{"id":9320,"date":"2019-08-11T09:54:04","date_gmt":"2019-08-11T08:54:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=9320"},"modified":"2020-01-22T15:13:01","modified_gmt":"2020-01-22T14:13:01","slug":"erzaehlformen-das-distichon-121","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=9320","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (121)"},"content":{"rendered":"<p>Selbstbez\u00fcgliche Sonette oder auch Triolette gibt es in gro\u00dfer Menge; \u00e4hnliche Texte zum Distichon sind seltener, erst recht solche, die sich nicht epigrammatisch in einem einzelnen Distichon oder Doppeldistichon verwirklichen. Michael Beer verbindet diesen Selbstbezug aber mit einer netten kleinen Geschichte:<\/p>\n<p><em>Haltet elegisches Ma\u00df, ihr Verslein! Dem lieblichen Takt nach<\/em><br \/>\n<em>Eilt ein gef\u00e4lliger Gott, Wonnen erdenkend, herbei.<\/em><br \/>\n<em>Kaum vernimmt der den steigenden Tritt des Hexameters, h\u00f6rt kaum<\/em><br \/>\n<em>Rauschend, wie st\u00fcrzende Flut, schneller Pentameter Fall &#8211;<\/em><br \/>\n<em>Gleich gedenkt er der r\u00f6mischen Zeit, der r\u00f6mischen S\u00e4nger,<\/em><br \/>\n<em>Sinnt den begl\u00fcckenden Lohn gleich der Geschmeichelte aus.<\/em><br \/>\n<em>Reicher begabte der Gott nicht Ovidius s\u00fc\u00dfe Corinna,<\/em><br \/>\n<em>Cynthia nicht des Properz, als er mein M\u00e4dchen geschm\u00fcckt:<\/em><br \/>\n<em>Alles ist Adel an ihr, und F\u00fcll&#8216; ist alles und Anmut,<\/em><br \/>\n<em>Am vollendeten Werk kenn&#8216; ich den Meister. &#8211; Er ist&#8217;s.<\/em><br \/>\n<em>Zeus kann K\u00f6nige formen und Ares Helden, den S\u00e4nger<\/em><br \/>\n<em>stattet mit strahlender Hand Ph\u00f6bos, der herrliche, aus.<\/em><br \/>\n<em>Pallas, die Wissende, w\u00f6lbt die Stirn unsterblicher Denker,<\/em><br \/>\n<em>Aber ein M\u00e4dchen wie dies bildet uns Amor allein.<\/em><br \/>\n<em>Lange, wie z\u00f6gernd der K\u00fcnstler sich trennt vom lieben Gebilde,<\/em><br \/>\n<em>Hat er sie sorgsam gehegt, gleich nicht sie jedem gew\u00e4hrt.<\/em><br \/>\n<em>Pl\u00f6tzlich von bebenden Saiten erklingt der befreundete Rhythmus<\/em><br \/>\n<em>(Dank dir, elegisches Ma\u00df, das mir den Losen get\u00e4uscht!)<\/em><br \/>\n<em>Und er flattert herbei, er hofft erquickende Opfer,<\/em><br \/>\n<em>Bringt zu besel&#8217;gendem Lohn schnell die Verborgene mit.<\/em><br \/>\n<em>Bist du endlich betrogen, du Allbetr\u00fcger, und lockte<\/em><br \/>\n<em>Dich ein Barbar, o Schmach, listig ins rhythmische Netz?<\/em><br \/>\n<em>Weil du Cynthia gew\u00e4hrt, so hoffst du Properzius? Vergib mir!<\/em><br \/>\n<em>Nur mein d\u00fcrftiges Lied lohnt dir den g\u00f6ttlichen Dienst.<\/em><\/p>\n<p>Ob Beers &#8222;Lied&#8220; wirklich ein &#8222;d\u00fcrftiges&#8220; ist &#8211; wer wei\u00df; eigentlich lesen sich seine Hexa- und Pentameter ganz angenehm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbstbez\u00fcgliche Sonette oder auch Triolette gibt es in gro\u00dfer Menge; \u00e4hnliche Texte zum Distichon sind seltener, erst recht solche, die sich nicht epigrammatisch in einem einzelnen Distichon oder Doppeldistichon verwirklichen. Michael Beer verbindet diesen Selbstbezug aber mit einer netten kleinen Geschichte: Haltet elegisches Ma\u00df, ihr Verslein! 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