, beweisen nicht nur die deutschen Nachbildungen der franz\u00f6sischen Trioletts, sondern auch die deutschen Originale, man wird darin ebensowenig die Leichtigkeit in dem Versbaue vermissen, als die gl\u00fcckliche Wahl in den Gegenst\u00e4nden. Dieses ist auch die Veranlassung, das eben angef\u00fchrte Triolett als Muster hier aufgestellt zu finden, da sie bei den Deutschen in der neueren Epoche der Dichtkunst zerstreuet in Musenalmanachen und Taschenb\u00fcchern stehen, und nur bei wenigen Dichtern in der Sammlung und Herausgabe ihrer Gedichte gefunden werden.\u00a0 Auch scheinen alle die oben angef\u00fchrten Dichtungsarten, au\u00dfer dem Sonette, bei den neueren Dichtern wenig Anklang zu finden, und dieses vielleicht bei dem Triolette, weil es \u00dcbung erfordert, einen phantasiereichen Gegenstand in f\u00fcnf Zeilen so auszumalen, dass die drei sich wiederholenden Zeilen, welche den Vers aus acht Zeilen bilden, so geschickt mit den \u00fcbrigen verwebt werden. dass sich keine H\u00e4rte des Ausdrucks bemerkbar macht, sondern die Wiederholungen mit dem Hauptgedanken, gleichsam spielend, zu einem Gedanken verbunden werden.<\/em><\/p>\n<p>Sicher, umst\u00e4ndlich geschrieben, damals, 1846; aber man erf\u00e4hrt doch etwas, und wie gesagt: Die meisten anderen Eintr\u00e4ge sind deutlich k\u00fcrzer und noch wissens\u00e4rmer &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausf\u00fchrlichere Eintr\u00e4ge zum Triolett finden sich selten. 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