{"id":967,"date":"2014-02-21T01:46:25","date_gmt":"2014-02-20T23:46:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=967"},"modified":"2014-02-21T01:46:25","modified_gmt":"2014-02-20T23:46:25","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=967","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (17)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der &#8222;Ioniker a minore&#8220; im Hexameter<\/strong><\/p>\n<p>Kann eine rhythmische Figur der Form &#8222;x x X X&#8220;, &#8220; ta ta<strong> tam tam<\/strong>&#8220; im Hexameter vorkommen?! Nicht so einfach, aber mit etwas gutem Willen geht es!<\/p>\n<p>Daf\u00fcr muss sich aber der entsprechende deutsche Hexameter recht stark am antiken Vorbild ausrichten. Bei den Griechen und R\u00f6mern konnte die letzte Silbe entweder &#8222;lang&#8220; oder &#8222;kurz&#8220; sein, soll hei\u00dfen, im Versausgang waren diese beiden Formen m\u00f6glich:<\/p>\n<p>\u2014 v v \u2014 v<br \/>\n\u2014 v v \u2014 \u2014<\/p>\n<p>Bei der zweiten Form ist der Ionikus schon erkennbar, oder? Alles, was es dann noch braucht, ist ein Sinn-Einschnitt vor der viertletzten Silbe, und das &#8222;ta ta <strong>tam tam<\/strong>&#8220; wird h\u00f6rbar!<\/p>\n<p>\u2014 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> v v \u2014 \u2014<\/p>\n<p>Beispiele nehme ich aus der Ilias-\u00dcbersetzung von Vo\u00df &#8211; die ist ganz sicher &#8222;an der Antike orientiert&#8220; &#8230; Zwanzigster Gesang, Vers 25:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn wo Achilleus allein den Troern naht in der Feldschlacht<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;In der Feldschlacht&#8220; ist das gesuchte &#8222;v v \u2014 \u2014&#8220;! &#8222;Pr\u00e4position + Artikel + Kompositum&#8220; ist dabei eine gerngenommene Wahl, aber es geht nat\u00fcrlich auch anders &#8211; zwanzigster Gesang, Vers 374:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trojas S\u00f6hn&#8216;, und es st\u00fcrmte der Streiter Gew\u00fchl und Geschrei scholl<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;und Geschrei scholl&#8220;. Es geht aber auch mit Adjektiven, etwa im vierten Gesang, Vers 534:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche, wie gro\u00df der Held, wie gewaltig er war und wie ruhmvoll<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bitte: &#8222;und wie ruhmvoll&#8220;! Nat\u00fcrlich sind die letzten beiden Silben auch darum ann\u00e4hrend gleichschwer, weil die Pause am Versende immer dazu f\u00fchrt, dass die letzte Silbe etwas mehr Beachtung erf\u00e4hrt. Dementsprechend sind Ioniker im Versinnern zwar denkbar, aber da wird die zweite Silbe wohl doch etwas schw\u00e4cher gelesen als die erste. Damit das ganze \u00fcberhaupt m\u00f6glich wird, braucht es einen bukolischen Schnitt &#8211; also eine Sinnpause vor der (schweren) f\u00fcnftletzten Silbe &#8211; und einem (Haupt)-Schnitt in der dritten, mit zwei unbetonten Silben ausgestatteten Einheit; und schlie\u00dflich eine vierte Einheit, in der beide Silben (fast) gleichschwer sind. Hm, ich sehe schon, es ist wieder Zeit f\u00fcr ein Beispiel &#8211; diesmal aus Vossens eigener Praxis, der &#8222;Luise&#8220; (zweite Idylle, Vers 25):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V\u00e4terchen, wachst du schon? Da ich aufstand, schliefst du so ruhig;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V\u00e4terchen, wachst du schon? <span style=\"color: #ff0000\">Da ich aufstand<\/span>, schliefst du so ruhig;<\/p>\n<p>Alles, wie oben angek\u00fcndigt; Aber wenn man den Vers spricht, merkt man schnell, dass es hier zumindest mehr \u00dcberzeugung braucht, den Ioniker h\u00f6rbar zu machen &#8230; Andere Beispiele verhalten sich \u00e4hnlich &#8211; zweite Idylle, Vers 84:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hurtig das Becken gereicht, und das Handtuch! Gl\u00fcht mir das Antlitz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In &#8222;und das Handtuch&#8220; wird nat\u00fcrlich die letzte Silbe durch das folgende Rufzeichen etwas gest\u00fctzt. Aber allgemein &#8211; nein, das ist nicht so ganz das Wahre. Dann doch lieber die Ioniker am Versende. Ich schlie\u00dfe daher mit einem &#8222;Vergleichs-Ioniker&#8220; aus Vossens &#8222;Bezaubertem Teufel&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wetter! so setze doch ab! Du Esel s\u00e4ufst wie ein Postknecht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00fcbsch! Aber wie gesagt &#8211; f\u00fcr diese Art von Erscheinung braucht es ein antikisierendes Verst\u00e4ndnis des Verses. Im rein deutschen Hexameter, sagen wir, goethischer Auspr\u00e4gung wird sich derlei seltener finden &#8230; Nichtsdestotrotz liest es sich eindrucksvoll, der Vers gewinnt an Schwere und Ausdruck, verliert aber daf\u00fcr an Nat\u00fcrlichkeit. Ab und an ist das auch sch\u00f6n!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &#8222;Ioniker a minore&#8220; im Hexameter Kann eine rhythmische Figur der Form &#8222;x x X X&#8220;, &#8220; ta ta tam tam&#8220; im Hexameter vorkommen?! Nicht so einfach, aber mit etwas gutem Willen geht es! Daf\u00fcr muss sich aber der entsprechende deutsche Hexameter recht stark am antiken Vorbild ausrichten. 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