{"id":994,"date":"2014-02-23T01:00:10","date_gmt":"2014-02-22T23:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=994"},"modified":"2014-02-23T16:48:19","modified_gmt":"2014-02-23T14:48:19","slug":"die-bewegungsschule-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=994","title":{"rendered":"Die Bewegungsschule (2)"},"content":{"rendered":"<p>Ich hoffe, das im letzten Eintrag angeregte Sammeln von tata<strong>TAM<\/strong> war ertragreich, und die Notizb\u00fccher und Hefte und Kladden sind wohlgef\u00fcllt; wie Scheunen nach der Ernte!<\/p>\n<p>Diesmal m\u00f6chte ich den Vers vorstellen, um den es im eigentlichen geht. Es ist dieser:<\/p>\n<p>ta ta <strong>TAM <\/strong>\/ ta ta <strong>TAM <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span><\/strong> ta ta <strong>TAM<\/strong> \/ ta ta <strong>TAM<\/strong> <strong> <\/strong><strong><strong> <\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Also vier tata<strong>TAM<\/strong>, mit einem vergleichsweise tiefen Einschnitt genau in der Mitte, einer Pause sowohl inhaltlich als auch auf das Sprechen bezogen! Das wirkt im ersten Augenblick etwas starr und ist es auch; aber das bleibt nicht so, denn nach und nach werde ich zahlreiche M\u00f6glichkeiten vorstellen, den Vers abwechslungsreich und spannungsreich zu gestalten. Hier und jetzt allerdings schlage ich vor, ihn wirklich mit vier tata<strong>TAM<\/strong> zu f\u00fcllen, ganz geduldig, immer wieder:<\/p>\n<p>Aus dem <strong>Wort<\/strong> wird ein <strong>Vers<\/strong>, aus dem <strong>Vers<\/strong> ein Ge<strong>dicht<\/strong>.<\/p>\n<p>Das m\u00fcssen keine sinnvollen Verse sein, und erst recht m\u00fcssen es keine wirklichen Gedichte sein &#8211; es geht nur um das Ein\u00fcben einer Grundbewegung, des tata<strong>TAM<\/strong>s, diesmal aber nicht mehr einzeln, sondern in Folgen von je vier tata<strong>TAM<\/strong>, und zwar immer so, dass die einzelnen tata<strong>TAM<\/strong> auch einer Sinneinheit entsprechen &#8211; und damit deutlich h\u00f6rbar bleiben!<\/p>\n<p>Das ist nicht schwierig, das ist nicht spannend; muss das wirklich sein? Na ja, wenn ich in einer Schul-AG oder im Verein Schachtraining mache, dann geh\u00f6rt das L\u00f6sen von Aufgaben, die ein &#8222;Matt in einem Zug&#8220; (also einen sofortigen Gewinn) fordern, fest dazu. Das sind Aufgaben, die auch fast v\u00f6llige Anf\u00e4nger schon l\u00f6sen k\u00f6nnen; und da kommt dann oft die Frage, warum das sein m\u00fcsse, solche Aufgaben seien doch viel zu einfach. Das stimmt zwar, aber nur, solange man die Anordnung von Figuren, wie sie da auf dem Brett steht und sichtbar ist, f\u00fcr sich betrachtet. Doch es geht beim Schach ja auch darum, vorauszudenken: Ich mache das, sie das, ich das, sie das, ich das, und immer so weiter; solche &#8222;Varianten&#8220; sind oft lang, und es kann geschehen, dass in der Stellung, bis zu der man sich vorgedacht hat, keine einzige der Figuren mehr da steht, wo sie am Anfang der \u00dcberlegungen gestanden hat. Und in diesem Augenblick, wo alles wie im Nebel zu verschwimmen beginnt: da muss ein Schachspieler in der Lage sein, das eigentlich so einfache &#8222;Matt in einem Zug&#8220; trotzdem zu bemerken! Und das geht nur, wenn es zuvor immer und immer wieder einge\u00fcbt worden ist.<\/p>\n<p>Ich denke, in Bezug auf die Versbewegung ist es ganz \u00e4hnlich. Sp\u00e4ter, wenn alle M\u00f6glichkeiten, die Grundbewegung abzuwandeln, eingef\u00fchrt sind (und das werden einige sein), und sich eine F\u00fclle von Wegen auftut, den Satz durch den Vers zu f\u00fchren; und wenn au\u00dferdem, weil es ein &#8222;richtiges&#8220; Gedicht werden soll, die Aufmerksamkeit mindestens so stark inhaltlichen Fragen gilt wie denen des Versbaus: dann muss immer noch das Gef\u00fchl f\u00fcr die Grundbewegung des Verses da sein, damit der Vers dem Verfasser nicht ausbricht aus dem gesteckten Rahmen, und damit dem H\u00f6rer wie der Leserin dieses so wichtige Gef\u00fchl von Schl\u00fcssigkeit, von Notwendigkeit sich vermittelt und vor allem das, was einen metrisch geregelten Vers an erster Stelle ausmacht, erkennbar bleibt: Das spannungsvolle Wechselspiel zwischen metrischem &#8222;Soll&#8220; und rhythmischen &#8222;Ist&#8220;.<\/p>\n<p>Also.<\/p>\n<p>Wenn der <strong>Frosch<\/strong> sich be<strong>wegt<\/strong>, ists ein <strong>Sprung<\/strong> in den <strong>Teich<\/strong>.<\/p>\n<p>&#8230; und derlei Verse, soviele eben machbar sind beim Warten auf den Bus, in der Mittagspause, oder wann immer ein, zwei, f\u00fcnf Minuten drohen, ungenutzt zu verstreichen.<\/p>\n<p>Das Sammeln von W\u00f6rtern muss dar\u00fcber \u00fcbrigens nicht zum Erliegen kommen &#8230; Gerne mehrsilbige, weil sich die beim Schreiben nicht immer einstellen. Also vielleicht tata<strong>TAM<\/strong> tata<strong>TAM<\/strong> &#8211; ein Halbvers mit mindestens einem viersilbigen Wort?!<\/p>\n<p>Das Gemeinschaftsgef\u00fchl, ein Verkehrspolizist, die Bearbeitungsfrist (<strong>Klatsch<\/strong>, eins auf die Finger; nicht reimen!), der berauschende Wein, penetranter Geruch,\u00a0 Episodenbeginn, der Gefangenenchor.<\/p>\n<p>Und immer so weiter &#8211; ein leeres Blatt Papier findet sich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hoffe, das im letzten Eintrag angeregte Sammeln von tataTAM war ertragreich, und die Notizb\u00fccher und Hefte und Kladden sind wohlgef\u00fcllt; wie Scheunen nach der Ernte! Diesmal m\u00f6chte ich den Vers vorstellen, um den es im eigentlichen geht. Es ist dieser: ta ta TAM \/ ta ta TAM || ta ta TAM \/ ta ta&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=994\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Die Bewegungsschule (2)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-994","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/994","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=994"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/994\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1006,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/994\/revisions\/1006"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=994"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=994"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=994"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}