{"id":983,"date":"2014-02-22T01:33:11","date_gmt":"2014-02-21T23:33:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=983"},"modified":"2014-02-22T01:33:11","modified_gmt":"2014-02-21T23:33:11","slug":"erzaehlverse-der-iambische-trimeter-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=983","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der iambische Trimeter (8)"},"content":{"rendered":"<p>Eduard M\u00f6rikes &#8222;An Longus&#8220; ist ein recht bekannter Text. L\u00e4nger auch; ich stelle hier aber nur das Ende ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch Bu\u00dfe kommt ein Arger wohl zum Himmelreich:<br \/>\nDoch kann der Sehrmann Bu\u00dfe tun? O nimmermehr!<br \/>\nDrum f\u00fcrcht ich, wenn sein abgeschiedner Geist dereinst<br \/>\nSich, frech genug, des Paradieses Pforte naht,<br \/>\nDer rosigen, wo, Wache haltend, hellgelockt<br \/>\nEin Engel lehnet, hingesenkt ein tr\u00e4umend Ohr<br \/>\nDen ewgen Melodien, die im Innern sind:<br \/>\nAufschaut der W\u00e4chter, misset ruhig die Gestalt<br \/>\nVon Kopf zu Fu\u00df, die fragende, und sch\u00fcttelt jetzt<br \/>\nMit sanftem Ernst, mitleidig fast, das sch\u00f6ne Haupt,<br \/>\nLinks deutend, ungern, mit der Hand, abw\u00e4rts den Pfad.<br \/>\nBefremdet, ja beleidigt stellt mein Mann sich an,<br \/>\nUnd zaudert noch; doch da er sieht, hier sei es Ernst,<br \/>\nSchwenkt er in h\u00f6chster Sehrheit trotziglich, getrost<br \/>\nSich ab und schw\u00e4nzelt unges\u00e4umt der H\u00f6lle zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ein &#8222;Sehrmann&#8220; ist, darum kreist der gesamte Text; es ist hier aber gar nicht mal so wichtig. Es lohnt sich vielmehr, der Art nachzusp\u00fcren, wie M\u00f6rike den Satz durch die Verse leitet, so dass sich alles f\u00fcgt und rund wirkt, ohne dabei an Lebendigkeit und Spannung zu verlieren. Wirklich gro\u00dfartig gemacht! Dazu geh\u00f6rt dann auch das gelegentliche Inanspruchnehmen einer der f\u00fcr den Trimeter kennzeichnenden &#8222;metrischen Lizenzen&#8220; wie zum Beispiel dem &#8222;Aufschaut der W\u00e4chter&#8220;, wodurch dieses Aufschauen gerade deutlich wird! Auch hier:<\/p>\n<p>Links deutend, ungern, mit der Hand, abw\u00e4rts den Pfad.<\/p>\n<p>Vom Metrum her betrachtet sieht der Vers so aus:<\/p>\n<p>Links <strong>deu- \/ <\/strong>tend, <strong>un<\/strong>&#8211; \/ gern, <strong>mit<\/strong> \/ der <strong>Hand<\/strong>, \/ ab<strong>w\u00e4rts<\/strong> \/ den <strong>Pfad<\/strong>.<\/p>\n<p>Aber so kann er sicher nicht gelesen werden! Im wirklichen Vortrag kommt viel deutlicher die Endg\u00fcltigkeit der Entscheidung zu Geh\u00f6r dadurch, dass der Vers viel schwerer klingt, als er es mit seinen sechs betonten Silben eigentlich sollte:<\/p>\n<p><strong>Links deu<\/strong>tend, \/ <strong>ungern<\/strong>, \/ mit der <strong>Hand<\/strong>, \/ <strong>abw\u00e4rts<\/strong> \/ den <strong>Pfad<\/strong>.<\/p>\n<p>Dazu noch die Wanderung einer Betonung von dem &#8222;mit&#8220; aufs &#8222;-gern&#8220;?! So jedenfall w\u00fcrde ich den Vers lesen wollen. Vielleicht gibt es noch andere M\u00f6glichkeiten; sicher aber ist, das M\u00f6rike hier sehr eindr\u00fcckliche Verse gelungen sind!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eduard M\u00f6rikes &#8222;An Longus&#8220; ist ein recht bekannter Text. L\u00e4nger auch; ich stelle hier aber nur das Ende ein. &nbsp; Durch Bu\u00dfe kommt ein Arger wohl zum Himmelreich: Doch kann der Sehrmann Bu\u00dfe tun? O nimmermehr! 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