{"id":9673,"date":"2020-02-13T23:50:53","date_gmt":"2020-02-13T22:50:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=9673"},"modified":"2020-01-18T23:52:59","modified_gmt":"2020-01-18T22:52:59","slug":"die-uz-strophe-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=9673","title":{"rendered":"Die Uz-Strophe (19)"},"content":{"rendered":"<p>Bisher habe ich meist einzelne Strophen vorgestellt; das wird den Gedichten der Zeit um 1750 allerdings nicht wirklich gerecht, da die doch vergleichsweise umfangreich sind. Heute daher von Johann Jakob Dusch sein &#8222;Zum Beschluss des 1756sten Jahres&#8220; &#8211; ein Dutzend Strophen, was ungef\u00e4hr dem Durchschnitt entsprechen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Es ist ein wenig eine Chronik; Erst wird noch einmal das Erdbeben und der Tsunami von Lissabon (1.11.1755) verhandelt, dann die Elbe-Sturmflut vom 7.10.1756; und nicht zu vergessen der siebenj\u00e4hrige Krieg, dessen Kampfhandlungen im Fr\u00fchsommer 1756 einsetzten.<\/p>\n<p>Formal sind es gereimte Uz-Strophen, die einige Abweichungen aufweisen; aber f\u00fcr mein Gef\u00fchl nicht zuviel f\u00fcr einen Text dieser L\u00e4nge.<\/p>\n<p><em>Genug, ach Vater! genug hast du Europa verheeret,<\/em><br \/>\n<em>Und ihre sch\u00fcchternen V\u00f6lker geschreckt;<\/em><br \/>\n<em>Genug die F\u00fcrsten gebeugt, und ihre St\u00e4dte zerst\u00f6ret,<\/em><br \/>\n<em>Und ihre Stra\u00dfen mit Leichen gedeckt!<\/em><\/p>\n<p><em>Noch tritt der blutende Waise, mit schwachen zitternden F\u00fc\u00dfen,<\/em><br \/>\n<em>Des Tagus gebeinvolles Ufer, und weint.<\/em><br \/>\n<em>Auf Tr\u00fcmmern wandelt er da von Schl\u00f6ssern, nun niedergerissen,<\/em><br \/>\n<em>Ein weites Begr\u00e4bnis, das Tausend vereint.<\/em><\/p>\n<p><em>Ach wo? Wo war da ein Schutz, als auf der Schrecknisse Fl\u00fcgel<\/em><br \/>\n<em>Dein ernster Engel den Erdenkreis schlug;<\/em><br \/>\n<em>Und in die T\u00e4ler hinab, und auf die taumelnden H\u00fcgel<\/em><br \/>\n<em>Die Wellen sich rissen, der Boden nicht trug?<\/em><\/p>\n<p><em>Das Weltmeer \u00e4ngstete sich, und floh, und kehrte dann wieder,<\/em><br \/>\n<em>Und donnert an die Gestade hinauf.<\/em><br \/>\n<em>Die St\u00e4dte sanken, und Gipfel von Bergen st\u00fcrzten sich nieder,<\/em><br \/>\n<em>Und h\u00e4uften H\u00fcgel, ein Grabmal, darauf.<\/em><\/p>\n<p><em>Uns schlugst du sp\u00e4ter. Wir sahn den Himmel mit St\u00fcrmen umzogen,<\/em><br \/>\n<em>Und seine Plejaden Verw\u00fcstungen dr\u00e4un.<\/em><br \/>\n<em>Die Elbe wallte empor, und st\u00fcrmte mit donnernden Wogen<\/em><br \/>\n<em>Die langen, gigantischen Vormauern ein.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Sturm arbeitete sie, und warf, wie tanzende B\u00e4lle,<\/em><br \/>\n<em>Die Schiff&#8216;, und streute die Tr\u00fcmmer umher.<\/em><br \/>\n<em>Der Landmann flohe mit Zittern die hinter ihm brausende Welle,<\/em><br \/>\n<em>Und wo er pfl\u00fcgte, da wurde nun Meer.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Herbst ers\u00e4ufet in Fluren und G\u00e4rten; sein Antlitz zu zeigen,<\/em><br \/>\n<em>Sah kaum aus Wassergefilden hervor<\/em><br \/>\n<em>Der Obstbaum, spiegelte sich, und hielt auf tr\u00e4chtigen Zweigen<\/em><br \/>\n<em>Die g\u00fcldene Frucht aus der Welle empor.<\/em><\/p>\n<p><em>Und nun! &#8211; O heiliger Lenz, was wird Europa erfahren,<\/em><br \/>\n<em>Eh&#8216; deine Gefilde noch einmal verbl\u00fchn!<\/em><br \/>\n<em>Ich sehe den schrecklichen Krieg, von Waffen t\u00f6nende Scharen,<\/em><br \/>\n<em>Zwo Welten, aus allen Gegenden ziehn!<\/em><\/p>\n<p><em>So lagert sich um die Gebirge ein drohendes Wetter zusammen,<\/em><br \/>\n<em>Wird reif, und rei\u00dft sich in T\u00e4ler hinab,<\/em><br \/>\n<em>Und schw\u00e4rzet bange Gefilde, und sch\u00fcttet Hagel und Flammen,<\/em><br \/>\n<em>Und eine weite Verw\u00fcstung herab.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Greis erz\u00e4hlt einst den Zwist den Enkeln, die ruhiger leben,<\/em><br \/>\n<em>Der ihrer V\u00e4ter Schwerter gewetzt.<\/em><br \/>\n<em>Die d\u00fcnne Nachwelt wird dann den Bu\u00dftag feiern, und beben,<\/em><br \/>\n<em>Der drei Weltteile in Aufruhr versetzt.<\/em><\/p>\n<p><em>Wo ist der Retter? Zu wem soll der Ge\u00e4ngstete fliehen,<\/em><br \/>\n<em>Auf den die Gei\u00dfel der Z\u00fcchtigung f\u00e4llt?<\/em><br \/>\n<em>Vor wem der heilige Priester am rauchenden Altare knien,<\/em><br \/>\n<em>Als vor dem m\u00e4chtigen Vater der Welt?<\/em><\/p>\n<p><em>O schau doch gn\u00e4dig herab, dass die Gewitter verziehen!<\/em><br \/>\n<em>Entrei\u00df die blinkenden Schwerter der Hand!<\/em><br \/>\n<em>Es m\u00fcsse der schwangere Lenz auf ruhigen Fluren verbl\u00fchen;<\/em><br \/>\n<em>Und Eintracht f\u00fchre die Pflugschar durchs Land!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher habe ich meist einzelne Strophen vorgestellt; das wird den Gedichten der Zeit um 1750 allerdings nicht wirklich gerecht, da die doch vergleichsweise umfangreich sind. Heute daher von Johann Jakob Dusch sein &#8222;Zum Beschluss des 1756sten Jahres&#8220; &#8211; ein Dutzend Strophen, was ungef\u00e4hr dem Durchschnitt entsprechen d\u00fcrfte. Es ist ein wenig eine Chronik; Erst wird&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=9673\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Die Uz-Strophe (19)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-9673","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9673"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9673\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9674,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9673\/revisions\/9674"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}